Auf- und Anreger am Kirchengemäuer

Schorndorfer Nachrichten, 2017-03-25:Was die Schorndorfer erwartet, wenn am 1. April aktuelle Objektkunst enthüllt wird in den Nischen der Heiligen

Schorndorf. Der Countdown läuft. Am 1. April, kein Witz, kommt es zur feierlichen Enthüllung der 14 im Moment noch verhüllten Objekte moderner Kunst an der Schorndorfer Stadtkirche. Möglicherweise ist dann nicht mehr jedem Schorndorfer so ganz feierlich zumute. Aber genau das gilt es auszuhalten, sagt die Initiatorin Ursula Quast, die die Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich fürs Projekt gewinnen konnte.

Das gilt es nicht einfach auszuhalten, sondern produktiv zu wenden, umzuleiten in Gespräche. Ganz nach dem Motto, unter dem auch die Künstler standen, als sie der Jury ihre Vorschläge einreichten für die Nischenplätze an der Außenmauer der Kirche. Für die Plätze, die seit der Reformation leer sind, weil die Protestanten die Heiligen der Altkirche vom Sockel gestoßen haben.

Das Motto ist etwas länglich, aber es soll ja auch nicht einfach zum Schlagabtausch kommen mit hingeworfenen Brocken, sondern zu einer Auseinandersetzung mit Argumenten. Also: „Da ist Freiheit! Oder: Außer Thesen nichts gewesen? Kirche fragt Kunst.“ Die Initiatorinnen samt dem Kirchengemeinderat, der immerhin letzten Endes einstimmig mit ins Kirchenschiff stieg, sie alle wünschen sich Anregungen dazu von Skulpturen- und Objektemachern aus der ganzen Bundesrepublik.
Schorndorf ist allemal für Aufregung gut

Kommt es dann in Schorndorf womöglich im Moment der Enthüllung zu einem neuerlichen Bildersturm? Gemach. Man hat gelernt, mit moderner Kunst zu leben. Aber wenn denn heftigst gestritten wird, dann doch in Schorndorf. So viele erinnern sich noch an das Gezerre um den Mondscheinbrunnen, der vor dem Chor steht. Dass da ein Engel mit Kuhaugen glotzt, galt für viele Kirchgänger als Sakrileg. Des isch dr Herrgott rausg’fordert! Das war vor 25 Jahren.

Vielleicht beeindruckt ja das: Ursula Quast, die selber einer evangelischen Pfarrersfamilie entstammt, hat höchste Mächte angerufen. Am Ende war klar, dass keine geringere weltliche Instanz als die Bundesrepublik Deutschland hinter der Sache steht. Mit Geld. Die Hälfte des Etats von 76 000 Euro finanziert der Bund, weil Kulturstaatsminiserin Monika Grütters dieses Schorndorfer Vorhaben als relevant für die ganze Republik ansah, ob reformiert oder nicht. Eben zum Jubeljahr.

13 Künstler, 14 Objekte. Einst hatte der Sturm auf die Heiligen im Zug der Reformationen 21 Nischen frei gemacht. Sieben sind noch besetzt durch originale Figuren, darunter die heilige Jungfrau mit einem mal wieder erstaunlich altersklug daherschauenden Jesuskind auf dem Schoß.

Gegen diese ikonografische Übermacht muss sich die Moderne durchsetzen. Dass überhaupt wieder hochgeschaut wird zur Kirche, zu den verbliebenen Heiligen, dass wahrgenommen wird, dass es da ja jahrhundertelang Leerstellen gab, das ist jetzt schon der große Erfolg der Aktion.

Und was wünscht sich die Initiatorin Ursula Quast? Ihr ist das Gespräch wichtig, wenn dann die Hüllen fallen. Ganz global und hier lokal: „Wie man Kirche sehen kann, wie man von der Kirche aus Gesellschaft betrachten kann.“ Die leeren Nischen hätten ja auch etwas ausgesagt über das Verhältnis. Natürlich kommt da Luther ins Spiel und die Frage, was denn er heute für Thesen an die Türe nageln würde. Diese Frage geht jetzt an die Künstler. Oder: Die abendländische Kultur ist bedroht. Das sei doch unser Gefühl heute, sagt Quast. Und schickt hinten drein: „Aber für welche Werte steht denn das Abendland?“

Pfarrerin Eisrich weiß jetzt schon, dass es Kritik geben wird. Sie wurden ja auch schon laut. So habe ich mir das nicht vorgestellt, so wird es dann heißen, ist sie sich sicher. Gar von Zerstörung war schon die Rede. Des Kirchenaußenbildes? Wessen Kirchenbildes? Genau da will sie einhaken, will sie ins Gespräch kommen. Auf dieses Dialogangebot, na ja, auf diese schöne Dialog-Provokation freut sie sich. Dazu kommt: „Es ist jetzt schon so viel entstanden.“

Dass die Schorndorfer dies Experiment kalt lassen wird, das dürfte nicht der Fall sein. So viel ist gewiss.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gabriel Habermann

 

 

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