Vom berauschenden Tönen der Natur

Schorndorfer Nachrichten, 21.5.2019.Bosch-Sinfonieorchester mit fulminantem Benefizkonzert für die Stadtkirche / Begeisternde Cellistin Linda Evelina Heiberga

Schorndorf. Mit einem überwältigend klang-sinnlichen Benefizkonzert begeisterte das Bosch-Sinfonieorchester sein Publikum in der Stadtkirche. Zu hören waren Werke von Antonin Dvorak und Camille Saint-Saën. Besondere Ovationen erhielt die virtuose junge Violoncellistin Linda Evelina Heiberga. Der Erlös des Konzerts soll der Sanierung des Dachstuhls des Chores zugutekommen.

Mit ihrem Eröffnungsstück „In der Natur“ von Antonin Dvorak erwiesen die Bosch-Sinfoniker zunächst einmal der Gartenschau ihre Referenz. Und was für ein mächtiges Ton-Gedicht über das Erwachen, Aufblühen, An- und Abschwellen der natürlichen Schöpfung war da von diesem Komponisten, der ein großer Gartenfreund war, zu hören.

Eine Komposition auch, bei der von Anfang an der volle, klangfarbenfeine Orchester-Sound der Bosch-Sinfoniker unter der hingebungsvollen Leitung von Hannes Reich beeindruckte. Eine hymnische Feier der Natur, mal hymnisch hochfahrend, dann lyrisch zart nachklingend. Sowohl mit Passagen nachdrücklicher Beschwörung wie auch inniger Kontemplation.

Das Stück, 1891, also zur Hochzeit der Ersten Industriellen Revolution entstanden, verleiht der Natur noch einmal eine stimmungsaufgeladene Majestät, die sie als Ausgebeutete schon längst nicht mehr hatte. Am Ende dieses als Ouvertüre komponierten Stücks wird sein Anfang wieder aufgenommen: Aus dem Aufblühen wird ein raunendes Verdämmern, leises Verklingen. Ist da eine schon um den kommenden Verlust der Natur trauernde Abschiedsgeste mitzuhören?

Ganz anders das 1872 entstandene Cellokonzert Nr. 1 von Camille Saint-Saëns. Man könnte es als eine Art kurzen Bildungsroman des Cello bezeichnen, das in diesem kurzen, aber äußerst kunstreichen Konzert, durch das Orchester hindurch, auf der Suche nach seiner eigenen Stimme zu sein scheint.

Und es ist die gerade einmal 21-jährige Solistin Linda Evelina Heiberga, die sich hier auf ihrem Instrument mit hingebungsvoller Verve flackernd, ja wie flehend gegenüber dem Orchester zu behaupten sucht. Das mündet in eine fast überirdisch schöne Passage melodischer Zartheit, bei der das Cello vom es rhythmisch stupfenden Orchester wunderschön aufgefangen, umsponnen scheint.

Stehende Ovationen für die junge Violoncellistin

Am Ende dieser Begegnungen ist dann eine gereifte und doch immer noch leidenschaftliche Cello-Stimme zu hören, die selbstbewusst ein ihr von den Hörnern zugerufenes Thema aufnehmen und weiterentwickeln kann. Stehende Ovationen für die junge Künstlerin.

Der zweite Teil des Konzerts gehörte dann noch einmal Dvorak mit seiner Sinfonie Nr. 7 d-Moll von 1884. Etwas bedrohlich Panisches geht von dessen 1. Satz Allegro maestoso aus. Man meint da, durch die Hörner einen unheimlichen Jagd-Untergrund mitzuhören. Das mit überwältigender Kraft aufspielende Orchester nimmt den bedrängenden Charakter eines Einpeitschungsunternehmens an.

Das ist vom Orchester hinreißend spannungsvoll musiziert und doch – der Hörer mag sich hier einer Reserve gegenüber dieser hochfahrenden Überwältigungsmusik schwer erwehren. Dazu mag kommen, dass man den Eindruck hat, dass das vom Dirigenten sichtbar dazu angestiftete Orchester in dieser Musik eher affirmativ zu versinken, in ihr zu schwelgen scheint, statt ihren Verführungsfuror sinnlich analytisch zu zeigen.

Wäre es möglich, dieser Musik gerecht zu werden, indem man sie hellwach gegen den Strich dirigierte? Zu hören war hier imposant musizierte, großangelegte Schicksalsmusik, die mit dem Hören auch reichlich zu denken gab. Was für ein anregendes Konzert also.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gabriel Habermann

Impressum

Evangelische Stadtkirchengemeinde Schorndorf
Friedrich-Fischer-Strasse 4
73614 Schorndorf
  Telefon:(07181) 979619
     Fax: (07181) 979629
Pfarramt.Schorndorf.Stadtkirche-West[at]elkw.de

 

 

Evang. Kirchenpflege Schorndorf, Schlichtener Str. 21
Kreissparkasse Waiblingen
BIC    SOLADES1WBN
IBAN    DE74 6025 0010 0005 3819 37

 

 
Die Evangelische Stadtkirchengemeinde ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wird vertreten durch den kirchengemeinderat, der wiederum durch die 1. Vorsitzende Pfarrerin Dorothee Eisrich oder den 2. Vorsitzenden Dieter Feser.Inhaltlich verantwortlich nach §5 Telemediengesetz (TMG) und §55 Staatsvertrag über Rundfunk und Telemedien (RSTtV): Geschäftsführende Pfarrerin Dorothee Eisrich. [Haftungsausschluss ] [Datenschutzerklärung]