"Gott hat viele Namen"

 

ZVW, 2015-05-04: Großes Interesse bei „Stadtkirche am Abend“ / Christen und Muslime im Gespräch

 Schorndorf. „Es ist höchste Zeit, miteinander zu reden“, meinte Pfarrerin Dorothee Eisrich in der gut besuchten Stadtkirche zum Dialog zwischen Christen und Muslimen. Wie der Abend zeigte, ist das gegenseitige Interesse aneinander groß. Ergab Anlass und Gelegenheit zu Nachfragen zum Zuhören und zur entspannten Begegnung.

„Es gibt Berührungspunkte und es gibt Angst“, sagte Pfarrerin Eisrich zu Beginn des Gesprächs zwischen Muslimen und Christen. Geklärt werden sollten Fragen nach den zentralen Inhalten der jeweiligen Religion. Was verbindet oder trennt? Und schließlich: Welche Konsequenzen folgen daraus für unser Zusammenleben? Dialog aber, so Eisrich „heißt nicht Konsens, sondern einander wahrnehmen“.

Wie erklärt man sich und anderen die eigene Religion in drei Minuten, in der Zeit also eines längeren Werbespots? „Doch, das geht!“, meinte Imam Gür und hatte recht. „Islam, das ist, durch gläubige Hingabe an Gott zu Glück und innerer Ruhe zu gelangen. Toleranz, Liebe und Gleichheit sind wichtige Elemente des Islam.“ Und Mesude Yalcin, die Vorsitzende der muslimischen Gemeinde, fügte hinzu: „Der Glaube an Allah ist eine Herzenssache.“ Dabei sei es ihr als Muslimin „wichtig, gegenüber anderen offen zu sein. Euch euer Glaube, mir mein Glaube.“

Für Pfarrerin Eisrich liegt eine der Schlüsselerfahrungen des im Judentum wurzelnden Christentums in der Moses-Geschichte: „Es ist möglich, frei zu werden!“ Sie machte deutlich, dass „wir glauben, dass Gott auf der Seite der Schwachen und der Gerechtigkeit steht“. Mit Jesus komme der Glaube „an Barmherzigkeit und Vergebung“ hinzu. Für Petra Rall ist wichtig, „dass das Christentum einen Gott hat, der eine Geschichte mit den Menschen hat“. Persönlich gefallen habe ihr das Segensversprechen Gottes gegenüber Abraham: „Der Segen als etwas, dass das Leben gelingen soll. Ich selbst bin ein von Gott geliebter Mensch.“

Im Schöpfungsglauben liegt eine der größten Gemeinsamkeiten

Was aber verbindet nun die beiden Buchreligionen? „Gott hat viele Namen, die beide Religionen bezeugen“, erklärte Eisrich. Und „ob uns die Verwandtschaft passt oder nicht: Wir haben gemeinsame Grundlagen!“ Wobei sie eine der größten Gemeinsamkeiten im „Schöpfungsglauben“ und in dem Glauben daran sieht, dass „Gott zu uns Menschen spricht“. Und beiden Religionen sei „die Hoffnung auf Gottes gerechtes Urteil am Ende“ gemeinsam.

Von beiden Religionen aber gebe es auch „Zerrbilder“. Beide Religionen „kennen die Gefahren des Extremismus“. Sie forderte: „Wir müssen uns wandeln, um nicht zu erstarren.“ Auch Imam Gür sieht beim Islam, dem Juden- und Christentum „übereinstimmende Handlungsanweisungen“. Die für ihn wichtigste sei: „Frieden schaffen!“

Natürlich bezog sich eine der Fragen aus dem Publikum auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten. „Das kann doch nicht im Namen Allahs sein.“ Gür antwortete klar: „Das hat mit dem Glauben nichts zu tun! Es geht um Macht.“ Unter Beifall sagte er: „Wir distanzieren uns von denen, die im Namen Allahs Menschen töten.“

Die Frage einer jungen Türkin nach dem Verständnis der Tilgung der Sünden durch den Opfertod Jesus zeigte, auf welch schwieriges theologisches Terrain man auch im Christentum schnell kommen kann. Das sei „missverständlich“, bekannte Eisrich, „da Gott ja kein Opfer will. Wenn man es wörtlich nimmt, kommt man in Teufels Küche.“ Wichtig daran sei, es gehe hier nicht um „den erfolgreichen, sondern den gekreuzigten Christus“.

Am Ende des von Musiken aus den beiden Kulturkreisen umrahmten Gesprächsabends forderte Hasan Kocaman: „Ich hoffe, dass solche Dialoge weiter geführt werden. Lasst uns in Frieden miteinander leben!“ Dem schloss sich Dieter Feser an: „Was Angst und Unsicherheit hervorruft, ist durch Nichtwissen ausgelöst. Lasst uns diesen Abend als Initialzündung verstehen, durch ganz normale Kontakte uns näher kommen zu können.“

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

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