Ein Jungbrunnen des Glaubens

Schorndorfer Nachrichten, 2018-05-16: "Stadtkirche am Abend“ zum Thema „Vom Geist bewegt – Blickpunkt Afrika“

Schorndorf. „Was heißt Christsein heute, Kirche sein – mit dem Blickpunkt Afrika – aber auch für uns?“ So fragte Pfarrerin Dorothee Eisrich zu Beginn von „Stadtkirche am Abend“, bei der die vom Geist bewegte Nachfolge Thema war. Zu Gast waren Pfarrerin Heike Bosien, die von der jüngsten Weltmissionskonferenz in Tansania berichtete, sowie Gregson Erasmus, der Pfarrer einer Herrnhuter Brüdergemeinde in Südafrika ist.

„Was für ein Geheimnis birgt afrikanischer Glaube? Gibt es das überhaupt? Was können wir als Europäer von Christen afrikanischer Länder lernen? Warum tut es uns so gut, immer wieder Geschwisterkirchen zu treffen, einzuladen und uns auszutauschen?“ Fragen über Fragen, gestellt von Heike Bosien, Geschäftsführerin des Dienstes Mission, Ökumene, Entwicklung der Evangelischen Landeskirche in Stuttgart.
Konferenzthema in Tansania: „Transformierende Nachfolge“

Ein paar Antworten dazu erhalten hat die junge Pfarrerin auf der jüngsten Tagung der Weltmissionskonferenz des Ökumenischen Rates der Kirchen im tansanischen Arusha. Von dort hatte sie bewegende Schilderungen einiger Begegnungen mit Vertretern der unterschiedlichsten Kirchen aus aller Welt mitgebracht. Spürbar von einem weltumspannenden Geist der christlichen Nachfolge Jesu getragen.

„Transformierende Nachfolge“, das war auch das Thema der Konferenz, die von der Südafrikanerin Dr. Mualte Mulenga Kaunde mit den Worten eröffnet wurde: „Veränderung geschieht nie in einem Vakuum, sondern dort, wo ich hingestellt bin. Jetzt und heute.“ Und diese konkreten Orte bestimmen auch die Probleme, Aufgaben und Hoffnungen der Gläubigen, die auf der Konferenz vorgestellt wurden.

Da gab es den Theologen aus dem Südpazifik, der davon sprach, dass „wir eine neue Beziehung zur Natur und den Wassern“ brauchen. „Wenn wir nicht umkehren werden mit unserem Wirtschaftssystem, werden wir die natürlichen Grundlagen unseres Lebens für immer zerstören.“ Erschütternd die Stimme einer Frau aus dem Kongo angesichts der politischen Situation und Gewalt in ihrem Land. „Wir sind eine Generation, die weint. Unsere Pfarrer sind nicht mehr in der Lage, uns ein Wort der Hoffnung zu geben.“ Der Frau brach dabei die Stimme. „Wir sind gelähmt.“
Gebraucht wird eine Theologie des gegenseitigen Begleitens

Beim Besuch einer mennonitischen Gemeinde in Arusha erhob sich die älteste Frau, eine Massai, und sprach vom Kampf gegen die Genitalverstümmelung. Noch immer, so Heike Bosien, „werden jedes Jahr im Juni, wenn die Schule zu Ende ist, Tausende von Schülerinnen dieser Praxis unterzogen.“ Die Gemeinden der verschiedenen Kirchen, sagte sie, sind beim langen Weg der Abschaffung eine wichtige Stimme.

„Was wir weltweit brauchen“, so der orthodoxe Bischof Josif aus Argentinien auf dieser Konferenz, „ist eine Theologie des gegenseitigen Begleitens.“ Und so konnte denn Heike Bosien nach diesen vielen Erfahrungen mit Leid, der Solidarität und dem Mut, etwas zu tun, sagen: „Für mich als Europäerin von einer lutherischen Kirche ist eine solche Konferenz wie ein Jungbrunnen meines Glaubens. Wenn ich solche Begegnungen aufnehme, dann weiß ich wieder, warum ich gerne in der Kirche bin und wie uns der Glaube verbindet über alle Grenzen hinweg.“

Sympathisch und bescheiden fiel das Zeugnis einer Nachfolge bei Pfarrer Gregson Erasmus aus. Der 41-Jährige ist in Genadendal (Gnadenthal), einer im Jahr 1737 von der Herrnhuter Mission gegründeten südafrikanischen Gemeinde, aufgewachsen. Unbefangen erzählte er bei „Stadtkirche am Abend“ auch vom Glaubensdruck, der dort herrschte. Bei der morgendlichen Andacht vor Schulbeginn am Montag, „gab es Schläge für diejenigen, die nicht am Sonntag im Gottesdienst waren“.

Bei Nachfolge, sagte der Südafrikaner, denke er ans Kreuz. „Das bedeutet, dass ich in vertikaler Richtung eine Beziehung zu Gott habe; und in horizontaler Richtung eine Beziehung zu anderen Menschen.“ Erasmus ist als Mitglied der „Moravian Church of South Africa“ gerade für einige Zeit ökumenischer Mitarbeiter der Landeskirche in Stuttgart und zitierte Landesbischof July: „Wir sind unterwegs zueinander und wir sind unterwegs miteinander.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Ralph Steinemann

 

 

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