Gewürzt mit Witz und heiligem Zorn

Gefeiertes Konzert der Uraufführung von Michael Winds „Sinfonie am Fluss“ und des Wasser-Oratoriums von Enjott Schneider

Schorndorf. Zum Ende der Gartenschau noch einmal die musikalische Feier der Remslandschaft und des Wassers als heiligem Ursprung des Lebens. „Sinfonie am Fluss“ von Michael Wind als Uraufführung und das „Wasser-Oratorium“ von Enjott Schneider. Ein Doppelkonzert unterschiedlichster Sichtweisen und verschiedener Kompositionswege, die zusammengespannt ein nachhaltig begeistertes Publikum in der Stadtkirche hinterließen.

Zunächst also die mit Spannung erwartete Uraufführung der „Sinfonie am Fluss“ von Michael Wind. Um es gleich zu sagen: Das war großes, musikalisches Kino, erfrischend erfindungsreich. Dazu, und das ist bei Komponisten nun gar nicht selbstverständlich: fein gewürzt mit einigem Witz!

Aus fünf Sätzen besteht diese Sinfonie, die einer alten Kulturlandschaft einen musikalischen Echoraum ihrer mythischen wie realen Geschichte verleiht. Das beginnt mit einer quellend anschwellenden Geburtsstimmung des Flusses, die mit fröhlichen Klangelementen ein hoffnungsvolles Ent-Springen intoniert. Da ist ein rhythmisch bewegtes Sichaufmachen zu hören, das von drängenden Ober- und Unterströmungen begleitet wird und schließlich triumphal in die Welt hinauszuströmen scheint.

Konrads Grummeln verdrängt die Hirten- und Flötenidylle

Als düsteres Requiem hebt „Konrads Lied“ an. Gewidmet ist es der Erinnerung an die 1514 vor Schorndorfs Toren hingerichteten zehn Teilnehmer des Bauernaufstandes des „Armen Konrads“. Ein Stück, das eine ländliche Hirten- und Flöten-Idylle heraufruft, das bald von einem dumpfen (Bauern-)Grummeln des Unmuts, der Empörung verdrängt wird. Eine kurze, allzu kurze Aufruhrbereitschaft, die Michael Wind mit feinem Gespür nicht apokalyptisch beendet, sondern offen in die Zukunft schweben lässt.

„Allons enfants“ wird zu Beginn des „Pas de deux (Barbara und der General)“ zitiert, als Aufforderung zum historisch nicht stattgefunden habenden Tänzchen zwischen Barbara Künkelin und Schorndorfs französischem Belagerer General Mélac. Mit Augenzwinkern führt der Komponist hier eine sozusagen entmilitarisierte Form von Marschmusik auf, die graziös als schöne Zukunftsmusik in ein Tänzchen übergeht. Hätte ja sein können.Als eine Art Scherzo könnte man den vierten Satz, die „Werkstatt-Träume“, bezeichnen, die uns als rhythmisch raffinierte Schlag-Collage ins Hämmern, Pfeifen und Scheppern von Gottlieb Daimlers Erfinderklause entführt. Und ja, da ist auch eine jubilierende Fortschritts-Trompete am Start. Das Ganze mutiert mit Witz und Drive in einen jazzy Motor-Sound. Die Rädchen greifen ineinander und nehmen Fahrt auf.

Schließlich geht der Bogen am Ende zurück in mythische Stauferferne mit einem funkelnden musikalischen Erzählstrom, der die Gmünder Stadt-Legende des Rings der Agnes in ein aufgewühltes Geschichtsdonnern münden lässt. Ja – alles ist Fluss!

Man wünschte sich, dass einem das bei der Uraufführung souverän von Lucia Müller dirigierte Stück mit anderen (Schul-?) Orchestern bald einmal wieder begegnet.

Radikaler Stimmungswechsel dann mit dem „Wasser-Oratorium“ von Enjott Schneider. Das 2010 komponierte Stück in zehn Sätzen trägt den Untertitel „und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“. Das ist sakrale Musik, die sich jüdischer, christlicher, lyrischer und journalistischer Texte sowie eines Stückes aus dem „Popul Vuh“ der Maya bedient. Eine Beschwörung der Heiligkeit und ein Aufruf zum Erhalt dieses lebensspendenden Elementes. Dirigiert von Hannelore Hinderer, ist das mit den Chören der Kantorei, den bestechenden Solisten und dem feinen Orchester des Ensembles „Musica Viva“ aus Stuttgart ein wuchtiges, eindringliches Hör-Ereignis geworden. Programmatisch steht dafür am Ende des ersten Satzes („Am Anfang schuf Gott“) das „Und Gott sah, dass es gut war“ nicht als zufriedene Besänftigung, sondern als fordernder Schrei.

Eine prophetische Protest-Litanei mit dem Aufruf zur Umkehr

Beschwörende Kult-Musik auch der dritte Satz über den „Engel des Wassers“ aus einer Schriftenrolle der Essener. Die Aufgabe des Engels, sie ist auch die unsere: „... einen Garten als Ort des lebendigen Grüns hervorbringen, voller Bäume und dem Duft der Blumen“.

Dem steht mit politischer Protest-Wucht der siebte Satz mit seiner Collage aus Sach- und Zeitungstexten gegenüber. Eine prophetische Litanei als Anruf zur Umkehr: „Wassermangel, Wasserkrieg, Wasservergiftung ...“ Ein zum Himmel schreiendes Gebet: „Hör Gott mein Rufen“.

Denn das Wasser, so schließt das Oratorium, es ist ein Geschenk, eine Gnade mit der Aufforderung: Wen dürstet, der komme ... der nehme das Wasser umsonst.“

Lange anhaltender begeisterter Beifall für alle Beteiligten.

©️ Schondorfer Nachrichten; Foto: Benjamin Büttner

 

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