Eden-Zubehör im Gartenbaumarkt

ZVW, 2014-09-15: Eindrückliche Präsentation der Holzdrucke von fünf Künstlern zum Thema „Garten Eden“ im Chor der Stadtkirche.

Schorndorf. Ein nicht nur sympathisches, sondern auch bereicherndes, ja herausforderndes Projekt, diese „offene Bürgerkirche“, wie sie sich Pfarrerin Dorothee Eisrich wünscht. Mit der nun eröffneten Ausstellung von Holzdrucken zum Thema „Garten Eden“ im Chor der Stadtkirche ist eine wunderbare Möglichkeit zum intensiven Gespräch zwischen Kunst, Glauben und Religion gegeben.

Was ist das nun, der „Garten Eden“? Liegt er in der Vergangenheit als rückwärtsgewandte Fantasie eines für alle Zeit verlorenen Paradieses? Und ist deshalb von jeher mit einer regressiven Wieder-Verschmelzungssehnsucht verbunden, die vor allem und ersatzweise in Räuschen und Süchten jeder Art ihre teilweise Scheinrealisierung findet? Oder ist der „Garten Eden“ ein zukunftsoffenes Projekt, ein Ziel, auf das hin wir als Gattung Mensch in ständiger Spannung unterwegs sind? Ankunft ungewiss?

Die Bilder hängen im Gerüst wie aufsteigende Gebete

Fünf Künstlerinnen und Künstler haben sich in der letzten Juliwoche dieses Jahres mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Sie zogen sich als Teil des Projektes „Garten Eden“ der Kulturregion Stuttgart zu intensiver Arbeit in ein improvisiertes Atelier in der Schorndorfer Wiesenstraße zurück und stellten nun die Ergebnisse ihres Holzschnittsymposions der Öffentlichkeit vor. Im Chor der Stadtkirche. Und sie hätten keinen besseren Ort für die Wirkung ihrer großformatigen Drucke finden können als genau dort!

Hier hängen die Arbeiten nun im Gestänge der Gerüstbauten für die Sanierung des Chors und bekommen allein schon dadurch etwas theologisch Vorläufiges, zwischen Boden und gewölbtem Kirchen-Himmel Schwebendes, was dem Thema aufs Stimmigste entspricht. Die Bilder scheinen dort aufzusteigen wie Gebete einer negativen Schöpfungstheologie, um in nächsten Moment in den Schauder gekreuzigter Hoffnungen zu kippen.

Von Anna Eiber, der Noch-Schorndorfer Initiatorin des Symposions, ist eine undurchdringliche Waldlandschaft zu sehen, in deren Zentrum ein Jägerhochsitz steht. Waldesruh und Idylle, Beobachtung und Jagd verschränken sich hier zu einem unheimlichen Zugleich von Natur und Menschenwerk. Eine siebenstufige Leiter führt zum Hochsitz. Dürfen wir an Jakobs Leiter denken? Thront dort oben Gott, das Alles-Sehende-Auge? Ist da je überhaupt jemand drin. Es ist auf Eibers Druck nicht deutlich zu erkennen.

Hinter einem grünen Farbvorhang, den Alexa Heyder als zwischen „Wald und Strichcode, mit Löchern und Einschüssen“ changierend bezeichnete, hat der Urbacher Hardy Langer die sich auflösende Silhouette eines röhrenden Hirsches gesetzt. Der romantische Hirsch als Zielscheibe menschlicher Verwertungsbegierden. Die Natur immer im Sucher, bildgescannt und entschlüsselt. Wo ist sie hin, die harmonische Einbettung des Menschen ins ihn umgebende Animalische, wie es im Garten Eden war? Paradise Lost.

Autofahren als säkularer Exodus aus dem Naturzusammenhang

Düster gleißend auch die Bildvision von Thomas Peter aus Köln. Schwarz und Gelb seine Farben, aus denen er einen keilförmigen Himmelsauschnitt über eine Waldgipfellandschaft und eine darunter getürmte Schicht Autos als unterirdische Totengeschosse, apokalyptische Reiter der Moderne gelegt hat. Das Auto-Mobil als Selbst-Ermächtigungs-Maschine des Niederwalzens von Naturräumen. Fahren als eine Form des säkularen Exodus, als bewegter Ausbruch aus (göttlichen?) Beschränkungen in scheinbar offene Räume - und das in schnittig-engen Chromsärgen.

Die in Berlin arbeitende Anna Kölle spitzt diese Suche nach künstlichen Paradiesen, das prekäre Verhältnis von scheinbar authentischer Natur und schnödem Menschenwerk auf abgründig komödiantische Art zu. Der Garten Eden, das sind heute die Bau-, Garten- und Hobbymärkte. Deren riesige Verkaufshallen an den Rändern unserer Städte werben als bestens besuchte Kirchen mit dem Versprechen einer leicht zu bewerkstelligenden Versöhnung mit der Schöpfung - im eigenen Vorgarten.

Zwischen Gartenharke und Grill lässt sie auf ihrem Blatt einige dieser emsigen Heilssucher mit Sprechblasen wandern - „Ein gesunder Rasen kennt kein Moos!“ - und karikiert mit ihrer witzig-bösen Arbeit die Werbung dieser Eden-Industrie etwa für Premium-Rasendünger. Auch bei ihr werden Romantik und High-Tech als Geschwister gezeigt: Ihr Himmel über dem Garten. Ein weitgespannter Strichcode, zur schnellen Erfassung des Eden-Zubehörs.

Dass schon längst die uns umgebenden künstlichen Artefakte und Zeichen zu unserer zweiten Natur geworden sind, macht eindringlich das Werk des Düsseldorfer Künstlers Sven Büngener deutlich. Aus einem dichten Gestrüpp von kleinen Icons und Logos springt dort mit offenem Blick ein nackter Knabe mit gesträubtem Brausehaarschopf heraus. Statt Engelsflügel hat dieser Hermes einer anderen Zukunft knallrote Schwimmflügel an. Es geht um Rettung, ums Überleben. Wohin wir uns, einmal verirrt, bewegen sollen, zeigt uns kein Moos mehr am Baum an. Es sind die Zeichen, die uns die Richtung weisen. Wer darin schwimmen lernt, kann vielleicht einen anderen Weg nehmen.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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