Kirche will keine Spaßbremse sein

ZVW, 2013-09-24: Essen, musizieren, an den Säulen hochklettern: Zur Kunstnacht Leben in die Stadtkirche gebracht

Schorndorf. Heutzutage darf in der Kirche auch mal gelacht werden. Mit 13 verschiedenen Aktionen wollten Pfarrerin Dorothee Eisrich, ihre Gemeinde und viele Kooperationspartner anlässlich der Kunstnacht zeigen, was in der Kirche möglich ist: Zum Beispiel, sie einfach mal den jungen Leuten zu überlassen.

Das Gekicher einer Gruppe Teenager klingt durch die hohle Halle der Stadtkirche, die noch immer eine Baustelle ist. Zwischen zwei Säulen sind viele Schnüre kreuz und quer gespannt. Einige der jungen Leute kraxeln am glatten Gemäuer hoch und rutschen immer wieder ab. Was aussieht wie Randale ist eine Aufgabe für die Jungs und Mädels aus dem Konfirmandenunterricht. Sie sollen versuchen, über den Zaun zu kommen. Alleine schafft das kaum jemand. Teamwork ist gefragt. Zu viert hieven sie immer einen oder eine darüber. „Das zeigt, dass man manches nicht alleine schaffen kann, gemeinsam aber schon“, erklärt Pfarrerin Dorothee Eisrich.

Bei diesem Spiel müssen die Jugendlichen den anderen vertrauen. „Das ist eine wichtige Erfahrung“, sagt die Pfarrerin. Doch nicht nur das. Beim Aktionstag zur Kunstnacht gehört die Kirche eine Stunde lang von 18 bis 19 Uhr ganz den Teenagern. Ein Abenteuerspielplatz. Denn die Bänke sind noch nicht eingebaut. In der Mitte steht ein Gerüst, Kanzel und Empore sind mit Plastikfolie verhüllt. Und auch, wenn es ein wenig frisch ist, strahlt die Kirche schon jetzt eine ganz andere Wärme aus als zuvor. Die Wände leuchten in neuem Weiß, es dringt mehr Licht in den Innenraum und das bunte Fenster, das aus der Mitte des hinteren Teils der Kirche herabscheint, macht den neuen Innenraum wesentlich freundlicher als zuvor. „Diesen Raum mussten wir einfach nutzen“, sagt die Pfarrerin, denn so frei und ohne Bänke gebe es diesen wohl in den nächsten 50 Jahren nicht mehr.

Sitzgelegenheiten gibt es aber trotzdem: Sofas vom Laden Strandgut der Erlacher Höhe. Und am großen Esstisch. „Über 40 Leute waren heute Mittag da“, erzählt die Pfarrerin. Es gab Brot und verschiedene Aufstriche unter dem Motto: „Vom Sinn des Teilens“. Heute sei es doch oft so, dass jeder für sich alleine isst“, sagt die Pfarrerin. Ein gemeinsames Essen ist aber mehr, Nahrung für die Seele. „Ein gemeinsames Erlebnis“, sagt sie. Vor allem um dieses geht es bei jeder einzelnen Aktion: Gemeinsam singen, musizieren und bei der Band Tanzbar wippen alle Gäste zum Takt der Pop-, Soul- und Rock-Grooves.

In der Kirche erleben, was keiner erwartet

„Heute geht es darum, in der Kirche etwas zu erleben, was man nicht unbedingt erwartet“, sagt die Pfarrerin. „Kirche ist kein Museum, sondern ein lebendiger, inspirierender Ort.“ Und dass sich eine Ausdruckstänzerin durchs kahle Kirchenschiff dreht oder ein afrikanischer Künstler die Gestaltung einer der vier Seitenkapellen übernimmt, ist wohl auch nicht gewöhnlich für eine schwäbische Kirche. Arnold Kumordzie heißt er. Damit will die Gemeinde ihre Weltoffenheit zeigen. „Wir sind gerne hier im Schwabenland, wir sind aber auch Teil der Weltgemeinschaft“, erklärt Eisrich. Zeitgenössische Kunst in der Kirche hält sie für notwendig. „Glaube braucht immer neue Ausdrucksformen“, sagt sie. „Künstler sagen in ihrer Sprache, was Glaube für sie bedeutet.“ Die Kunst der Zeit nimmt quasi den Glauben mit in die Gegenwart.

Und so wie der alte Staub mit kleinen Schwämmchen vom Deckenholz gewischt wurde, erneuert sich auch die evangelische Gemeinde stetig, wird offener und jünger.

„Es muss aber nicht immer alles perfekt sein“, sagt die Pfarrerin. Das zeige die Baustelle gut. Das will sie auch den Jugendlichen hier mit auf den Weg geben. Und das Lachen der Konfirmanden „ist für mich der schönste Klang“, sagt sie. Außerdem freut sie sich, dass die Jungen und Mädchen so Kirche positiv erfahren und nicht mit einem allwissenden erhobenen Zeigefinger. „Sie erleben die Kirche hier nicht als Spaßbremse“, sagt sie. Diese lebendige Baustelle will die Gemeinde in eine lebendige Kirche verwandeln.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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