Gemeinsames Essen für die Stadtkirche

Jeden zweiten Mittwoch gibt’s im Martin-Luther-Haus ein frisch gekochtes Mittagessen / Erlös für die Dachstuhlsanierung

Schorndorf. Ein frisch gekochtes Mittagessen mit kleinem Nachtisch, Mineralwasser zum Nachschenken, einer Tasse Kaffee und auch noch zugunsten der Chordachstuhlsanierung der Stadtkirche: Ein solches Menü tischen Ute Ott und Susanne Mopils mit einer ganzen Reihe von Helferinnen seit Oktober jeden zweiten Mittwoch im Martin-Luther-Haus auf. 500 Euro Reinerlös sind bisher zusammengekommen. Genauso wichtig ist für die Köchinnen und für Pfarrerin Dorothee Eisrich aber, dass beim Essen Gemeinschaft entsteht.

Auf der Speisekarte standen schon Gaisburger Marsch und Putengeschnetzeltes, es gab schon Linsen mit Spätzle und Schweinerückenbraten, vor Weihnachten sogar ein Hirschgulasch. Wenn alle zwei Wochen die schwarze Menütafel vor dem Martin-Luther-Haus aufgestellt ist, können sich Berufstätige und Rentner, junge Eltern und alle anderen Hungrigen darauf freuen, dass es im großen Saal ein leckeres Mittagessen gibt, das auch für Vegetarier eine Alternative bietet. Ob mit Fleisch oder ohne – gekocht wird immer frisch und aus Zutaten, die tags zuvor auch auf dem Wochenmarkt, ja sogar erst am Mittwoch beim Metzger eingekauft werden.

Und damit das Essen pünktlich um 12 Uhr auf dem Tisch stehen kann, treffen sich Ute Ott und Susanne Mopils bereits morgens um 8 Uhr zum Kochen in der Küche im Untergeschoss des Martin-Luther-Hauses. Als gelernte Fleischereifachverkäuferin und ehemalige Hauswirtschaftsleiterin im Karls- und Marienstift haben die Kirchengemeinderätin und die Küchenverantwortliche der Kirchengemeine genug Erfahrung, die Mengen richtig einzuschätzen. Und sie haben – auch wenn sie wie zuletzt für den Hackbraten mit Salzkartoffeln und gedämpftem Gemüse 17 Kilogramm Fleisch und 20 Kilogramm Gemüse verschaffen sowie 15 Kilogramm Kartoffeln schälen mussten – die nötige Gelassenheit. Kein Problem, sich vor dem großen Ansturm, um halb elf, noch eine Kaffeepause zu gönnen.

Beliebt war ihr Mittagessen von Anfang an: Bei der Premiere im Oktober haben sie auf Anhieb für 70 Personen gekocht. Mittlerweile gibt es Stammesser, die jeden zweiten Mittwoch ins Martin-Luther-Haus kommen. „Ein Damentisch verabredet sich immer“, weiß Pfarrerin Dorothee Eisrich und freut sich, dass nicht nur das Essen gut ankommt, sondern beim Mittagstisch auch Gemeinschaft entsteht. Um ins Gespräch zu kommen, setzen sie oder ein anderer Pfarrer sich mit an die Tische. „Man lernt Leute kennen“, sagt Eisrich, „muss aber nicht.“ Und wer’s eilig hat und nur wenig Zeit in der Mittagspause, kann auch in 20 Minuten wieder draußen sein. Ein gemütliches Mittagessen mit einer Tasse fair gehandelten Kaffees im Anschluss ist natürlich auch drin. Und dazu gibt es – unaufdringlich an der Kasse – Kärtchen mit der Jahreslosung oder anderen religiösen Impulsen.

Am schön gedeckten Tisch oder zum Mitnehmen für zu Hause

Liebevoll gedeckt sind die Tische für alle: mit Kerzen, einem Besteckkorb, Servietten und Mineralwasserflaschen zum Nachschenken. Für sechs Euro für die normale Portion und drei Euro für Kinder gibt’s dann aber nicht nur ein frisch gekochtes Hauptgericht, sondern immer auch einen kleinen Nachtisch im Glas, vorbereitet von Ute Ott und ihren Töchtern. Wer nur mit kleinem Hunger ins Martin-Luther-Haus kommt, kann auch eine Suppe haben. „Manche kommen auch mit Tupperschüssel und nehmen’s mit“, sagt Katrin Hutzel, eigentlich engagiert in der katholischen Kirchengemeinde und trotzdem gerne beim Mittagstisch für die Stadtkirche dabei: „Ich mag es, in der Großküche zu kochen.“

So wie sie haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder Freiwillige gefunden, die Ute Ott und Susanne Mopils in roten Schürzen unterstützen – und damit Teil dieses schönen Angebots sind. Dachten die Initiatorinnen anfangs, sie könnten’s zu zweit stemmen, sind sie froh, mittlerweile auf einen Helferpool von fast einem Dutzend zurückgreifen zu können. Es sind sogar Konfirmanden dabei: Bei den 80 Mittagessen, die jeden zweiten Mittwoch im Martin-Luther-Haus über die Theke gehen, braucht’s aber auch immer fünf bis sechs Helfer im „Mahlzeit“-Team. Und sie alle freut’s, dass die Idee so gut ankommt: „Das ist ein Geschenk“, sagt Ute Ott.

Zunächst als Sonntagsessen geplant, war schnell klar, dass es Bedarf für ein leckeres Mittagessen eigentlich auch unter der Woche gibt. Und weil der Mittagstisch nicht in Konkurrenz zu anderen Angeboten, wie dem Essen der Erlacher Höhe am Montag, dem Awo-Essen in der Karl-Wahl-Begegnungsstätte und dem Mittagstisch in der Versöhnungskirche am Donnerstag treten wollte, hat auch der Kirchengemeinderat schnell grünes Licht gegeben. Und so werden jetzt nicht nur alle zwei Wochen mittwochs Rentner bekocht, die sich zu Hause nichts mehr kochen können, oder Alleinstehende, die lieber in Gesellschaft essen möchten, sondern auch viele Berufstätige, die dankbar sind für die unkomplizierte Essenspause.

Dass das Angebot auch noch für den guten Zweck ist, also der Stadtkirche zugutekommt, ist für Pfarrerin Dorothee Eisrich „das i-Tüpfelchen“. Seit Oktober sind 500 Euro Reinerlös zusammengekommen. Und es sollen noch mehr werden: Von den 440 000 Euro, die die Chordachstuhlsanierung maximal kosten soll, muss die Kirchengemeinde 210 000 Euro selbst aufbringen. Aktuell steht das Spendenbarometer bei 150 000 Euro.

Info

Die nächsten Mittagessenstermine des „Mahlzeit“-Teams im Martin-Luther-Haus sind am Mittwoch, 27. Februar, 13. März, 27. März, 10. April und 15. Mai, jeweils von 12 bis 13.15 Uhr. Bis zu den Sommerferien soll’s im Zwei-Wochen-Rhythmus weitergehen und im Herbst auch wieder starten. Das Tagesgericht inklusive Mineralwasser und Nachtisch kostet sechs Euro, Kinder zahlen drei Euro, genauso viel kostet auch ein Teller Suppe.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gaby Schneider

 

 

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