Weichnachtsgeschichte im Sommer

ZVW, 2013-07-21: Jugendkantorei und Kinderchor waren mit dem biblischen Musical „Eleasar, der vierte König“ im Martin-Luther-Haus zu sehen

Schorndorf. Ein großes Unterfangen von respektablem Anspruch endet rundum erfolgreich: Zweimal haben Jugendkantorei und Kinderchor der Stadtkirche das biblische Musical „Eleasar, der vierte König“ vor 300 Zuschauern im Martin-Luther-Haus gezeigt – und es geschafft, eine Weihnachtsgeschichte im heißen Sommer glaubhaft zu inszenieren.

Eine rührende, sehr religiöse Geschichte: Eleasar, der vierte König aus dem Morgenland, folgt ganz allein dem Stern von Bethlehem, weil ihm die anderen drei Könige abhandenkamen, und beendet seinen konsequenten Lebensweg sterbend unter dem Kreuz, aber mit tröstlichen Worten: „Ich bin am Ziel“. Zunächst mal Respekt. Das Kindermusical des Braunschweiger Domkantors Gerd-Peter Münden, das auf einer alten russischen Legende basiert, ist alles andere als leicht zu singen und zu spielen. Die meisten Arien und Chöre einer Musik, die sich stilistisch zwischen allen Stilen bewegt, sind melodisch wie harmonisch hochkomplex. Dass hier Kinder und Jugendliche mit ihnen zurechtkommen, muss als besondere Leistung gewürdigt werden. Woran das Instrumentalisten-Quartett, besetzt auch mit Oboe und Fagott, die für faszinierende Klangfarben sorgen, und natürlich Hannelore Hinderers engagierte Leitung großen Anteil haben.

Dass alles so erbauend klappt, ist wohl einer Mischung aus freudigem Spiel jedes Einzelnen und konzentrierter Hingabe an das Gelingen des Ganzen zu verdanken, die sich in vielen schönen Bildern dieser Aufführung äußert. Etwa wenn Eleasar (Milena Malsch) zu dunkler Moll-Melodie barmt „Ich habe keinen (Edel-)Stein mehr, ich sehe keinen Stern“, worauf Chor und Musiker mit linderndem Dur antworten. Oder wenn Krieger mit Speeren abgehackt aggressiv skandieren „Krieg ist Krieg“, während Gefangene in Weiß mit gefalteten Händen ihr „Kyrie“ dagegenhalten.

Oder der wiegende Chor im Dreivierteltakt, parallel zum gleichmäßigen Rudern des Eleasar als Galeerensklave, ein Wiegen, das jenem von Hannelore Hinderer ähnelt, als anfangs sich der große Kinderchor neben der Bühne sammelte und in gespannter Erwartung dem Ende des Glockengeläutes entgegenfieberte, während die Dirigentin wie beruhigend sich in sanften Wellenbewegungen hin- und herbewegte. Sehr schön gelingen auch Ruf- und Antwort-Szenen, wenn der Chor zeitversetzt auf Eleasars Zeilen reagiert. Es gibt keine Rezitative, eine Erzählerin (Nadja Kottmann) trägt stattdessen die wichtigen Handlungsstränge konzentriert vor, ansonsten gibt es nur Chöre und Arien.

Die Handlung wird über Musik und Ausdruckskraft verständlich

Mit zwei Problemen hat dieses „biblische Musical“ über den vierten König aus dem Morgenland zu tun: Zum einen, dass Bilder von weihnachtlichem Gepränge, wie sie die Handlung im biblischen Jerusalem um Geburt und Sterben Jesu vermitteln, im heißen Sommer erst abstrahiert werden müssen; zum anderen, dass der Text meist nur schwer zu verstehen ist und die Handlung mehr über die Musik und die Ausdruckskraft der Spielenden verständlich wird.

Aber dies kann auch ein Vorteil sein, wenn die Darsteller sich derart intensiv einbringen. Diese Kinder und Jugendlichen sind nicht schnippisch cool, sondern voller Empathie, voller Hingabe an die Handlung um den vierten Weisen aus dem Morgenland, der von Caspar, Balthasar und Melchior auf der Suche nach dem neugeborenen Christus nur deshalb getrennt wird, weil er nicht stur dem Stern folgt, ohne nach rechts und links zu blicken. Sondern weil er auf seinem Lebensweg anderen hilft, sich eines verwundeten Kindes erbarmt oder anstelle eines Familienvaters als Galeerensklave in Gefangenschaft geht. Seine königlichen Juwelen spendet er, um andere auszulösen, Kriegern stellt er sich in den Weg, um für den Frieden einzustehen. Das alles kommt deutlich rüber, auch wenn die Worte im Einzelnen dies nicht immer tun.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: ZVW

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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