Kraft genug für den Lebenstraum

Schorndorfer Nachrichten, 2018-03-13: Zweite Auflage des Skytalks der evangelischen Stadtkirchengemeinde mit Schauspielerin Jenny Winkler im Postturm

Schorndorf. Wenn junge Leute nicht in die Kirche gehen, kommt die Kirche eben zu ihnen: Mit dem Skytalk macht die evangelische Stadtkirchengemeinde den 20- bis 30-Jährigen ein niederschwelliges Angebot in der Taos-Skybar im Postturm – und kommt dabei überhaupt nicht fromm daher: Mit Jenny Winkler, selbstständiger Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin aus Köln, hat Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann über die Kraft für Lebensträume gesprochen – und irgendwann auch über Gottvertrauen.

Coole Location und Gesprächspartner, die was zu sagen haben. Der Skytalk, zu dem Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann mit einem Team aus der Stadtkirche einlädt, hat auf den ersten Blick mit Kirche nicht viel zu tun. Nur der Turm der Stadtkirche ist durch die großen Fenster in der zehnten Etage des Postturms bestens zu sehen. Ansonsten wird weniger über den Glauben geredet als darüber, was das Leben zu bieten hat – an Krisen, Verlusten und an Träumen.

Bei der ersten Gesprächsrunde, die im Oktober über den Dächern Schorndorfs stattfand, war Reinhardt Schink, Allianz-Manager und stellvertretender Vorsitzender des CVJM Deutschland, zu Gast, um über die Herausforderungen zu reden, die es im System Wirtschaft zu bestehen gilt. Am Samstag, 16. Juni, wird Michael Stahl zum Skytalk kommen: Bodyguard aus Bopfingen, für den Gott wichtige Kraftquelle ist. Vielleicht, hofft Pfarrer Kläger-Lißmann, gelingt es dem Team auch noch, Samuel Koch nach Schorndorf zu locken, der seit einem Unfall vor acht Jahren bei „Wetten, dass ...?“ im Rollstuhl sitzt.

„Ich bin happy, auch wenn ich nicht weltberühmt bin“

Am Samstagmittag aber war erst mal Jenny Winkler da. Die selbstständige Schauspielerin, Event-Moderatorin, Sängerin und Synchronsprecherin, die mit Mann und fast zwei Kindern in Köln lebt, hat sich einen Lebenstraum verwirklicht: Nach dem Musicalstudium in Hamburg hat sie sich – nachdem sie einige Jahre an Großproduktionen beteiligt war – für die Freiheit entschieden und sich selbstständig gemacht. „Ich arbeite da, wo’s geht und wo ich gebraucht werde.“ Zwischen 2011 und 2015 lebte und arbeitete sie in Stuttgart, war im Theater der Altstadt, im Wilhelmatheater und im Theaterhaus zu sehen. Sie war bei einer Kinder- und Jugendsendung des evangelischen Jugendwerks in Stuttgart dabei. Heute moderiert sie vornehmlich Veranstaltungen oder ist mit ihrer Band unterwegs. Dass sie ihre Talente zum Beruf machen konnte – ein echter Lebenstraum: „Rückblickend bin ich schon happy“, antwortete sie auf Kläger-Lißmanns Frage, ob sie ihren Traum tatsächlich lebe, „auch wenn ich nicht weltberühmt bin.“

Doch Lebensträume verändern sich. Das Familienleben bietet eigene Herausforderungen – auch wenn es Winkler immer wichtig war, es mit dem Beruf zu verbinden: Sechs Wochen nach Geburt ihres Sohnes hatte sie ihren ersten Termin; natürlich mit Mann, der ihr in den Pausen das Baby zum Stillen reichte. Es gibt Grenzen: Die Idee, sich selbst mit einem akademischen Abschluss zu schmücken, verwarf sie. Das Politikstudium, das sie nebenher begonnen hatte, hat sie irgendwann aufgegeben; und dabei hatte sie, um den Vater zu beruhigen, vor der Künstlerkarriere ja bereits einen Brotberuf gelernt und Toningenieurin studiert. Und es gibt Krisen: Dass ihre Eltern sich früh getrennt haben, das hat bis heute Spuren hinterlassen. So wie die Geburt ihres ersten Kindes, das mit Down-Syndrom auf die Welt kam. Doch als Schicksalsschlag empfindet sie es nicht: Anstatt das Kind – wie neun von zehn Frauen in dieser Situation – abzutreiben, hat sie sich bewusst für Matti entschieden. „Das war gar keine Frage.“ Und auch für ihren Mann war gleich klar: „Das kriegen wir hin.“ Und so war’s dann auch: Zwei Tage nach der Schockdiagnose machte er ihr einen Heiratsantrag. Mittlerweile ist der kleine Sohn im Kindergarten. Er ist Lebensgeschenk und Bereicherung zugleich. Das zweite Kind ist unterwegs. Wie sich Familie und Beruf dann vereinbaren lassen, wird sich zeigen – Jenny Winkler jedenfalls sieht in der Selbstständigkeit eine große Chance: „Ich hab mir vorgenommen, ein bisschen weniger zu reisen.“ Doch sie fühlt sich noch immer stark und robust genug, ihren Traum zu leben. Und für ihren Mann war auch das nie eine Frage – auch wenn das gerade im pietistisch geprägten Remstal bisweilen noch anders gesehen wird: „Da hab ich mir den richtigen Mann ausgesucht“, sagt Winkler auf die Frage einer jungen Frau, die in christlichen Kreisen eher erlebt, dass sich Frauen unterordnen und der Mann sich als Oberhaupt der Familie sieht.

Doch ohne Kraftquellen geht’s auch für Jenny Winkler nicht. „Spielt Glaube eine Rolle?“, fragte Kläger-Lißmann am Ende: Über Glaube, das hat Winkler schon beim ersten Telefongespräch verraten, denke sie gar nicht so viel nach. Gottvertrauen, dass sich alles irgendwann irgendwie fügt, hat sie. Die Beziehung zu Gott: „Die ist einfach da.“ Als Kind und Jugendliche habe sie mit Kirche nur gute Erfahrungen gemacht, in der katholischen Kirche ihres Heimatortes war sie Messdienerin und in der Jugendarbeit aktiv. Kirche war immer ein Ort, an den sie gegangen ist, wenn sie sich einsam fühlte oder Heimweh hatte. Auch, weil der Gottesdienst im Grunde überall gleich gefeiert wird. „Gott“, sagt Jenny Winkler, „hat’s gut mit mir gemeint.“

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gaby Schneider

 

 

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