Partnerschaft in Zeiten des Klimawandels

Schorndorfer Nachrichten, 2017-05-16: / Reisebericht von Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde aus Kitale

Schorndorf. Vor zwei Jahren sind die evangelische Stadtkirche Schorndorf und die St.-Luke’s-Kirchengemeinde in Kitale/Kenia eine Partnerschaft eingegangen, die mit mehreren gegenseitigen Besuchen inzwischen vertieft wurde. Von ihrer Reise im März berichteten nun die vier Mitglieder einer Delegation vor zahlreichen Hörern im Martin-Luther-Haus.

„Es ist ein offener Prozess. Da ist etwas im Werden begriffen“, so beschrieb Dorothee Eisrich, was zwischen den beiden Kirchengemeinden mit der noch jungen Partnerschaft auf den Weg gebracht wurde. Zusammen mit Brigitte Pfeiffer vom Partnerschaftsausschuss, Kirchengemeinderat Matthias Eisenhardt und Maximilian Stotkiewitz von der Kirchengemeindejugend berichtete die Stadtpfarrerin sichtlich inspiriert von den Eindrücken ihrer inzwischen zweiten Reise ins west-kenianische Kitale.
Bei der Ankunft der Schorndorfer waren alle in Erwartung des Regens

Eindringlich die von Maximilian Stotkewitz vorgeführten Fotos von der auf weit über 100 000 Einwohner geschätzten Stadt mit ihren Märkten, Slums und überall aus dem Boden schießenden, sogenannten „Pilzkirchen“. Beeindruckend die um 1800 Meter gelegene Hochlandschaft mit ihren Hügeln, wo neben kleinbäuerlicher Landwirtschaft in Plantagen auch der Anbau von Tee, Kaffee und Zuckerrohr betrieben wird. Als die Gruppe ankam, war hier alles „in Erwartung des Regens“.

Eines der großen Probleme der Region: zunehmender Wassermangel aufgrund der zunehmend beschleunigten Auswirkungen des Klimawandels. Östlich von Kitale liegt ein riesiges Trockengebiet. Helmuth Hess, ehemaliger Mitarbeiter von „Brot für die Welt“, zeigte Fotos und schilderte eindrücklich die Folgen des inzwischen oft Jahre ausbleibenden Regens in Kenia. „Im Norden des Landes ist die Hauptbeschäftigung der Familien inzwischen die Wasserversorgung. Es muss dabei tief gebuddelt werden (siehe Foto), um überhaupt noch an Wasser zu kommen.“

So sind die großen Viehherden aufgrund des Wassermangels bereits dezimiert. Es gibt immer öfter kriegerische Auseinandersetzungen zwischen kämpfenden Nomadenstämmen. Die Wasserstellen werden mit Maschinengewehren verteidigt. „Vor einigen Wochen“, so Hess, „rückte die Armee aus, um die Konflikte zu beenden.“ Schon jetzt „bahnt sich eine große Hungersnot am Horn von Afrika an“. Die Gründe: der Klimawandel; dazu Krieg und Bürgerkriege.

Was aber, so die Frage, die an diesem Abend alle umtrieb, bedeutet also „Partnerschaft in Zeiten des Klimawandels“? Was kann getan werden, wie geholfen werden? Hess zählte auf: Sammelbecken könnten gebaut, tiefere Brunnen gegraben und die Versorgung der Bevölkerung mit Tanklastwagen gewährleistet werden. Dazu eine Umsiedlung der Menschen in den Süden, Lager für Klimaflüchtlinge. Alles aber kurzfristige Maßnahmen, die den Klimawandel als Ursache nicht stoppen würden.
Es geht nicht um Almosen für Arme, sondern um „Klimagerechtigkeit“

„Es geht nicht um Almosen für die Armen, es geht um Gerechtigkeit“, forderte Helmuth Hess. Genauer: um „Klimagerechtigkeit“. Im 1966 auch von Deutschland unterzeichneten UN-Sozialpakt ist das „Menschenrecht auf Wasser und gesunde Ernährung“ festgeschrieben. Hier gibt es also, so Hess, „eine internationale Verantwortung“. Das bedeutet, dass es neben der „Unterstützung der Partner in Kenia, selbstverwaltete Projekte durchzuführen“, besonders auch „auf das politische Engagement in Europa“ ankäme.

Hess forderte deshalb „ein aktives Engagement gegen den fortschreitenden Klimawandel“. Dau gehören für ihn nachhaltige Energiekonzepte und eine Gemeinwohlorientierung der Wirtschaft. Hess verwies dabei zustimmend auf das bereits vorliegende Klimaschutzkonzept der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, bedauerte aber, dass „unsere Landeskirche noch nicht Mitglied der Klima-Allianz Deutschland ist“. Seine Aufforderung: „Es hat mit uns zu tun! Bei uns muss sich etwas ändern!“
Bericht der „Schorndorfer Nachrichten“ im Büro des Bischofs

Pfarrerin Eisrich nahm das auf. „Wir sind als Botschafter hier. Uns hat es ermutigt, den Menschen in Kitale ins Gesicht zu sehen.“ Sie erzählte, wie sehr sie vom Besuch beim jährlich gewählten Kirchengemeinderat der St.-Luke’s-Kirche beeindruckt war. „Sie wünschen sich dort, dass wir mehr aneinander Anteil nehmen.“ Fast rührend die von Eisrich mitgeteilte Geschichte, dass Bischof Stephen Kewasis in seinem Büro täglich auf einen Bericht unserer Zeitung über den Gegenbesuch einer Delegation aus Kitale in Schorndorf schaut, die er dort an die Wand gepinnt hat.

Trotz der schwierigen Lebensbedingungen, so Eisrich, „versucht die Kirchengemeinde in Kitale, ihr Christsein zu leben“. Sie berichtete von etwa 700 Straßenkindern in der Stadt, von einem Minimum an Hygiene, davon, dass ein Teearbeiter etwa drei Euro am Tag verdiene, dass es eine hohe Arbeitslosigkeit und viel Korruption gebe. Und doch „sieht man fröhliche Menschen. Davon können wir lernen.“
Besonders beeindruckt von der Selbstorganisation der Frauen

Die Gemeinde ist gerade dabei, eine neue Kirche zu errichten, die 3000 Gläubige fasst. Weiter gebaut werde nur dann, wenn wieder etwas Geld zur Verfügung steht. Der Neubau ist wichtig für den Zusammenhalt der Gemeinde, in der, wie Brigitte Pfeiffer erfahren hat, „jede Familie sehr gläubig ist. Der Glaube begleitet die Menschen den ganzen Tag.“ Dazu sei man „selten für sich selber, sondern immer eingebunden in die Familie oder Gemeinde“.

Besonders beeindruckt war Brigitte Pfeiffer auch von der „Selbstorganisation der Frauen“. So gebe es sogenannte „Brunnenvorsitzende“, die für den geordneten und gerechten Ablauf bei der Wasserverteilung sorgen. Ihre Gastgeberin, eine Lehrerin, war schon ab vier Uhr früh in der Küche zu hören. „Man muss sich sehr anstrengen, den täglichen Ablauf zu gewährleisten,“ Dazu, das berichteten alle Teilnehmer, fällt noch oft der Strom aus.

Nicht entmutigen lassen, meint Dorothee Eisrich. Weder vom Stromausfall noch der Klimaveränderung: „Es ist eine große globale Herausforderung; und dann können wir es hier herunterbrechen auf die Solidarität mit einer Kirchengemeinde in Afrika.“ „Let the Fire of the Gospel burn“, lautete die übermittelte Grußbotschaft von Reverend Kabiru. „Haltet das Feuer des Evangeliums am Brennen.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Christof Krackhardt

 

 

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