Neuer Pfarrer an der Stadtkirchengemeinde

 ZVW, 2015-09-26: ..

Schorndorf. Aus dem Garten auf die Kanzel. Nach einer Ausbildung zum Landschaftsgärtner hängte Steffen Kläger-Lißmann den Spaten an den Nagel, orientierte sich neu, studierte Theologie. Jetzt tritt er in der Schorndorfer Stadtkirchengemeinde seine erste ständige Pfarrstelle an. Am 4. Oktober findet seine Investitur statt. Der 37-Jährige freut sich auf seine neue Herausforderung.

Pfarrer zu werden, das war für Steffen Kläger-Lißmann lange keine Option. Aufgewachsen in Sulz am Neckar, wurde er zwar schon im Elternhaus christlich geprägt, der Glaube spielte sehr wohl eine Rolle. Doch nach dem Abitur interessierte sich der heute 37-Jährige erst einmal für die Natur. Er machte eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner. „In der Zeit ist das kirchliche Leben völlig in den Hintergrund getreten“, erinnert er sich. Dennoch – fertig mit der Ausbildung – sollte es das nicht gewesen sein. Er wollte mehr.

Kläger-Lißmann fühlte sich in die Ferne gezogen, ging auf Weltreise. In der Fremde, mitten auf dem indischen Subkontinent, entdeckte er sich neu. Machte sich Gedanken, was er vom Leben will. Tatsächlich Medizin studieren? Einen Studienplatz hatte er damals schon. Oder Agrarwissenschaften? Oder gar Theologie? In der Begegnung mit einer anderen Religion wurde er sich seiner eigenen neu bewusst. Entdeckte ihren Wert neu. „Blitzlichtartig“ sei es ihm klargeworden: Der schon reservierte Studienplatz für Medizin geht an einen Nachrücker. Er würde Theologie studieren. Längst Bekanntes entdeckte er als neuen Reichtum wieder. „Aber nicht, um unbedingt Pfarrer zu werden“, berichtet er heute.
Befreiende Botschaft: Unverlierbarer Wert des Menschen

Wesentlich für Kläger-Lißmanns Entscheidung war der Wunsch, sich mit der eigenen Religion, mit dem persönlichen Glauben auseinanderzusetzen. Immerhin – ganz abwegig fand er den Gedanken inzwischen nicht mehr, Pfarrer zu werden. Und nun ist er einer. Er übernimmt nach seinem Studium in Tübingen, in Beirut (Libanon) und in Halle (an der Saale), dem Vikariat in Halle (a.d.S.) und einer Stelle als Repetent am Evangelischen Stift in Tübingen seine erste ständige Pfarrstelle. Und er freut sich auf die Herausforderung, hat aber auch eine gehörige Portion Respekt vor ihr. Und der Vater zweier Kinder hat eine klare Mission: „In unserer Gesellschaft, in der so viel ins Wanken geraten ist, brauchen wir diese Botschaft, dass wir einen unverlierbaren Wert, eine Würde haben ganz unabhängig davon, was wir leisten.“

Er möchte Gespräche und Gedankenbewegungen in Gang bringen, über das Evangelium und den Glauben. Aber er will keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen geben. „Jeder Einzelne hat die Verantwortung für sein eigenes Leben. Er muss vor seinem eigenen Gewissen und vor Gott bestehen.“ Da wolle und könne er niemandem etwas abnehmen. Vielmehr wolle er dazu ermutigen, die Höhen und Tiefen des eigenen Glaubens auszuloten. Allerdings sehe er sich in seiner Rolle als Pfarrer durchaus als Dienstleister im Sinne eines Vordenkers.

„Im Berufs- und Familienleben hat man oft nicht die Muße und Ruhe, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen.“ Da wolle er seine eigenen Denkleistung anbieten, mit der er sich stellvertretend für seine Gemeindeglieder mit existenziellen Fragen auseinandersetzte. Schließlich hatte er seit seinem Studium und im Beruf als Pfarrer viel eher die Zeit und Möglichkeit dazu. Dennoch: „Keiner kann sich aus der Verantwortung stehlen.“ Jede Erkenntnis des Glaubens müsse zur eigenen Wahrheit werden. Von einer reinen Übernahme von Dogmen oder festen Glaubenssätzen hält er nichts. Stattdessen seien seine ständige Auseinandersetzung mit dem Glauben und die Pflege desselben notwendig. „Der Glaube ist etwas Dynamisches, den hat man nie, man kann nicht darüber verfügen.“ Zweifel gehörten immer mit dazu.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

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