Baugeschichte

Die spätgotische Schorndorfer Stadtkirche erhebt sich im Zentrum der Stadt, westlich des bekannten historischen Marktplatzes, und bildet mit ihrem sechsundsechzig Meter hohen Turm einen dominanten Blickfang. In der Altstadt erscheint sie als wichtiger Bezugspunkt und ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

13. / 14. Jahrhundert

1250 Schorndorf wird zu einer befestgten (Amts)Stadt ausgebaut und erhält eine Wehrkirche.
1275 Diese wird 1275 im liber decimationis - ein konstanzisches Kreuzzugsregister- als "Basilides-Kirche" erstmals urkundlich erwähnt. Dort wurde auch der Geldeingang der päpstlichen Zinsforderungen und Ablasszahlungen für diesen Bau eingetragen. Die dem Basilides geweihte Kirche in Schorndorf wird dort als sehr reiche Pfründe notiert, deren Einkommen beträchtlich über dem der Pfarrkirche in Winterbach liegt.
1359   
Zwei Urkunden aus dem Jahr 1359 bestätigen dann eindeutig den neuen kirchenrechtlichen Status der Basilides-Kirche als Mutterkirche über die Kaplaneien in Weiler und Geradstetten und über die Pfarrkirche in Winterbach. Dieses Filialverhätnis dauerte bis zur Reformation 1534.

15. Jahrhundert

1437

Der Kultus in der alten Marienkirche am Unteren Tor wird eingestellt. Der Marienaltar und Marienpatronat werden in die Pfarrkirche eingegliedert.

1465

Bringt Kirchenrektor Albrecht Grunbach einen Ablass auf den Weg, um die Mittel für eine Kirchenerneuerung zu erlangen. Den Ausschreibungstext finden Sie hier

1477

Ostern 1477 beginnen die Bauarbeiten für eine dreischiffige Hallenkirche im spätgotischen Stil (später dann "Marienkirche" genannt). Der Stuttgarter Kirchbaumeister Aberlin Jörg wurde mit den geplanten Baumaßnahmen betraut. Dieser hatte sich bereits mit dem Bau der Leonhardskirche und der Stiftskirche in Stuttgart sowie der Kilianskirche in Heilbronn einen Namen erworben.

1478

Weiterer Ablass zur Finanzierung des Turmes

1486

Aberlin Jörg stirbt und der Baumeister Peter von Koblenz, der Begürnder der Uracher Schule, baut weiter. Unter ihm wurde wesentlich die Nord- und Ostseite der Kirche abgeschlossen und der Turmbau umgesetzt.

1488

An Stelle der alten Frühmesskapelle an der Südwand des Chorraums wird mit den Bauarbeiten am neuen (Seiten)Turm, der auch eine Frühmesskapelle integriert, begonnen.

1495

Diese Karte, die die Amtsstädte und Klöster der neu zum Herzogtum erhobenen Grafschaft Württemberg darstellt, hält für Schorndorf wohl die Vorgängerkirche der heutigen Stadtkirche fest und zeigt eine Wehrkirche mit massivem quadratischen Turm, die in ihrer Architektur stark der Pfarrkirche in Winterbach gleicht.
  

16. Jahrhundert

1501

Jakob von Urach gibt die Bauleitung an Jakob Stammler. Vollendung des Kirchenschiffs samt einem kleinen (Hoch)Chor und des Turms und Baubeginn an der Marienkapelle.Dazu wurden wohl Teile einer älteren selbstständigen Marienkirche, die am Unteren Tor stand, abgebrochen und am neuen Standort als unselbständige Marienkapelle mit dem Patronat der Himmelskönigin Maria eingebaut

1505

Fertigstellung der Marienkapelle und Begin der inneren Ausgestaltung mit der Wurzel Jesse. Das Konzept wird noch Jakob von Urach zugerechnet, der wohl einen Entwurf des 'Wieners Dombaumeisters Anton Pilgram verwendete. Dr. Albrecht Grunbach, der 40 Jahre lang die Geschicke der Pfarrkirche lenkte, stirbt und wird in der Marienkapelle begraben. Sein Nachfolger wird Leonhart Kurrer. 

1511

Fertigstellung der Marienkapelle und damit des Gesamtwerks. Kirchweihe In jener dreischiffigen Hallenkirche trennten je fünf Säulen das breitere Mittelschiff (9,75 m) von den schmäleren Seitenschiffen (5,00 m). Dabei muss ange¬nommen werden, dass die ursprüngli¬che Decke dieser drei Schiffe in ihrer Höhe einheitlich und schlicht aus Holz (also kein steinernes Netzgewölbe vorhanden) war.

 1515

Jakob von Urach beginnt mit dem Ausbau des bestehenden Hochchors Ein Baubeginn im Zeitraum zwischen 1515-18 ist denkbar.

1530

Leonhart Kurrer stirbt und wird in der Marienkapelle begraben. Der Schorndorfer Steinmetz Thomas Busch führt den Bau des Hochchors fort Dessen Steinmetzzeichen mit dem Hauptmerkmal des Konstanzer Kreuzes finden sich mehrmals an den dortigen Fenstergewänden des Obergeschosses.

1534

Nach der Reformation erhielt die Marienkapelle 1534 eine neue Nutzung. Der gebogene Zugang im Innern, vom Schiff aus, wurde zugemauert, eine Tür als Zugang von außen eingezogen. Ihr Gewölbe wurde mit einer Bretterdecke abgehängt. Der Raum diente so bis 1960 als Sakristei. Erst durch die Rückgestaltung des Hauses in eine gotische Kirche wurde die Marienkapelle 1960 wieder geöffnet, die Bretterdecke entfernt und die Kapelle zur Taufkapelie eingerichtet.

 1570

Wohl gegen 1570 war der Hochchor im Wesentlichen fertiggestellt. Jörg Busch, der Sohn des Thomas Busch, hat dann noch die Wasserspeier, die Kreuzblumenbekrönungen und den Chorumgang gestaltet.

 1579

Der Allgäuer Steinmetzmeister Caspar Schnitzer das Schiff durch die Zwillingswendeltreppe, da die schon bestehende Westempore um eine Südempore erweitert wurde und beide nun vom Kirchplatz aus zugänglich waren.

 1590 Ein anschauliches Bild der Kirche zeichnet Wolleber um 1590: „Außer dem Hochaltar elf Altäre, von denen fünf in den Einsatzkapellen des Langhauses standen, einer im Marienchor, einer im Mittelschiff vor dem Hochchor, einer in der Frühmesskapelle. "

17. Jahrhundert

 1634

Im November 1634, mitten im 30-jährigen Krieg, kam es zur Katastrophe. Nachdem im Sommer des Jahres die schwedische Armee von der kaiserlichen geschlagen und zersprengt worden war, erzwangen sich einige schwedische Regimenter unter dem Obristen Taupadel Einlass in die Festung Schorndorf und begannen, die bestehenden Festungswerke zum Zwecke der eigenen Verteidigung zu verbessern.

Da erschienen im Oktober von Waiblingen her sieben kaiserliche Regimenter unter General Gallas und begannen mit der Belagerung der Stadt. Am Sonntag, dem 24. November, eröffnete die Belagerungsartillerie den Beschuss der Stadt mit Brandgranaten.

Im Gottesdienst wurde gerade das Kapitel vom Greuel der Verwüstung gelesen, da schlugen Flammen aus dem Kirchendach. Im Dachboden, angefüllt mit Frucht, fand das Feuer reichlich Nahrung. Das Inferno, das entstand, brannte fast die ganze Stadt nieder.

„In 18 Stunden während der Feuersturm tobte, hatten die Flammen ihre Vernichtungsarbeit getan, an ein Löschen war nicht zu denken", schreibt ein Augenzeuge. Das gesamte Dachgestühl des Kirchenschiffs war ab- und das Innere ausgebrannt, vollständig ausgebrannt war auch der Turm: Seine kupferne Dachdeckung von 1612 fiel auf den Umgang herab, seine sieben Glocken zerschmolzen in großer Hitze. Die Grundmauern von Schiff und Turm wurden ebenfalls stark beschädigt. Die Portalvorhallen sowie die Mauern und die Gewölbe des Hochchors und der Marienkapelle blieben stehen. Schorndorfs schlimmste Nacht:

1642

Eine Notkirche wurde im Chor eingerichtet; sein Dach war 1642 erneuert.

1651

Der Turm war wieder hergestellt. Parallel dazu wurden Sammelaktionen organisiert um das Langhaus wieder aufzubauen.

1658

Der Ulmer Baumeister Josef Furttenbach beginnt mit dem Wiederaufbau des Langhauses und wandelt dabei die ursprünglich dreischiffige Hallenkirche in eine Predigtsaalkirche um. Die Kanzel kam an die Nordwand, der Altar blieb an seinem Platz vor dem Chor.

Grund für diese Umstrukturierung dürfte ein verändertes Gottesdienstverständnis gewesen sein, das nun die Gemeinschaft untereinander stärker betonte. Den Dachstuhl mit seiner sehr stabilen Hängekonstruktion fertigten die Ulmer Werkmeister Lienhardt und Martin Buchmüller. Er trägt die den gesamten Raum überspannende Kassettendecke.

 1660

Einweihung des wiederhergestellten Gotteshauses. Die für uns heute wahrnehmbare Gestalt der Stadtkirche lässt sich auf dieses Datum zurückführen.


18. Jahrhundert

 1709

Die Kanzel wird an den Chorbogen gerückt, Altar und Taufstein davor bzw. darunter. Die gründlich erneuerte Orgel fand ihren neuen Platz auf einer säulengestützten Empore im hinteren Teil des Chors.

 1767

Ein weiterer Umbau erfolgte durch Johann Friedrich Weyhing. Die Kanzel rückte wieder an die Nordseite des Langhauses, die Orgel wieder auf die Westempore. Dann zog er weitere Emporen unter dem Chorbogen und der Nordostecke ein und vergrößerte die bestehenden; ihre Formen wurden - barockgemäß - nun auch geschwungen. Um die neue Nordostempore zu erreichen, die ja für sich allein stand, schuf Weyhing einen weiteren Zugang in die Kirche in der nordöstlichen Einsatzkapelle. Die Opferbereitschaft der Schorndorfer Bevölkerung für diese Erneuerung war außerordentlich groß.


19. Jahrhundert

1849 Der Cannstatter Stadtbaumeister Depay entfernt unter dem aktuellen gotisierenden Geschmack wieder die Empore unter dem Chorbogen. Eine neue Orgel in ebenfalls gotisierten Gehäuse wurde aufgestellt. Aufgrund der immensen Kosten sah man aber von Überlegungen ab, die Kirche wieder als dreischiffige Anlage mit Säulen und Gewölben auszuführen, auch nicht in der abgemagerten Variante: „Säulen und Gewölbe aus Holz einzubauen und ihnen durch entsprechende Bemalung das Aussehen von steinernen zu geben."

20. Jahrhundert

1902-
1910

Es erfolgte eine gründliche Außen- und Innenrenovierung durch den Stuttgarter Architekten Heinrich Dolmetsch. Jugendstil war der vorherrschende Geschmack. Im Innern wurde der Quersaalgedanke wieder konsequent verwirklicht: Taufstein und Altar rückten nun an die Nordwand.

Die Orgel fand zusammen mit einer Sängertribüne ihren Platz wieder unter dem zum Korbbogen umgestalteten Chorbogen, was den Ausblick in den Chor erheblich behinderte. Die Emporenführung wurde stark vereinfacht.

Der Turm erhielt einen neuen Abschluss, indem seine beiden 260 Jahre alten oberen Geschosse abgetragen und zwei neue mit acht gleichen im gotischen Stil gehaltenen Fenstern aufgebaut wurden. Ein steinerner Umgang - in Anlehnung an den ursprünglichen - ersetzte etwas tiefer angebracht den eisernen. Das Turmdach wurde bedeutend höher und schlanker. Der alte kleine Treppenturm als Zugang von außen wurde wieder hergestellt. Aber auch im Turminnern änderte sich manches: Um z. B. den Glockenschall besser nach außen dringen zu lassen, entschloss man sich, die beiden vorhandenen Glockenböden herauszunehmen und den Aufgang zum obersten Stockwerk bzw. zum Umgang durch eine „luftige" eiserne Wendeltreppe zu meistern. So gewann man eine hohe Glockenhalle, aus der der Schall durch die 8 m hohen Fenster stärker in die Weite dringen konnte.

1958-
1962

Die letzte große Umgestaltung bzw. Restaurierung verantwortete der Stuttgarter Professor Paul Heim. Er entschied sich wiederum für die Längsorientierung der Kirche. Die Kanzel kam wieder an den Ort von 1709, der Altar unter den Chorbogen, der eine Spitzbogenform erhielt. Der Taufstein fand seinen Platz vor der nunmehr geöffneten Marienkapelle, die vorher zugemauert und als Sakristei genutzt worden war. Die Emporen wurden umgebildet, der sogenannte Schopf (der bis dahin zweite Emporenstock auf der Südseite) geschlossen. Eine neue Orgel kam auf die Westempore. Damit wurde der ursprünglichen Raumkonzeption entsprochen; die Gottesdienstbesucher haben wieder freien Ausblick in den Hochchor gen Osten. Einziger Nachteil dieser Raumaufteilung sind die erheblichen Entfernungen im Gottesdienstraum.

1995

Umfassende Außenrenovierung, bei der auch der ehemals stählerne Glockenstuhl durch einen hölzernen ersetzt wurde.

1999

Neue Glasbilder im Chor werden gestiftet


21. Jahrhundert

2005

Geläut mit drei neuen ganz aus Spendengeldern finanzierten Glocken werden wieder auf sieben komplettiert.

2006

 "Jedermann-Fenster" in der nordöstlichen Seitenkapelle werden gestiftet

2012

Im November wird mit der gründlichen Innensanierung begonnen, nachdem sich die Westempore gelöst hat. Auch Heizung und Elektrik müssen erneuert werden.


 

Quelle: Die Stadtkirche, Juwel im Herzen von Schorndorf, Kirchenführer,2007, 1. Aufl.

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