Vielfalt leben, ohne sich zu verleugnen

ZVW, 2012-10-19: Gespräch über die Vielfalt der Religionen

Gespräch über die Vielfalt der Religionen:Pfarrerin Dorothee Eisrich und der EMS-Generalsekretär Bernhard Dinkelaker.

Schorndorf. Die eigene Botschaft so in den Vordergrund stellen, dass der andere schlecht gemacht wird, das war Mission gestern. Mission heute heißt, anderen Religionen und Menschen aus anderen Kulturen mit Achtung und Respekt zu begegnen, ohne den eigenen Glauben und die eigenen christlichen Überzeugungen zu leugnen.  

Das sagen übereinstimmend Stadtkirchenpfarrerin Dorothee Eisrich und der Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), Bernhard Dinkelaker bei einem Gespräch über „Vielfalt der Religionen“ im Vorfeld eines Gottesdienstes, in dem es genau um dieses Thema gehen soll. Positiv gelebte Mission, für die der EMS-Generalsekretär stehe, bedeute nicht Fundamentalismus, sondern offen gelebten Glauben mit klarer Benennung des eigenen Standpunkts, sagt Dorothee Eisrich. Wohl wissend, dass es dabei – zum Beispiel, wenn es um die Stellung der Frau in anderen Kulturen und Religionen geht – auch mal Widerspruch und Streit geben kann und muss. „Muslimische Gesprächspartner erwarten das sogar, sonst werden sie nicht ernst genommen“, ist die Erfahrung von Bernhard Dinkelaker, für den das friedliche Zusammenleben und die Betonung dessen, was den eigenen Glauben ausmacht, keine Gegensätze sind. „Friede und diakonischer Auftrag sind nun einmal Bestandteil und Ausdruck christlichen Lebens“, sagt der EMS-Generalsekretär und meint, da lasse sich manches lernen von christlichen Kirchen in Ländern der Welt, wo Christen in der Minderheit seien. Wie überhaupt die „Vielfalt der Religionen“ in friedlicher Koexistenz im Weltmaßstab viel eher der Normalfall sei als hierzulande. Auch das derzeit in Schorndorf laufende und durchaus beeindruckende Projekt zeige ja, „dass wir immer noch dabei sind, Vielfalt zu lernen“.  

Vertrauen wächst nur im persönlichen Kennenlernen  

„Religion darf nichts Spaltendes sein, sondern muss das Verbindende betonen“, sagt Bernhard Dinkelaker. Was aber nicht dazu führen dürfe, die Unterschiede zu verwischen, so nach dem Motto: Wir glauben alle dasselbe. Was ja auch nicht stimme, wenn Jesus bei den einen ein Prophet in einer langen Reihe und bei den anderen der Sohn Gottes sei. „Toleranz hat ihre Grenzen“, betont Dinkelaker. Toleranz bedeute Dulden und Ertragen, aber nicht leben und leben lassen und sich möglichst nicht zu nahe zu kommen. Besser sei’s, sich sehr nahe zu kommen und sich im Zweifel auch einmal zu reiben und sich keinesfalls zu verstecken, meint der Generalsekretär, dem wichtig ist, dass sich der interreligiöse Dialog nicht auf einer akademischen Ebene, sondern zwischen den Menschen und in persönlichen Begegnungen abspielt. „Vertrauen muss wachsen können, und das geht nur im persönlichen Kennenlernen“, ist Dinkelaker überzeugt, der schon vor 25 Jahren als Gemeindepfarrer erlebt hat, wie so ein gedeihliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Religionen funktionieren kann. Wobei, darauf legt er Wert, die Mehrheitsgesellschaft, hierzulande immer noch das Christentum, gut daran tue, sensibel zu sein für die Minderheit. „Ständig darauf hinzuweisen, wie es wohl im umgekehrten Fall wäre, wäre der falsche Schluss“, meint Dinkelaker und verweist darauf, dass der Islam – genauso wenig wie das Christentum – kein monolithischer Block sei. „Die Mehrheit distanziert sich von Gewalt und Unterdrückung und ist interessiert an einem gelingenden Miteinander“, ist der EMS-Generalsekretär überzeugt.   „Man darf sich nicht selbst genug sein“, meint Pfarrerin Dorothee Eisrich, die nicht erst seit Beginn des Projekts „Vielfalt für alle“ gute Ansätze in Schorndorf sieht, wobei sie daran erinnert, dass es „ja nicht nur eine Pflicht und Arbeit, sondern auch eine Freude ist, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen“. Ihrer Einschätzung nach kann die christliche Kirche von diesem Dialog auch insofern profitieren, als sie sich wieder stärker sammelt und formiert und sich dessen, was christlichen Glauben ausmacht, wieder stärker bewusst wird. Den eigenen Glauben „als erfahrbare Lebenskraft und als Vision“ vor sich herzutragen – wenn das „Mission“ in einem neu verstandenen Sinne ist, dann hat Dorothee Eisrich mit dem von vielen als anstößig empfundenen Begriff kein Problem. Genauso wenig wie Bernhard Dinkelaker, der „Mission“ nicht mit einem Herrschaftsanspruch verbindet, sondern sie „eher dienend“ versteht.  

Predigt am Sonntag

  •  "Vielfalt der Religionen – und der christliche Missionsauftrag heute? – Eine Auseinandersetzung mit christlicher Missionsgeschichte“, lautet das Thema, zu dem Bernhard Dinkelaker, Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart, am kommenden Sonntag, 21. Oktober, in seiner Predigt im um 10 Uhr im Martin-Luther-Haus beginnenden Gottesdienst spricht.
  •  Die Liturgie gestaltet Stadtkirchenpfarrerin Dorothee Eisrich, musikalisch umrahmt wird der in das Projekt „Vielfalt in Schorndorf“ eingebettete Gottesdienst vom Posaunenchor des CVJM.
  •  Für die Pfarrerin ist Bernhard Dinkelaker „die Top-1-Adresse“ innerhalb der Landeskirche, wenn es um „Vielfalt der Religionen“ und darum geht, wie verschiedene Religionen und speziell Christen und Muslime miteinander leben können. „Er lebt das, christliches Zeugnis im Kontext der Welt geben zu können“, lobt Eisrich.
  •  Die EMS – Untertitel: Kirchen und Missionen in christlicher Partnerschaft – hieß bis Dezember 2011 Christliches Missionswerk in Südwestdeutschland.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Büttner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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