Was wir sein können, können wir nur miteinader sein - Dorothee Eisrich

Manuskript Pfarrerin Dorothee Eisrich für „Stadtkirche am Abend“, Schorndorf, 20.05.2012 zum Thema: Was wir sein können, können wir nur miteinander sein

Niemand soll verloren sein. Was für unglaubliche Träume vom Leben sind in der Bibel aufbewahrt und tragen seither unzählige Menschen in ihren Herzen. Niemand soll verloren sein. So ist unser Leben eigentlich gedacht. Aber so ist das Leben nicht. So viele Menschen sind abgeschrieben, haben keine Chance. Sind auf dem falschen Fleck der Erde geboren. Oder kommen in unserer Leistungsgesellschaft nicht zurecht. Haben sich verheddert auf ihrem Weg durchs Leben. Sind durch irgendetwas ins Straucheln gekommen. Und gnadenlos teilt unsere Gesellschaft uns ein in oben und unten, Gewinner und Verlierer.

Was helfen uns dann solche Träume: niemand soll verloren sein? So eine Welt wird es doch nie geben: wo jeder zu seinem Recht kommt, wo jeder von uns wahrgenommen wird. Wo wir wirklich Acht haben aufeinander und es keine Ersten und Letzten mehr gibt?

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: wir leben in einer Welt, auch wenn viele krank daran werden, in der man erfolgreich sein muss, um anerkannt zu werden. Wenn wir dazugehören, Zugang zu einer Gemeinschaft haben wollen, müssen wir irgendetwas gut können: einen Beruf finden und möglichst gut darin sein, Fußball spielen, Musik machen oder was auch immer es ist. Es ist schon für uns selbst anstrengend genug, gut zu sein, mithalten zu können. Für den anderen neben mir bleibt da oft leider keine Zeit. Und wenn er auch noch schwach ist, oder einfach anders, kompliziert, bremst er mich eher auf meinem Weg, so dass ich mir wirklich Zeit für ihn nicht leisten kann.

Was für ein viel tieferes Wissen und Verstehen von uns Menschen ist demgegenüber in dem christlichen Glauben enthalten. Wenn wir uns hier in der Kirche versammeln, fragt niemand nach: was kannst du denn gut? Was machen Sie denn eigentlich beruflich? Hier ist es ganz gleich, was jeder von uns kann und macht. Ich muss nichts mitbringen oder vorzeigen, um willkommen zu sein. Hier kann ich einfach kommen und bin willkommen, so wie ich bin. Mit all dem, was mir gelingt und mit all dem, was bei mir schief läuft. Hier teilen wir unseren Glauben und unsere Sehnsucht. Hier singen wir Lieder unserer Hoffnung und teilen das Brot. In einer solchen Gemeinschaft bekommen wir eine Ahnung dafür, was es heißt: Was wir sein können , können wir nur miteinander sein. Schwestern und Brüder, die miteinander unterwegs sind. Die miteinander lachen und miteinander weinen. Die teilen, was uns beschwert. Kraft schöpfen aus tiefen klaren Quellen. Wahrnehmen und ausloten, wie es weitergehen kann. Eine Gemeinschaft, in der auch nicht alles ideal ist und wir oft genug an unsere Grenzen kommen. Aber wo wir immer wieder neu anfangen miteinander.

Was für eine Stärke, unser Leben von solchen Orten her zu leben. An einem solchen Ort zuhause zu sein. Und eine solche Haltung dann einzubringen in unsere Gesellschaft.

Es gibt so viel mehr im Leben als Erfolg und Leistung, als das, was ich mir erarbeiten kann. Was uns letztlich trägt, was uns stark macht, ist doch die Liebe und das Geliebtsein, das Geben und Nehmen, Schenken und Beschenktsein, die Verbundenheit mit allem Lebendigen, deren Teil ich bin. Paulus sagt: Sind wir wirklich alle Glieder an einem Leib, erleben wir uns als Glieder an einem Leib, dann ist es kein Opfer und keine Last für uns, auf den achtzuhaben, dem es schlecht geht, der nicht mitkommt, aus welchen Gründen auch immer. Dann ist es eher wie bei einem Körper: leidet ein Glied, leiden alle Glieder mit.

Glücklich, sagt Jesus, sind nicht die, denen es gelingt, in einer heilen Welt zu leben oder mit den wenigen lieben Menschen, die ihnen nahestehen, eine kleine heile Welt aufzubauen. Glücklich, selig nennt er die, die in unserer sehr brüchigen und oft sehr heillosen Welt Brücken bauen und Frieden stiften. Sie werden Gottes Kinder heißen. Glücklich nennt er nicht die, denen noch nie ein Unglück passiert ist, sondern glücklich nennt er die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Und nicht die, die die Fähigkeit haben, sich am besten durchzuboxen, werden das Land besitzen, sagt Jesus, auch wenn es uns manchmal so scheint. Sondern am Ende wird diese Erde den Barmherzigen gehören, denen, die ein großes Herz haben für den Menschen neben uns.

Ich sah die Tränen der Unterdrückten. Ich habe das Schreien meines Volkes gehört. Die Stimme, die das ruft, wird in der Bibel Gott genannt. Und dieser Gott ruft heute uns, sein Leib, seine Kirche zu sein.

Amen.

 

© Dorothee Eisrich

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