Ein völkerverbindendes Hallelujah

ZVW 2013-12-12: Der christliche Yongen-Chor aus Fujian, Südostchina, gastierte auf seiner Europatournee zwischen den Stationen Wien und Paris auch in der Schorndorfer Stadtkirche.

Schorndorf. Der christliche Yongen-Chor aus Fujian, Südostchina, gastierte auf seiner Europatournee zwischen den Stationen Wien und Paris auch in der Schorndorfer Stadtkirche. Nicht „nur“ für ein Konzert, sondern für ein völkerverbindendes Erlebnis, für ein Geben und Nehmen zweier unterschiedlicher Musik- und Glaubenskulturen aus Ost und West.

Hallelujah! Mit Händel für Eine Welt! Alle gemeinsam, Chinesen und Deutsche, feiern in der Schorndorfer Stadtkirche mit diesem einen, insistierend wiederholten Wort und dieser beseelten Melodie ihren Glauben als etwas Lebendiges, etwas Freudiges und Erhebendes, das Freundschaft entstehen lässt und Frieden schafft. Wozu sich Händels Musik wie ein Baustoff eignet, aus dem Freundschaft zur Form wird.

So wie in dieser musikalischen Begegnung chinesischer und deutscher Christen die Musik weniger zur konzertanten Beeindruckung genutzt wird als vielmehr in Workshop-Manier als Mittel zur Zusammenkunft und Verständigungshilfe.

„Da lassen wir uns mal überraschen“

Pfarrerin Dorothee Eisrich ahnte schon vorab, dass dieser Liederabend eher ein Abenteuer sein würde als die übliche Adventserbauung. „Wie das genau wird, ob auf Chinesisch, Deutsch oder Englisch, da lassen wir uns mal überraschen.“ Die Gemeinde in der Stadtkirche müsse auf chinesische Lieder der Gäste gefasst sein, auf englische Chöre aus Händels Messias von der Kantorei und auch auf gemeinsames Singen. Schließlich, so die Pfarrerin im Gespräch, wollten die Gäste aus verschiedenen Kirchen der Provinz Fujian bei ihrem Europabesuch etwas lernen über Kirchengesang. Und schon vorab hieß es von verschiedenen Seiten, dass kein Konzert zu erwarten sei, sondern etwas Gemeinsames, etwas Völkerverbindendes.

 Als die Gäste aus China die Stadtkirche betreten, wird dennoch applaudiert. Und auch als sie am Anfang dieses interkontinentalen Adventssingens vier Lieder vortragen, darunter „Jasmin“, laut der Übersetzerin ein bekanntes chinesisches Volkslied und als Einziges im Block von dezent exotischer Harmonik.

 Ansonsten wirken die chinesischen Chorsänger gar nicht so fremd auf uns. Die Männer tragen schwarze Anzüge mit Fliege, die Frauen strahlendes Weiß, und es gibt doppelt so viele wie männliche Sänger, ähnlich deutschen Chören und auch der gastgebenden Schorndorfer Kantorei. Selbst die Musik wirkt vertraut in ihren Melodien und Harmonien, der Pianist Chen Baiwen begleitet mal mit Akkorden, mal arpeggio, je nachdem, ob das Lied von träumerischem Charakter ist wie etwa (übersetzt) „Heller Mond“, das die Weihnachtszeit beschreibt, oder eher rhythmisch akzentuiert. Nach jedem Lied verbeugt sich der Dirigent Chen Zhaohe, und auch die Sänger genießen sichtlich die Anerkennung durch die Zuhörer.

„Seht, die gute Zeit ist nah“

Beklatscht werden natürlich auch die Auszüge aus Händels Messias, den die Kantorei ja schon jüngst sehr erfolgreich an gleicher Stelle aufgeführt hat. Aber so richtig zu ihrer Bestimmung findet die Leiterin des Chores, Hannelore Hinderer, erst dann, als sie mit freudigen, ausladenden Handbewegungen Adventslieder dirigiert und nach und nach auch die Chinesen mitmachen lässt. Für „Seht, die gute Zeit ist nah“ platziert sie die Männer und Frauen frontal gegenüber und übt mit ihnen ein flankierendes „Hallelujah“ ein, das schließlich in den Kanon der Gemeinde eingeflochten wird. „Kommt, dass Friede werde“ – hier ist ein erster Schritt gemacht, und Pfarrerin Eisrich findet nachher: „Das war nicht Weihnachten, das war Pfingsten!“ Das war Völkerverständigung trotz erheblicher sprachlicher Barrieren, die nicht nur zutage treten, als eine Lesung aus Jesaja anschließend von einem Gast ins Chinesische übertragen wird.

 Aber das nur vermeintliche babylonische Sprachgewirr löst sich auf, nach und nach. Und spätestens im „Halleluja“, der musikalischen Friedensbotschaft.

Der Yongen-Chor

 Der Yongen-Chor (Sing-Gnade-Chor) aus der Provinz Fujian in Südostchina wurde 2008 gegründet und setzt sich aus Bauern, Fischern, Handwerkern, Hausfrauen und Selbstständigen zusammen. Er wird von Pfarrer Chen Zhaohe geleitet, einem Kirchenmusiker, der 1990 über die Musik zum Glauben gefunden habe, wie es in der Einladung von Klaus Autenrieths Förderverein für Deutsch-Chinesische Freundschaft heißt.

Videosequenz von Habermann / ZVW 

© Schorndorfer Nachrichten;  Foto: Habermann / ZVW

 

 

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