Evangelische Stadtkirchengemeinde sorgt sich um ihre Partnergemeinde in Kenia: Dürre, Heuschrecken und noch Corona

Schorndorfer Nachrichten. "Wir unterschätzen, dass Anteilnahme ein hohes Gut ist": Pfarrerin Doroothee Eisrich im Martin-Luther-Haus

Nach den vielen Corona-Demonstrationen auch in Schorndorf, bei denen Empathie ausschließlich den eigenen misslichen Einschränkungen gilt, die dann gleich noch unter Diktaturverdacht gestellt werden, tat eine Veranstaltung im Martin-Luther-Haus zur Pandemie in Afrika einen besorgten Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Die evangelische Kirchengemeinde unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde St. Luke in Kitale/Kenia. Es gab Besuche und Gegenbesuche. Wie ist die Lage dort? Inzwischen teilweise gelockert, hat es in Kenia nächtliche Ausgangssperren zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens gegeben. Schulen und Hochschulen sollen bis Januar 2021 geschlossen bleiben.

„Schlimm war vor allem“, berichtete Arnold Kistner, der Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses, „dass sämtliche Märkte geschlossen wurden. In Kitale gab es den Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftslebens. Die Folgen waren eine starke Teuerung, unmittelbare Not, Hunger und Perspektivlosigkeit.“ Für die Gläubigen in Kitale sind die Treffen der Hauskreise im Anschluss an die Gottesdienste wichtig. Auch das ging nicht mehr. Dieter Feser, bis zu seiner Pensionierung vor kurzem noch Leiter der diakonischen Stiftung Nikolauspflege, die in Kitale eine Blindenschule unterstützt, stellte fest: „Die Menschen leben dort von der Hand in den Mund. Und für Blinde, die sehr auf den Kontakt angewiesen sind, ist es noch schlimmer.“


„Lockdowns in Afrika teilweise mit brutaler Gewalt durchgesetzt“

„Die Prognose, dass Afrika auf Millionen Tote zusteuert, hat sich nicht bestätigt“, konnte als „erfreulich“ indes Helmut Hess mitteilen, der früher die Afrikaarbeit von „Brot für die Welt“ koordinierte. Als Gründe hierfür nannte Hess die „nur bedingt aussagekräftigen Zahlen“. Darüber hinaus aber sei die Bevölkerung in Afrika sehr viel jünger, und es gebe dort „ein durch viele Krankheiten trainiertes Immunsystem“. Als wichtigsten Grund aber gab er die Lockdowns an, „die teilweise mit brutaler Gewalt durchgesetzt wurden“, wobei es auch Tote gegeben habe.

Schule, so Hess, sei in Afrika oft die einzige Einrichtung, wo es für Kinder ein warmes Essen gebe. Im eh armen Somalia, wo die Schulen geschlossen sind, hieß das: kein Essen. „Ein Riesenproblem“ sieht Helmut Hess in der medizinischen Versorgung; so sei zum Beispiel die Lieferung von HIV-Medikamenten unterbrochen. Durch die Schließung der auch als soziale Treffpunkte dienenden Straßenmärkte sei „die Nahrungsversorgung total unterbrochen“. Das gilt auch für den Export: „Tee und Kaffee aus Kenia können im Moment nicht verkauft werden.“

Derzeit sind in Afrika 25 Millionen Menschen auf der Flucht

„Wenn es nur Covid-19 wäre“, meinte man Hess seufzen zu hören. Es gebe noch andere Probleme wie „die fürchterliche Dürre, eine Heuschreckeninvasion in Ost-Afrika mit katastrophalen Folgen – und dann kommt noch Corona dazu!“ All das und der Terror der Al-Shabaab-Kämpfer in Ostafrika sowie die Fluchtproblematik. „Im Moment sind 25 Millionen Menschen in Afrika auf der Flucht.“

Ein düsteres Bild, das da gezeichnet wurde: „An Hunger und Armut werden in Afrika mehr sterben als durch den Virus“, durch den die bisherigen entwicklungspolitischen Erfolge zunichtegemacht würden. „Viele hoch verschuldete Länder sind außerstande, dringend notwendige Maßnahmen zu finanzieren.“ Wie müssten da Partnerschaft und Solidarität aussehen? Helmut Hess machte sich stark für „finanzielle Hilfsangebote, Zinstilgung und Schuldenerlass sowie die medizinisch-technische Unterstützung von lokalen Initiativen“. Außerdem schloss er sich dem Aufruf von Dr. Agnes Aboum vom Weltkirchenrat an, die zu einer „Kooperation beim Aufbau von effizienten und nachhaltigen Gesundheitsdiensten“ in Afrika aufgefordert hat.


„Was können wir tun? Resignieren ist unsere Sache nicht!“

Mit der Frage „Was können wir tun?“ eröffnete Stadtkirchen-Pfarrerin Dorothee Eisrich das Gespräch und fügte hinzu: „Resignieren ist unsere Sache nicht. Wir unterschätzen, dass Anteilnahme ein hohes Gut ist.“ Es heiße ja, die Ohnmacht könne einen erschlagen. Aber auch: „Die Krise deckt Missstände auf – und fordert die Kraft, zu handeln.“

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Palmizi

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