"Wir müssen uns neu erfinden"

Schorndorfer Nachrichten, 25.6.2019. Großes Interesse an Stadtkirche am Abend auf dem Marktplatz / „Mit Fantasie und Gemeinsinn gegen Alternativlosigkeit“

Schorndorf. „Impulse für eine Zukunft. Mut machen, fragen, wie wir leben wollen“, das, so Pfarrerin Dorothee Eisrich, war die Absicht von „Stadtkirche am Abend“, die diesmal als Abschluss des „Tags der Region“ auf dem Oberen Marktplatz stattfand. „Mit Fantasie und Gemeinsinn gegen Alternativlosigkeit“ war das Thema, zu dem Menschen geladen waren, die mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement ein Beispiel geben.

„Alternativlos!“ Das ist so ein Unwort, das jede Initiative lähmt und blockiert. Zudem ist es eine Beleidigung des Möglichkeitssinns, der danach fragt, ob es nicht auch anders gehen könnte. Und nicht nur die von Jugendlichen in der „Fridays for Future“-Bewegung mit großer Dringlichkeit thematisierte Klimakatastrophe macht derzeit deutlich: dass es anders gehen muss.

Pfarrerin Eisrich, die das Gespräch zusammen mit Pfarrer Romeo Edel, dem Geschäftsführer des Dialogforums Kirchen in der Region organisiert hatte, sprach es zu Beginn des Abends an: „Jugendliche machen sich das so deutlich wie kaum jemand.“ Und sie schloss mit großem Ernst, nachdem eine Reihe mutmachender Menschen vor großem und interessiertem Publikum auf dem Marktplatz von ihren Projekten erzählt hatten: „Heute ist die Reformation unseres Lebensstils dran.“

Demokratie-Schulung und ein „Foodsharing-Café“

Noch „inspiriert“ vom gerade zu Ende gegangenen Kirchtag sagte sie: Zum Handeln brauchen wir Hoffnung. Lebensmut speist sich aus Geschichten der Hoffnung, deshalb haben wir so viele Menschen eingeladen. Da war zunächst Christoph Sonntag, der kurz zuvor noch als Comedian auf der Bühne stand und nun über eine seiner Stiftungen, das Demokratie-Projekt für Jugendliche, sprach. „Wir machen dort richtig Demokratieschulung“, erklärte er deren Arbeit. Und er weiß: „Jeder kann etwas tun!“

Anderswo wird gehungert, und bei uns landen zu viele Lebensmittel im Müll. Dafür, ein Bewusstsein zu schaffen, es zu ändern, arbeitet Maike Lambarth, als „Lebensmittelretterin“. Die junge Frau engagiert sich beim vor wenigen Tagen in Stuttgart eröffneten „Foodsharing Café“, eine, wie sie sagte „Verteilerstation, in der Lebensmittel kostenfrei, zugänglich für alle verteilt werden“. Es ist die erste Einrichtung dieser Art, aber, sagte Lambarth, „es sind noch nicht genug Leute bereit, sich zu engagieren und mehr Verantwortung für die Lebensmittel zu übernehmen“.

„Politik hat Verträge unterschrieben, die sie nicht halten will“

In der Klima-Bewegung „Fridays for Future“ ist die Schülerin Charlotte von Bonin aus Stuttgart aktiv. „Auch wir Schüler wollen nicht ewig streiken müssen. Aber die Politik hat Verträge unterschrieben, die sie nicht einhalten will“, erklärte sie mit Bezug auf die neuesten EU-Verlautbarungen, die das Erreichen einer schon beschlossenen CO2-Neutralität bis 2050 hinfällig werden lassen.

Sven Noack ist Geschäftsführer eines Nürtinger Unternehmens und kennt „das Gefühl, dass einen keiner will“. Eines seiner Anliegen ist die Integration Asylsuchender in den Arbeitsmarkt. „Wenn ich Potenzial sehe, ob bei einem Flüchtling oder einem Studienabbrecher, dem werd’ ich eine Chance geben.“ Einer von diesen ist Ahmed Hasan, Flüchtling aus Somalia, der seit 2014 in Deutschland lebt. Durch Noack erhielt er eine Chance und steht nun kurz vor seinem Hauptschulabschluss.

„Ich habe den Eindruck, wir müssen uns neu erfinden“, fasste Dorothee Eisrich die anregende Gesprächsrunde zusammen. Viele nachdenkliche und inspirierte Gesichter waren hernach im Publikum zu sehen. Inspiriert auch durch die Lieder von Svenja Stieler und die atemberaubend intensiven Jazz-Dialoge des Pianisten Patrick Bebelaar mit dem Sopransaxofon von Frank Kroll.

Offene Klangwelten – Zukunftsmusik?

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Benjamin Büttner

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