Wohlfahrtsverbände vertreten in Schorndorf Interessen der Armen

Tiefe Einblicke gewähren die Mitarbeiter diverser Vereine und Initiativen, die sich seit 2008 regelmäßig in Schorndorf treffen. Aktuell drängt die Sozialarbeiter vor allem die Wohnungsnot ihrer Klientel in der Stadt.

„Viele Nutzer von Hilfsangeboten bleiben in den Einrichtungen, weil sie im Anschluss keine Wohnung finden. So blockieren sie teure Therapieplätze für andere,“ bringt Michael Belz eine Auswirkung der Wohnungsnot auf den Punkt. Der Sozialarbeiter der Erlacher Höhe vermittelt im Auftrag der Diakonie Langzeitarbeitslose und Wohnraum. Barbara Lischik-Nickel, Vorsitzende des Familienzentrums Schorndorf, ergänzt, für Hartz-IV-Empfänger sei Wohnraum in Schorndorf trotz Wohngeld unbezahlbar. Die Anwältin für Familien- und Mietrecht nennt den Grund: Laut Kreistagsbeschluss liegt Schorndorf nur in Zone III, Backnang dagegen in IV und Fellbach in Höchststufe V. Heißt konkret: In Schorndorf darf die Quadratmetermiete für Wohngeldempfänger für eine Drei-Zimmer-Wohnung maximal 5,85 Euro kosten, in Backnang oder Weinstadt aber 6,36 Euro und in Fellbach oder Kernen gar 6,69 Euro. Die Initiatoren, die in Schorndorf von rund 300 armen Haushalten wissen, die eine Wohnung suchen, fordern vom Kreistag die Höherstufung auf IV, besser V.

Ein einstündiges Gespräch der Gruppe mit OB Matthias Klopfer hatte kürzlich ergeben, dass es im Neubau Mieten unter acht Euro gar nicht gibt, auch Baugrund ist extrem rar – und deshalb fast unbezahlbar. Selbst Besserverdienende suchen deshalb vielfach vergeblich. Stadtpfarrerin Dorothee Eisrich betonte, gerade für sozial Schwache sei die Zentralität wichtig, weil sie oft kein Auto haben und im Rahmen ihrer Bedürftigkeit auch nicht haben dürfen.

Wo in Schorndorf Mieten unterhalb der Grenze von 5,85 Euro fällig sind, liegen oft die Nebenkosten exorbitant hoch, weil Häuser nicht isoliert und Heizsysteme veraltet sind, merkt Helmut Köhler an. Der Sozialberater der Caritas sieht die Krux: Werde in die Häuser investiert, um Nebenkosten zu senken, steige die Kaltmiete in Bereiche, die wiederum für Arme unrealistisch sind.

Sozialpädagogin Claudia Schwab hat Einzelfälle in der Betreuung, in denen Klienten trotz Vollbeschäftigung aufstocken müssen und Wohngeld beantragen, um über die Runden zu kommen. Statt Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, wofür sie ausgebildet ist, seien ihre Ressourcen oft in der Bürokratie von Anträgen und Bewilligungsverfahren gebunden.

Statt zu jammern feilen die Wohlfahrts-Fachleute an Abhilfe und haben hierfür erste Bausteine konzipiert: So soll die Stadt nach dem Vorbild Esslingens oder Münchens als Genehmigungsbehörde in Bebauungsplänen und Bauvorhaben Quoten für sozialen Wohnungsbau oder soziale Belegungen vorschreiben. Interessant sei auch ein Bürgschaftsmodell, wonach die Stadt im Fall säumiger Mieter den Konflikt regelt und im Zweifel den Mietausfall begleicht.

Weiteres Instrument könne die Städtische Wohnungsbaugesellschaft sein, die nicht nur für betreutes Wohnen, sondern auch bedürftige Klientel baut, zumal die Altersarmut erst in zehn, 15 Jahren offen und in der Breite sichtbar werde. Eine Idee ist auch eine kommunale oder kirchliche Wohnraumbörse, die Angebot und Nachfrage dort zusammenbringt, wo soziale Verantwortung Anbietern wichtiger ist als ökonomische Vernunft.

Noch einen Schritt weiter in diese Richtung geht das Wohnraum teilen. Die Idee dahinter, die Ältere noch aus der Zeit nach Kriegsende kennen: Wer mehr Fläche bewohnt als er braucht, bietet diese im Netzwerk an, das dann passende Mitbewohner vermittelt. Sollten zuvor Kosten für Renovierung oder bauliche Änderungen erforderlich sein, könne auch dies im Einzelfall über Dritte geregelt werden. „Wichtig ist, dass sich jeder bewegt,“ fasste Eisrich das jüngste Treffen zusammen. Berichte in der Presse über solche Arten des Aufbruchs könnten auch wichtige Mittel sein, um in Köpfen und Herzen etwas zu bewegen. Die Initiatoren wollen nun Treffen mit allen Gemeinderatsfraktionen vereinbaren, um auch dort ins Gespräch zu kommen. Am 30. Juli trifft sich der Kreis um 14 Uhr wieder im Martin-Luther-Haus. Und am 16. Oktober findet in Waiblingen im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages ab 16 Uhr eine Armutskonferenz in der Christuskirche statt. Denn die Wohlfahrtsverbände wollen ihrer Klientel mehr Gehör in der Gesellschaft verschaffen, nicht zuletzt, um den sozialen Frieden für alle zu wahren. (Artikel von Leo Fromm)

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