Zum Erntedank ein Spendenbarometer

ZVW, 2011-10-03:  Gesamtkirchengemeinde geht nach dem gut besuchten Gottesdienst weiter in die Spendenoffensive für die Stadtkirche

 
Schorndorf. Mit einem von über 500 Besuchern gut besuchten Erntedankgottesdienst vor einem prächtig mit Früchten und Lebensmitteln geschmückten Altarbereich feierte die evangelische Kirchengemeinde gestern nicht nur das, was heuer Himmel und Erde geschenkt haben. Sie nutzte auch die Gelegenheit, die Werbetrommel für die Renovierung der Stadtkirche zu rühren, des herausragendsten Gebäudes der Stadt. Das Spendenbarometer zeigt inzwischen 642 000 Euro an.
 
Den Erntedankgottesdienst zierten nicht nur musikalisch außergewöhnliche Beiträge des von Hannelore Hinderer dirigierten Wichtelchors. Er war auch in seiner Farbigkeit ungewöhnlich prächtig. Unter der von den Landfrauen wiederum gefertigten, tags zuvor feierlich eingezogenen, nun hängenden Erntekrone aus Getreideähren stand ein über und über mit Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Sellerie, Zucchini, Kohlrabi, Gelben Rüben, Rettichen und Spitzkrautköpfen üppig bepackter alter Leiterwagen. Daneben Körbe mit prächtigen bunten Äpfeln, saftigen Birnen. Rechts vom Altar eine Vielzahl von Fertigprodukten und Konserven, etwa Kaffee, Nudeln, Marmeladen, die heute an bedürftige Menschen in der Stadt verteilt werden.
 
Statt Fülle immer zu wenig, statt Lebensrhythmus Dauerfruchtbarkeit
 
In ihrer Predigt zum Erntedankfest lenkte Dorothee Eisrich die Aufmerksamkeit auf den oft unzufriedenen, unersättlichen und daher leidenden Geisteszustand von Menschen, die von der Idee besessen sind, es gebe von allem zu wenig: zu wenig zu essen, zu wenig Zeit, zu wenig von allem. „Das Gegenteil ist der Fall. Wir sind in eine Fülle hineingeboren, in eine Fülle von Leben, von Farben, von Natur“, betonte die Pfarrerin. Die Frage sei nur, „ob wir sie wahrnehmen und wie wir aus dieser Fülle miteinander leben“. Ähnlich sei’s mit den Gedanken, immer funktionieren zu müssen, „sozusagen zur Dauerfruchtbarkeit verdammt“. Eisrich wies auf die Rhythmen des Lebens hin, die wichtigen Zeiten der Regeneration. „Wenn wir sie nicht beachten, haben wir einfach das Leben nicht verstanden, wie es funktioniert, und werden oft genug daran krank.“ Daher sei es gut, einmal im Jahr zu staunen „über die Kraft, die alles wachsen lässt“ – statt den Göttern „Erfolg und Macht“ zu huldigen und einen hohen Preis dafür zu zahlen. Vieles im Leben sei eben nicht Verdienst, sondern Geschenk.
 
Zehn große Geldgeber könnten reichen – oder jeder gibt 100 Euro
 
Nach dem Gottesdienst wandte sich die Pfarrerin mit den Kirchbauvereinsvorsitzenden Dr. Christoph Gaa und Dekan Volker Teich dem Dauerpatienten zu: der 1477 erbauten Stadtkirche. Die aktuelle Renovierungsgeschichte, die nun in die entscheidende zweite Phase geht, währt bereits 16 Jahre. Seit der Erstuntersuchung im Jahre 1995, als von einem Wasserspeier ein Teil abplatzte und hinunter auf ein auf dem Organistenparkplatz geparktes Auto stürzte, wurden Turm, Chor, Marienkapelle, Nord- und Westfassade für 2,44 Millionen Euro saniert. Deutlich wurde bald, dass es im Inneren auch nicht besser aussieht. Die Orgelempore bewegte sich, das 50 Jahre alte Instrument versagte bei manchen Tönen die Gefolgschaft, Epitaphe, Holzteile, Kanzel, Altarschranken sind sanierungsbedürftig, die Beleuchtung ist teuer und ineffizient, Stauraum fehlt. Kurzum: Nun steht, nach einer Atempause, die inklusive Orgelrenovierung und Emporensicherung 3,4 Millionen Euro teure Innensanierung an.
 
Für Dr. Gaa, den Nachfolger Karlheinz Vottelers, und seine Mitstreiter gibt’s also viel zu tun. Die 642 000 Euro, die Volker Teich am Sonntag nach dem Gottesdienst als aktuellen Spendenstand durchgab, deuten allerdings darauf hin, dass die Schorndorfer die Stadtkirche auch weiter nicht hängenlassen. Dennoch fehlt zur Marke, ab der die Zuschüsse von Landeskirche und anderen Stellen in voller Höhe fließen, noch eine gute Million. Dekan Teich dazu: „Nach oben gibt es noch etwas Platz. Entweder geben uns zehn, elf Organisationen oder Institutionen 100 000 Euro oder jeder von uns 10 000 Gemeindegliedern 100 Euro, dann sind wir auch da oben. Machen Sie mit!“
 
Dass Spendensammeln zuweilen nicht so einfach ist wie das Ausrichten eines Gemeindeessens im Martin-Luther-Haus, nach dem jede und jeder einen Obulus nach eigenem Gusto ins Spendenkörble legen konnte, zeigte sich in den vergangenen Wochen. So stieß der Kirchbauverein beim Aufstellen eines neuen Spendenbauzauns und Barometers – bis jetzt steht nur ein Provisorium – auf Widerstände in der Nachbarschaft und auch bei der Stadt. Dr. Gaa äußerte sich, darauf angesprochen, zuversichtlich, dass man die offenen Punkte sachlich und einvernehmlich regeln kann. Ihm gehe es um „friedfertige Nachbarschaft“, die auch weiterbestehen soll.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

Evangelische Stadtkirchengemeinde Schorndorf
Friedrich-Fischer-Strasse 4
73614 Schorndorf
  Telefon:(07181) 979619
     Fax: (07181) 979629
Pfarramt.Schorndorf.Stadtkirche-West[at]elkw.de

 


Evang. Kirchenpflege Schorndorf, Schlichtener Str. 21
Kreissparkasse Waiblingen
BIC    SOLADES1WBN
IBAN    DE74 6025 0010 0005 3819 37

 

 
Die Evangelische Stadtkirchengemeinde ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wird vertreten durch den kirchengemeinderat, der wiederum durch die 1. Vorsitzende Pfarrerin Dorothee Eisrich oder den 2. Vorsitzenden Dieter Feser.Inhaltlich verantwortlich nach $5 Telemediengesetz (TMG) und §55 Staatsvertrag über Rundfunk und Telemedien (RSTtV): Geschäftsführende Pfarrerin Dorothee Eisrich. [Haftungsausschluss