Der Trost der Harfenklänge

ZVW 2014-04-21: Eindringliche Passionsmusik aus Frankreich mit Schorndorfer Kantorei, Ensemble Musica Viva und Solisten in der Stadtkirche

Schorndorf. Die reiche Musikliteratur zur Passion ist besonders geeignet, die Hörer nicht nur intellektuell, sondern auch tief emotional zum Mit- und Nachleiden des Karfreitagsgeschehens zu bewegen. In der evangelischen Stadtkirche waren nun Passionen teils lichter, teils dunkler französischer Katholizität von Cesar Franck bis Olivier Messiaen zu hören.

Sozusagen sehr schmal und dünnlippig lässt der kleine Chor das „O sacrum convivium“ (Heiliges Gastmahl) von Olivier Messiaen von 1937 erklingen, düster von den Streichern begleitet. Nur mit dem Text „gratia et futurae gloriae“, Gnade und künftige Herrlichkeit, schwillt der Klang fast schmerzlich laut und hoch auf, in Erwartung und Hoffnung, um dann schlicht auszuklingen.

Ein kurzes, zartes Stück ist das „Pie Jesu“ der Komponistin Lili Boulanger (1893-1918). Inständig trägt die Sopranstimme (Sophie Sauter) hier die Bitte nach ewiger Ruhe vor, unruhig gequält, begleitet von einem irrlichternden Streicheraufruhr, der vom wohlig-glockigen Versprechen der Harfentöne (Emilie Jaulmes) getröstet und besänftigt wird.

Anders Claude Debussy (1862-1918) in seinem „Danse sacrée et danse profane“ für Harfe und Streicher, das mit großem Wohlklang, ja romanisch lichter Schönheit verführt. Da folgt einem pathetischen Beginn ein elysisches Harfenperlen, begleitet von wie schwerelos gezupften Saiteninstrumenten in federnden Sprüngen. Die Harfe wird hier die alles leitende Solostimme, mit Passagen geradezu seliger Ausgelassenheit.

Intoniert: Das Leid und die Größe des Gekreuzigten

„Die Sieben Worte Jesu am Kreuz“ von Cesar Franck (1822-1890) wurde bereits 1859 komponiert, aber damals nicht aufgeführt. Es intoniert das Leid und die Größe des Gekreuzigten als eindringliches musikalisches Drama. „Dolor“, Schmerz ist das Leitwort des Prologs, schneidend vom Sopran vorgetragen, von harten Holzbläsern skandiert und von pulsierenden Schmerzaufwallungen des Orchesters kommentiert. Mit provozierender Ruhe und Sanftheit beginnt nun der große Chor der Kantorei das „dimitte illis“, das „vergib ihnen“. Empört und von Paukenschlägen begleitet kommentiert der Chor die Verleumdungen Jesu: „Er ist unter die Übeltäter gerechnet worden.“

Der Chor als Spott-Meute eines universalen Atheismus

Sein Echo lässt Franck die Worte „Wahrlich ich sage dir, heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein“ (Tenor: Kai Kluge) im „Herr gedenke meiner“ (Bass: Jens Paulus) finden. „Wer könnte ohne Tränen sehen Christi Mutter“, klagt der harte Sopran beim dritten Wort, „Weib, siehe da, dein Sohn“. Und sehr zart, sehr dünn, lässt der Chor das zentrale „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ erklingen. Franck macht aus diesem Moment, der eine stark bewegende, chorische Verlassenheits-Arie der scheinbaren oder realen Gottesferne.

Seltsam, dass aber in vielen Kompositionen der „letzten Worte“ das „Mich dürstet“ am ergreifendsten geraten ist. Franck fügt hier zusätzlich den Text der Lästerungen der Soldaten hinzu, als böse Triumph-Parodie auf den „König der Juden“. Der große Chor wird hier zur blasphemischen Spottmeute des universalen Atheismus: „So hilf dir selbst!“ und Schluss!

Und doch nicht. „Consummato est“, „Es ist vollbracht!“, der Chor wechselt, erschöpft - tatsächlich von einem Stück zum anderen - die Farbe. Tenor und Harfe kommen hinzu und wir hören: „Durch seine Wunden sind wir geheilt“. Beim letzten Wort, „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“, lässt Franck so interessant wie befremdlich das „spiritum“ den „Geist“ laut, fast schreiend, betonen. Der Chor nimmt das auf, endet mit „spiritum meum“. Der Körper ist erloschen - bleibt zurück?

Ein nachdenklich machendes Karfreitagskonzert, von Kirchenmusikdirektorin Hannelore Hinderer sehr einfühlsam geleitet.

© Schorndorfer Nachrichten;  Foto: ZVW

 

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