Die Vielfalt als Gewinn

 

ZVW, 2015-05-15: Buntes, ausgelassenes und informatives Internationales Fest auf dem Kirchplatz / So viele Besucher und Teilnehmer wie nie

Schorndorf. Was für ein wunderbar pfingst-babylonisches Stimmen-, Klang-, Gerüche- und Menschengewimmel beim 7. Internationalen Fest auf dem Kirchplatz! Sowohl den Organisatoren wie den vielen, die Erwartungen übertreffenden Besuchern und Gästen aus vielen Ländern war die Freude über ein gelungenes Fest anzusehen. Ein ermutigender Anstoß zu weiteren Integrationsschritten einer offenen Stadtgemeinschaft.

Einmal nicht der Markt-, sondern der Kirchplatz erwies sich an diesem Wochenende als die offene und gastliche Mitte der Daimlerstadt. Das Wetter meinte es wieder gut und am späten Nachmittag war fast kein Durchkommen mehr. Und selten hat man eine so durchmischt und sich angeregt mitteilende und austauschende Festgemeinschaft gesehen. Nichts mehr von der Befürchtung, dass das Internationale Fest zu einem Selbstbegegnungs-Ritual der eh schon Engagierten ausdünnen könnte.

Viele Sprachen, Temperamente, Kulturen: Wir alle sind Schorndorfer

„Es beeindruckt mich, wie viel Lebenserfahrung hier zusammenkommt, wie viele Sprachen, Temperamente, Kulturen. Wir alle sind Schorndorfer.“ So Stadtkirchenpfarrerin und in gewisser Weise Gastgeberin Dorothee Eisrich in ihrer einnehmenden Begrüßungsansprache. „Zu uns Menschen mit unserer Bodenständigkeit kommen Menschen, die einen Aufbruch gewagt haben, die fliehen mussten, weil die Lebensumstände so verheerend waren. Besonders hoch willkommen alle Flüchtlinge hier in Schorndorf!“

Und tatsächlich waren viele von diesen Menschen auch da. Neugierig, begleitet von ihren neuen Bekannten, manche auch schon mit ihrem eigenen Beitrag zu einer Kultur des Kennen- und Verstehenlernens – mit ersten Schritten der Integration. Das waren etwa die Teilnehmer aus dem Nähprojekt „Zauberfaden“, mit einem eigenen Stand. Und das waren etwa die Menschen, die sich zu Interviews über ihre Geschichte bereiterklärt hatten.

Ausschnitte aus diesen Gesprächen waren im benachbarten Stadtmuseum Teil einer Ausstellung, die erfreulicherweise den ganzen Tag mit Besuchern überlaufen war. Hier war zum einen die Wanderausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ von Brot für die Welt und Pro Asyl zu sehen. Und dann ein eigens die lokale Situation aufgreifender Teil, der über die Situation und die erstaunlichen Initiativen in Schorndorf informiert. Beeindruckend etwa der schmale Tisch, auf dem die Utensilien des „Starterpakets“, einer Erstausstattung für Flüchtlinge im Asylheim Wiesenstraße abgestellt waren: unter andrem zwei Kochtöpfe, eine Pfanne, eine Tasse, Besteck, Bettwäsche.

Erfreulich, dass die Zahl der Sprachhelfer und -helferinnen in Schorndorf aufgrund des Zuzugs vieler Asylbewerber auf vierzig gestiegen ist. Als wichtiger Begegnungsort wird an das Sprachcafé erinnert. Und ein Ausrufezeichen haben die Ausstellungsmacher selbst hinter die Zahl 50 gesetzt. So viele Fahrräder wurden in kurzer Zeit gespendet, um die Mobilität der neuen Mitbürger zu erhöhen! Dazu kommen die vielen ehrenamtlichen Alt-Schorndorfer, die bei Übersetzungen, Gängen zu Ämtern oder Ärzten ihre Begleitung und Hilfe anbieten. Das, und die Kooperation von Kirchengemeinden, kommunalen Stellen, dem Stadtmuseum und den vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen und Vereinen zeigt, was hier an Teilnahme in Bewegung gebracht werden konnte und bei diesem Fest auch äußerlich an den vielen Ständen, etwa der Parteien, der Lokalen Agenda, des Eine-Welt-Ladens, der griechischen, türkischen und anderer Gemeinden um nur ein paar zu nennen, auch sichtbar geworden ist.

Und so war an allen Ständen mit kulinarischen Köstlichkeiten ein dauerndes heiteres Gedränge, während auf der Bühne im Kirchenschatten die Ansprachen und Musik- und Tanzeinlagen einander informativ und unterhaltsam abwechselten. Afrikanisches, Asiatisches, Orientalisches, Europäisches, Deutsches und vieles dazwischen war da zu sehen und zu hören. Flamenco, Sirtaki, Schwerttanz und afrikanischer A-cappella-Gesang: Für alles gab’s da ein Plätzchen und Aufmerksamkeit. Und dazwischen Begegnungen, Gespräche, Gespräche, Gespräche.

Durchaus auch ernsten Inhalts. Ja, es gibt alltäglichen Rassismus. Ja, es gibt Konflikte. Und ja, es gibt auch Ängste. So war von vielen zu hören. Und es gibt durchaus den selbstkritischen, und zugleich sehr menschengemäßen Gedanken, dass man niemanden überfordern sollte. „Wir haben noch viel zu lernen und denken noch oft wie vor 50 Jahren, als zum ersten Mal Ausländer hierherkamen“, beschrieb jemand vom Organisationsteam den Fluss der Dinge.“

„Mit unserer albanischen Abstammung haben wir ein schlechtes Image“, erzählt ein Kosovo-Albaner in einem der im Museum ausgestellten Interviews. Nur, der Mann ist in Deutschland geboren und hier aufgewachsen. Eine sich durchaus vorurteilsfrei wahrnehmende Bekannte erzählt, wie sie vor kurzem über sich selbst erschrak und sich dann schämte. Bei einer eiligen Paketannahme fand sie sich plötzlich am Schalter einem, nun ja, nicht sehr vorteilhaft aussehenden Schwarzen gegenüber. „Ob der das blickt“, war sie besorgt. Der Mann bediente sie in bestem Schwäbisch und wusste, was zu tun war.

„Integration ist etwas, das sich für alle bezahlt macht“

„Der Alltagsrassismus“, haben Irme Schaber und die Aktiven vom „Bündnis“ erfahren müssen, „der betrifft nicht nur Asylbewerber, sondern Deutsche, die in der zweiten oder dritten Generation mit Migrationshintergrund hier geboren sind. Die Willkommenskultur und das Helfen, so wichtig sie sind, werden nicht ausreichen. Wir dürfen nicht so blauäugig sein, dass wir alle Konflikte draußenhalten können.“ Umso mehr sei das nun ein Testfall für unsere Demokratie. Aber, und da ist sich Schaber sicher: „Integration ist etwas, das sich – für alle – bezahlt macht“.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

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