Die aus Holz geschnitzte Botschaft

 ZVW, 2015-12-19: Krippe in der Stadtkirche, vom österreichischen Bildhauer Bernhard Prähauer geschaffen, erzählt nicht nur von Jesu Geburt

Schorndorf. Aus unbehandelter Zirbelkiefer geschnitzt, auf einem Bett aus Moos, mit Kerzen und Christrosen dezent geschmückt, darüber ein kleiner Herrnhuter Stern: So schlicht die Krippe in der Stadtkirche wirkt, sie steckt voller Symbolik. Dekan i. R. Waldemar Junt , der sie 2002 beim österreichischen Holzbildhauer Professor Bernhard Prähauer in Auftrag gab, ist fasziniert – auch wegen der aktuellen Bezüge.
 
Das Jesuskind im Stall, umringt von Maria und Josef, den Engeln, Hirten und Königen – die Krippe, die seit 13 Jahren immer in der Vorweihnachtszeit in der Stadtkirche aufgebaut wird, erzählt natürlich auch diese Geschichte. Doch mit Waldemar Junts Hilfe ist im Schnitzwerk noch weitaus mehr zu entdecken: In seiner aktiven Zeit als Dekan gab er sie in Auftrag – beim österreichischen Holzbildhauer Professor Bernhard Prähauer, in dessen Werkstatt auch die Salzburger Stadtkrippe entstanden ist. Am ersten Adventssonntag 2002 kamen die aus Zirbelkiefer geschnitzten Figuren aus dem Lungau in die Stadtkirche. Schon damals erklärte Junt in seiner Predigt die reichhaltige Symbolik. Und das tut er bis heute immer wieder – zuletzt vor einer Gruppe von Kirchenhütern, die in der offenen Stadtkirche auch dafür sorgen sollen, dass eben kein Stück der Krippe abhandenkommt.

Göttliche und irdische Welt unterm Jedermann-Fenster
 
Das wäre ein Jammer. Schließlich stecken in Prähauers Krippe Bezüge von den alten Überlieferungen bis in die Gegenwart. Da ist zunächst die Holzplatte, die unter Ada Isensees Jedermann-Fenster an einer alten Tür lehnt: Oben die im Kreis dargestellte göttliche Welt in ihrer Vollkommenheit, mit dem gekreuzigten Christus im Zentrum. Die dreizackige Krone, darauf weist Junt hin, steht für die Dreieinigkeit. Und darüber hat der Künstler mit dem Pelikan einen weiteren Verweis auf Christus’ Opfertod eingefügt: Seit dem Altertum steht der Pelikan, der seine von großer Dürre bedrohte Brut mit seinem Blut fütterte, für große Opferbereitschaft. Ein Symbol, das übrigens auch an der Außenseite des Südportals der Stadtkirche zu entdecken ist.
 
Und direkt über dem Kreuz steigt Phönix aus der Asche – „als Zeichen der Auferstehung“, erklärt Junt und weiß, dass die Engel deshalb den Kreis der Ewigkeit durchbrechen, weil sie „die göttliche Verheißung zu den Menschen bringen“. Doch sie haben in der Krippe noch eine weitere Funktion: Sie erinnern an die Engel, die den Hirten Jesu Geburt verkündet haben. Dass einer von ihnen ein Buch in Händen trägt, kommt nicht von Ungefähr: „Das göttliche Wort wird den Menschen zugetragen.“
 
Dass die irdische Welt darunter in einem Halbkreis dargestellt wird – ebenfalls kein Zufall: „Unsere Welt ist eben nicht vollkommen“, sagt Junt. Doch der (Regen-)Bogen, in dem mit Halbmond, Davidstern und Kreuz eine Aufforderung zum interreligiöser Dialog enthalten ist, kann auch ein Verheißungszeichen sein. Davor Maria mit dem Jesuskind, das von ihr nicht nur gehalten, sondern präsentiert wird. „Dieses Kind ist euer Kind, der Retter der Welt“, erklärt Junt und ist vor aller Dingen fasziniert von den vier Königen. Die drei Heiligen Könige, die dem Jesuskind ihre Gaben bringen, kennt jeder. Doch es gibt auch die Geschichte des vierten Königs, der sich von Russland auf dem Weg nach Bethlehem machte und so vielen Menschen in Not half, dass er schließlich mit leeren Händen – und viel zu spät – zum gekreuzigten Jesus kam. Diese von Edzard Schaper bearbeitete Überlieferung, „hat der Künstler darstellen wollen“, sagt Junt und kann noch auf mehr Besonderheiten verweisen.

Aktueller Bezug zu Kirche, Frieden und Umweltschutz
 
Die drei liegenden Figuren – auch sie sind in der Bibel nicht zu finden. Der Künstler hat sie stellvertretend für drei Kontinente eingefügt: Der europäische Mönch bringt dem Jesuskind die zerrissene Kirche, der Indianer eine Friedenspfeife als Symbol für fehlgeschlagene Friedensbemühungen auf dem amerikanischen Kontinent, und der Asiate einen Blumentopf, damit Jesus die Bemühungen für den Umweltschutz segnen möge.
 
Dass Bernhard Prähauer einen musizierenden Hirten dargestellt hat, auch das ist von Bedeutung: „Musik gehört zu Weihnachten.“ Ist sie doch ein wichtiges Mittel, den Menschen Jesu Botschaft zu vermitteln. Und noch etwas gibt es in der Krippe zu entdecken: einen Mann mit Stechbeitel und Holzhammer. „Das ist der Künstler selbst“, sagt Junt und weiß, dass Prähauer, indem er sich in die Schar der Hirten, Könige, Indianer, Mönche und Asiaten einreihte, seine innere Beteiligung zum Ausdruck bringen wollte. Nach dem Motto: Ich bin Empfangener, das Christuskind soll auch zu mir kommen. Oder in Junts Worten: „Als Holzbildhauer will ich Gott dienen.“
 
 
 © Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

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