Der Staatsbürger in der Schlüsselrolle

ZVW, 2012-11-13: Prof. Dr. Grunwald zum Thema Nachhaltigkeit

 
Schorndorf. Wer „Nachhaltigkeit“ googelt, landet 15 Millionen Treffer. Jetzt war der Modebegriff auch Thema bei den Schlüsselgesprächen der Gesamtkirchengemeinde: Eingeladen ins Martin-Luther-Haus war Professor Dr. Armin Grunwald. Der Karlsruher Physiker und Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung weist dem bewusst konsumierenden Staatsbürger eine Schlüsselrolle zu.
 
Das Timing hätte besser nicht sein können: Erst in der jüngsten Gemeinderatssitzung hat die Lokale-Agenda-Gruppe einen eigenen Schorndorfer Nachhaltigkeitsbericht vorgestellt. Schorndorf will „Faire Handelsstadt“ werden. Es gibt ein neues ÖPNV-Konzept und die Stadt, daran erinnerte Oberbürgermeister Matthias Klopfer in seinem Grußwort, hat seit acht Jahren keine neuen Schulden mehr aufgenommen. Außerdem sieht Klopfer – mit Demografie, Integration, Energiewende und Bildung – vier zentrale Handlungsfelder der (nachhaltigen) Kommunalpolitik.
 
Was Schorndorf im Kleinen macht, müsste also nur noch global funktionieren. Doch bevor Professor Grunwald, der nicht nur seit 13 Jahren das Institut für Technikfolgenabschätzung leitet, sondern auch den Bundestag in Nachhaltigkeitsdingen berät, am Montagabend ins Thema einstieg, lieferte er erst mal einen Beitrag zur Begriffsklärung: Von nachhaltiger Entwicklung spreche man dann, wenn die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt werden, ohne die Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu gefährden.
 
Politik und Wirtschaft sind gescheitert
 
Und allein die Tatsache, dass Nachhaltigkeit seit 25 Jahren Konjunktur hat, zeigt Grunwald: „Dahinter verbirgt sich eine ernsthafte Problemwahrnehmung.“ Doch wer soll’s richten? Die Politik, auf die gerne verwiesen wird, wohl eher nicht: Erst im Jahr 2009 ließ sie die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen scheitern. „Global gesehen gibt es keine Verständigung“, konstatierte Grunwald. Und die Stimmen, die der Wirtschaft eine Schlüsselrolle zutrauen, werden auch immer leiser – „seit der Weltwirtschaftskrise“. Die Zivilgesellschaft – und mit ihr Organisationen wie etwa Greenpeace – fehle letztlich die Legitimation. Bleibt der Konsument.
 
Schwarzwaldurlaub statt Flugreisen, Fahrrad- statt Autofahrten, Investitionen in die Wärmedämmung am Eigenheim. Und obwohl es für Grunwald durchaus Argumente für nachhaltiges Kaufverhalten gibt – allein der bewusste Konsument, wird’s nicht richten. Der Grund: Seit fast 30 Jahren gibt es Umweltbildung, „der Erfolg ist aber überschaubar“. In Gewohnheiten sieht Grunwald das stärkste Gegengewicht – da helfe auch alles Moralisieren und alle Weltuntergangsrhetorik nichts. Einfache Handlungsanweisungen: ebenfalls sinnlos. Außerdem bezweifelt Grunwald, dass Konsumenten durch individuelles Umsteuern tatsächlich die Kraft zur Wende haben: „Das bedürfte einer riesengroßen Bewegung.“ Und selbst wenn es gelänge, Konsum ist auch immer etwas Flüchtiges: „Spätestens mit der nächsten Generation wird wieder alles anders gemacht.“
 
Doch es gibt Hoffnung: Grunwald sieht sie in den politischen Rahmenbedingungen. Und die werden in einem demokratischen System eben nicht nur von „denen da oben“ gemacht. Verantwortliche Staatsbürger haben nach Grunwalds Dafürhalten „auch die Pflicht, sich für entsprechende Rahmenbedingungen einzusetzen“. Bestes Beispiel ist für den Physik-Professor die fehlende Kerosinsteuer: „Das ist ein Skandal.“
 
Doch in der nachfolgenden Diskussion wurde auch klar: Was auch immer in Sachen Nachhaltigkeit getan wird, das Problem des rasanten Bevölkerungswachstums steht dem entgegen. Im Jahr 2050 soll die Weltbevölkerung auf zehn Milliarden angewachsen sein. „Das ist eine Riesenherausforderung“, gab Grunwald dem ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Werner Lempp in der Diskussion recht. Doch klare Antworten zu liefern, das hatte Grunwald auch gar nicht versprochen. Und gerade das hat Dekan Volker Teich bei diesem Schlüsselgespräch besonders gut gefallen: „Die Anregung zum Nachdenken.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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