Die Auferstehung der Hingerichteten

Schorndorfer Nachrichten 2014-05-12: Das Gedenken an den Armen Konrad soll in der Stadt mit den Skulpturen von Christoph Traub dauerhaft wachgehalten werden

Schorndorf. Dort, wo sieben von ihnen verscharrt worden sind – auf dem damaligen Kirchhof bei der Stadtkirche nämlich –, sind die zehn nach Niederschlagung des Bauernaufstandes „Armer Konrad“ Hingerichteten wieder auferstanden. In Form von Skulpturen des Künstlers Christoph Traub, die, so kündigte der Oberbürgermeister an, dauerhaft im öffentlichen Raum verbleiben sollen.

„Lassen Sie uns gemeinsam der Gerechtigkeit einen Beistand tun“, appellierte am Ende eines szenischen Einstiegs Caspar Pregatzer, in dessen Haus sich die Anführer des Armen Konrad seinerzeit konspirativ getroffen haben, an die Besucher der Vernissage, die sich nach einer unterhaltsamen Einstimmung durch die Gauklertruppe „Adictum“ auf dem Kirchplatz zum ernsten Teil der Veranstaltung in der Stadtkirche versammelt hatten. Was Stadtkirchenpfarrerin Dorothee Eisrich zu der Frage brachte, ob das Anliegen des Armen Konrad auch inhaltlich in eine Kirche passe. Und ob, meinte die Pfarrerin und begründete diese Feststellung damit, dass die sanierte Stadtkirche einerseits eine offene Bürgerkirche sein wolle und dass andererseits Gott einer sei, der auf der Seite der Schwachen stehe und die Hungrigen satt werden lasse. „Er stürzt die Gewaltigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“, zitierte Dorothee Eisrich aus dem „Lobgesang der Maria“ und nannte es „schön, dass die zehn Hingerichteten an dieser Stelle wieder auferstehen“. An einer Stelle, wo sieben von ihnen seinerzeit auf sehr unwürdige Weise begraben worden seien und wo sich heute vielen Menschen die Gelegenheit biete, mit ihnen in einen Dialog zu treten – nur im Vorbeigehen oder ganz bewusst und vielleicht mit der Fragestellung: „Wie gehen wir mit dem Unrecht um, das heute geschieht?“

Von einem „überragenden Skulpturenprojekt“ hatte zuvor Oberbürgermeister Matthias Klopfer gesprochen und angekündigt, dass es nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung der Rotarier und der Lions gelingen werde, den zehn Hingerichteten eine dauerhafte Rückkehr in den öffentlichen Raum und damit, wie Stadtarchivarin Edith Holzer Böhm ergänzte, ins öffentliche Bewusstsein zu ermöglichen. Ganz im Sinne des Journalisten und Religionswissenschaftlers Thomas Milz, der die Skulpturen von Thomas Traub sowohl historisch als auch kunsthistorisch einordnete. Gerade in Zeiten, da die Städte im Bemühen, ihre Innenstadt zu beleben, dankbar seien für jedes „apart-historische Thema“, seien die zehn Hingerichteten „eine außerordentliche Form des Gedenkens“ und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, die es auch dann brauche, wenn es keine Gefahr gebe, die eine „Notwendigkeit des Erinnerns“ heraufbeschwöre.

„Als hätte man ihnen das Fell über die Ohren gezogen . . .“
Milz, der die in der Stadtkirche Versammelten nicht nur wegen der Anwesenheit der Oberbürgermeister-Viererbande, in deren Städten die Ausstellungen, Gedenkveranstaltung und Feste anlässlich „500 Jahre Armer Konrad“ in den nächsten Wochen und Monaten stattfinden, als „sehr geehrte Obrigkeiten“ begrüßt hatte, stellte die zehn Hingerichteten Traubs, die sich den Besuchern als Torsi präsentierten, denen – dem historischen Ereignis durchaus angemessen – „etwas Zerfetztes, Zerstörtes, Abgebröckeltes“ anhafte, der in der Kunst lange Zeit vorherrschenden Utopie eines harmonischen Menschen gegenüber. „Sie wirken wie abgezogene Häute, so als hätte man ihnen das Fell über die Ohren gezogen“, sagte Thoma Milz, nachdem die Stadtarchivarin zuvor noch einmal die Ereignisse jener Zeit skizziert und zwei aktuelle Bezüge herausgearbeitet hatte: zum einen die Forderung nach politischer Teilhabe beziehungsweise, wie es heute landläufig heißt, nach mehr Bürgerbeteiligung und zum anderen die Bedeutung des Asyls für politisch Verfolgte, das seinerzeit vielen aus der Bewegung des Armen Konrad das Leben gerettet hat.

 

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