Ein gemeinsames Ja zu Jesus Christus

Schorndorfer Nachrichten, 2017-11-07: Ökumenischer Festgottesdienst am Reformationstag mit Dekanin Dr. Juliane Baur und Monsignore Dekan Manfred Unsin

Schorndorf. 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag stand beim ökumenischen Festgottesdienst in der Stadtkirche das Gemeinsame, nicht das Trennende im Mittelpunkt. Musikalisch mit Werken von Johann Sebastian Bach und François Couperin, aber auch liturgisch: Dass sie dem Evangelium öffentlich Gehör verschaffen wollen, darin sehen Dekanin Dr. Juliane Baur und ihr katholischer Amtskollege Monsignore Manfred Unsin die Gemeinsamkeit.

Auch wenn die ungeklärte Ämterfrage noch immer dem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten im Wege steht, sich manchem überhaupt die Frage stellt, ob Ökumene von den Kirchen tatsächlich gewollt ist – im Festgottesdienst, der zum Reformationsjubiläum in der Stadtkirche gefeiert wurde, war Einigkeit. Und, wie Dekanin Dr. Juliane Baur in ihrer Begrüßung erklärte, der Wille, gemeinsam ein Fest der Vergewisserung des christlichen Glaubens zu feiern. „Dass sie dem Evangelium von Jesus Christus öffentlich Gehör verschaffen wollen“, das ist für sie – bei allem Trennenden – die Verbindung.

Und die gelang im Festgottesdienst nicht nur im gemeinsamen Gebet, in der Predigt und bei den Fürbitten, sondern gerade auch musikalisch: Bei der Kantate „Gott, der Herr, ist Sonn’ und Schild“, die in der Stadtkirche vom Ensemble „musica viva“ Stuttgart, dem Projektchor und den Solisten Jeanette von Krosigk (Sopran), Julia Werner (Alt) und Matthias Ratzel (Bass) unter Leitung von Kirchenmusikdirektorin Hannelore Hinderer aufgeführt wurde, saß an der Orgel der katholische Dekanatskirchenmusiker Ulrich Klemm. Und der beschloss den Kantaten-Gottesdienst dann auch mit Teilen einer katholischen Messe von Bachs Zeitgenossen François Couperin. Und schon das Eingangslied konnten Christen beider Konfessionen gemeinsam singen: „Lobe den Herren, den mächtigen König in Ehren“ steht im evangelischen Gesangbuch und es steht im katholischen Gotteslob.
Statt einer Jubiläumspredigt: Aufforderung zur Selbstreflexion

„Von den strahlenden Klängen des Chors“ und einer „beeindruckenden, gewaltigen Musik zur Ehre Gottes“ war der Gottesdienst für Dekanin Dr. Juliane Baur getragen – auch wenn sie in ihrer Predigt keinen Jubiläumstext zu bieten hatte: Stattdessen stieg sie auf die Kanzel, um, ausgehend von einer Stelle aus dem Matthäus-Evangelium, „ein strenges Wort“ an die Gemeinde zu richten – verbunden mit der Aufforderung zur gründlichen Selbstreflexion; es sich also nicht zu einfach zu machen mit dem Glauben. „Jeder“, heißt es in dieser Aussendungsrede Jesu an seine Jünger (Mt 10, 26b-33), „der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.“ Das mag drohend klingen, für Baur ist es aber auch eine Einladung, zu vertrauen – und zum öffentlichen Bekenntnis. Und das in einer Zeit, in der Christen zwar in Deutschland ihren Glauben in Freiheit leben können, von zunehmenden Kirchenaustritten, religiösen Wissenslücken bei Kindern und Jugendlichen und vom Trennenden der beiden Konfessionen aber verunsichert sind. In einer Zeit auch, in der sich die Evangelische Kirche zu ihrem Jubiläum fragt: Was hat uns die Reformation gebracht? Waren wir als Kirche nur mit uns selbst beschäftigt? Und was wäre heute zu verändern?

Christus vor den Menschen ohne Furcht zu bekennen – die Ökumene der Zeugen, ja der Märtyrer, ist das Verbindende. Aber nicht nur angesichts zunehmender Verfolgung von Christen in der Welt, die Kirchen gehören für Dekan Manfred Unsin im Leben zusammen. „Je mehr die Menschen im Glauben leben“, so Unsin in seinem Predigtteil, den er am Ambo hielt, weiter, „umso mehr kommen sie auch zusammen.“ Und es gebe ja auch schon Fortschritte in der Ökumene, wie die am 31. Oktober 1999 unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die gegenseitige Anerkennung der Taufe – und der Dialog, der vielfach bereits die Kontroverse ersetzt habe. Ein Dialog „von Menschen, die ihren Standpunkt haben, aber voneinander lernen wollen“.

Der Wille zur Einigung, spürt Dekan Unsin, ist da: „Wenn beide Kirchen versöhnt sind, können Unterschiede bleiben.“ Die Gottesfrage beantworten beide Seiten ja gleich – mit dem gemeinsamen Bekenntnis zu Jesus Christus als Sohn Gottes: „Jesus“, so Unsin weiter, „will, dass wir uns outen.“ Denn: Nur wer weiß, was er glaubt, kann – „mit hörendem Herzen“ – auch für seinen Glauben einstehen. „Selbstbewusst vorangehen“, so formuliert es Dekanin Dr. Juliane Baur und sieht darin nicht zuletzt auch „ein gutes Ergebnis des Reformationsjahres“.

 

 Ein gemeinsames© Schorndorfer Nachrichten, Foto:  Gaby Schneider

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