Der Christo-Effekt an der Stadtkirche

Schorndorfer Nachrichten, 2017-03-25: Vom faszinierenden Reiz der Verhüllung im Alltag, in Kunst und Religion / Botschaften einer noch verpackten Ausstellung

Schorndorf. Kaum etwas ist attraktiver als der schmale Spalt in einem Bauzaun, nicht nur für Kinder. Unwiderstehlich reizt das Dahinter, das dem Blick Entzogene - und mag es noch so banal sein wie eine Baugrube. Und warum verpacken wir Geschenke? Geht es da nicht vor allem um die kleine Zeitspanne des Auspackens, dem lustvoll hinausgezögerten Moment zwischen der unbestimmten Erwartung und der sichtbaren Überraschung? Enttäuschungen inklusive.

Besonders das Künstlerpaar Jeanne- Claude und Christo spielte mit seinen spektakulären Verhüllungsaktionen in vielerlei Variationen mit dem Reiz des Verborgenen. Meistens in umgekehrter Richtung: Das scheinbar Altbekannte, keines eingehenden Blickes mehr für wert Erachtete, wird erst durch seine kunstvolle Verpackung wieder zu einem Objekt unseres Begehrens. Aufgeladen mit einem scheinbar neuen Geheimnis, indem es hinter faltenreichen Stoffbahnen wieder fremd gemacht wurde.

Ein gewisses Christo-Gefühl stellt sich dieser Tage auch bei den Passanten um die altehrwürdige Schorndorfer Stadtkirche ein. Dort fallen nun, angebracht unter kunstvollen Baldachinen an der grauen Außenfassade rund um den Kirchenchor, dem aufblickenden Betrachter seltsame Stoffbündel auf. Gehalten sind sie in einem auch von Christo oft verwendeten, warm leuchtenden Orangeton. Sie bedecken die Objekte von 13 Künstlerinnen und Künstlern zum Thema „Kirche fragt Kunst“ anlässlich des Reformationsjubiläums.

Und schon jetzt kann man die evangelische Stadtkirchengemeinde zu ihrer Initiative nur beglückwünschen. Mutig scheint hier die bisher eher harmonieselige Reformations-Erinnerungs-Geschäftigkeit aufgebrochen, hin zu einem von den Künsten auf den Weg gebrachten Disput darüber, was uns Religion und Glauben heute noch bedeuten könnten. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die sich im Namen des einen Herrn zu fundamentalistischem Bildersturm und Zerstörung der Tradition hinreißen ließ. Wer denkt da an Palmyra?
Leichentücher - vor der Auferstehung

So machen die vorläufigen (nennen wir sie) Tuchstatuen wie Wundmale erst jetzt auf eine Leere aufmerksam. Sie sind damit zu befristeten Zeichen eines Verlustes und der Trauer geworden. Unter den der Stadt zugewandten Baldachinen hatten einst Statuen von Heiligen ihren Platz, die als „unanständige“ Götzenbilder dem nachreformatorischen Bildersturm zum Opfer fielen. Die sichtschützenden Bandagen sind damit für ein paar Wochen auch als pietätvolle Leichentücher zu lesen, unter denen sich eine Wiedergeburt - oder Auferstehung - vorbereitet. Und vielleicht werden dann auch bildhafte Übersetzungen der Martyrien der alten Heiligen in unsere glaubens-zerrissene Gegenwart zu sehen sein. Oder auch - die Leere findet eine neue Gestalt.

Schon immer war für die Künste die christliche Vorstellung der Unsichtbarkeit des Göttlichen eine Herausforderung, die zu raffinierten Bild-Erfindungen geführt hat. Faszinierend etwa das Motiv von Schleier und Vorhang in der Geschichte der Malerei mit ihren Inszenierungen von Sichtbarkeit und Entzug des Heiligen oder Göttlichen. Oder Schillers Ballade „Das verschleierte Bild zu Saïs“: „Was ist’s, das hinter diesem Schleier sich verbirgt?“ „Die Wahrheit“, ist die Antwort. Der Jüngling aber, der den Schleier hob, ging daran zugrunde.

Heilige Bilder sind „Erscheinungsweisen des Göttlichen, die durch die Art ihrer Aufstellung den Blicken weitgehend entzogen bleiben. Ihre Enthüllung und Präsentation ist besonderen Momenten vorbehalten, die das Göttliche in die Welt einbrechen lassen“, heißt es im Katalog zur Düsseldorfer Ausstellung „Hinter dem Vorhang“. Heute aber gibt es keine Kultbilder mehr. Doch noch immer kann die Kunst beitragen, - bis zum Zerreißen und darüber hinaus, - zwischen der Anwesenheit und Abwesenheit der Welt, des Göttlichen zu vermitteln. Sie selbst bewahrt es - schleierhaft - auf.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: privat

 

 

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