„In unserer Zeit ein neues Lied“

ZVW, 2011-11-28: Warten auf das Kommen des Herrn / Eindringliches „Oratorium im Advent“ von Hans Georg Bertram in der Stadtkirche

 
Schorndorf. Mit einem Advents-Oratorium des zeitgenössischen Komponisten und Kirchenmusikers Hans Georg Bertram feierten Solisten, das Stuttgarter „Ensemble „musica viva“ und die Schorndorfer Kantorei mit Kinderchor und Jugendkantorei unter der Leitung von Hannelore Hinderer den ersten Advent. Zu hören waren faszinierende Gesänge zwischen Tradition und Moderne zur Feier der „Ankunft des Herrn“.
 
Auf der Suche nach unausgetretenen Pfaden in der Kirchenmusik gelingt es der Schorndorfer Kirchenmusikdirektorin Hannelore Hinderer immer wieder, die Zuhörer mit oft eher unbekannteren, aber gleichwohl sehr interessanten Kompositionen und Komponisten der Gegenwart bekanntzumachen. So auch bei ihrem Konzert zum 1. Advent, in dem ein „Oratorium im Advent“ des lange Jahre als Organisten der Stadtkirche Esslingen wirkenden Hans Georg Bertram vorgestellt wurde. Diese Komposition fügt über 30 Jahre hinweg entstandene Stücke zu einem Oratorium zusammen, „das vom Kommen und Nahen Jesu spricht“ (Hannelore Hinderer) und in dem inhaltlich wie musikalisch die Tradition vom heutigen Glauben, der sich auf sie zurückbesinnt, befragt wird.
 
Ein betörend friedfertiger und pathetischer Siegerjubel
 
„Ich laufe den Adventsweg“ ist eine Kantate überschrieben, von der vor allem durch die Stimmen des Kinderchores und der Streicher in großer Einfachheit etwas beglückend Sanftes ausgeht. Zum Text der ganz hervorragend präsenten Sprecherin Kirsten Drope, die mit freudig staunender Intonation das „Du hast mich erwartet“ zum Ereignis macht, klingen die Streicher wie von fern, zart einladend winkend. Die Stelle mit allen Chören, „Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen“, ist, begleitet von einem Violinsolo, ein betörend friedfertiger, völlig unpathetischer Siegerjubel im Glauben.
 
Der Glauben aber will in der avanciertesten Komposition des Oratoriums, dem „Magnificat der Tränen“, zunächst nicht mehr gelingen. Bertram vertont hier ein Gedicht der Schweizer Lyrikerin Käthi Hohl-Hauser, in dem diese angesichts der Ungerechtigkeiten der Welt verzweifelt. „Herr, ich kann das Magnifikat nicht singen“, klagt der suchende Sopran von Kirsten Drope und bittet „Schenke uns doch in unserer Zeit ein neues Lied“. Und genau das versucht Bertram mit einer den Zweifel in ein zerfahren-eindringliches Klangbild übersetzenden Kantate, in dem der verschwundene Halt im Glauben direkt hörbar erscheint. Im Versprechen auf Weltüberwindung findet die Stimme zu Gewissheit zurück – mit dem ambivalenten Schlussklang eines fest zitternden Orgeltons.
 
Dazu wieder im Kontrast stand dann ein zwar verführerisches, aber auch etwas gefällig wirkendes „Zieh in mein Herz hinein“ für vierstimmigen Chor und mit eindrucksvollem Kammerorchester, in dem Bertram traditionelle Adventslieder wie „Mit Ernst, o Menschenkinder“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“ verwendet. Apart dann wieder die „Weihnachtsmeditation“ mit weiter Spannung zwischen den Chorstimmen und dem hellen, schönen Klang eines Vibrafons.
 
Billig ist die Nachfolge im Glauben nicht zu haben
 
In der kleinen Kantate „Krippe und Kreuz“, mit dem Charme eines fröhlich ausgelassenen Kinderliedes, verwendet Bertram das Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“, um am Ende im Auseinanderklaffen von Text und Melodie einen abgründigen Stimmungsriss zu erzeugen: „Und wer dies Kind mit Freuden umfangen, küssen will, muss vorher mit ihm leiden groß Pein und Marter viel.“ Billig ist die Nachfolge im Glauben also nicht zu haben. Aber längst haben da den Hörer verführerisch Flöte und Orgel in lichte Sphären gelockt.
 
Advent ist die große Feier des Lichts, und das ist auch das große Motiv in der letzten Komposition des Oratoriums „Wir sehen dir entgegen“. Gerade an diesem Werk von 2003 wird das Neues und Altes miteinander verbindende Verfahren Hans Georg Bertrams aufs Ausdruckvollste hörbar. Der Liedtext für die Chöre besteht aus einer Collage von neu vertonten Psalmsprüchen, die unterbrochen werden durch traditionelle Lieder des Evangelischen Gesangbuches, wie dem „Macht hoch die Tür“ zum Mitsingen für die ganze Gemeinde. „Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt“ versichert tröstlich die Sprecherin zum Ausklang dieses vielstimmigen Adventskonzerts.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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