"Nacht der offenen Kirche": Tanzen und lachen sind erlaubt

Schorndorfer Nachrichten. Tanzperformance in der Schorndorfer Stadtkirche bei der Nacht der offenen Kirchen

„Alle Kirchen die mitmachen, leuchten rot“, erklärt Dekanin Juliane Baur am Ende der bunten, freudigen, gelungenen „Nacht der Kirche“ in der evangelischen Stadtkirche. „Rot“, so Baur, „steht für Liebe, Leben, und es ist die Farbe des Heiligen Geistes“. Und, hmm, hatte man nach einigen Stunden abwechslungsreichen Programms das staunende Gefühl: Kirche kann auch anders, ja Kirche weiß zu leben und sogar, wie an diesem Abend, im Lachen aufzublühen.


Kirche will zeigen: „Wir sind da!“

Die Idee dieser Nacht (organisiert von Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann) war zum einen, anzuknüpfen an die Gartenschau des vergangenen Jahres, bei der auch die Kirchen vom damaligen städtischen Gemeinschaftsgeist mit erfasst wurden und an seinem Erscheinen mitarbeiteten. Und dann, so die Dekanin, in den nun aktuellen Zeiten der Verunsicherung durch Corona, „zu zeigen: Wir sind da!“

Und das sogar mit einer kleinen Bar in der Kirche selbst? „Eigentlich wär die draußen gewesen“, sagt Juliane Baur, wo auch die Tanzperformance hätte stattfinden sollen. Witterungsbedingt musste dann allerdings umdisponiert werden. Und im Übrigen, warum denn keine Bar, fragt Baur fast trotzig zurück. „In der Kirche soll ja Leben sein, Geselligkeit und Lachen, dann darf auch mal eine Bar in der Kirche sein!“ Ja, warum denn auch nicht? Der Heilige und der Geist des Weins verbündeten sich spürbar in den Gesprächen der Gäste.

Etwa über die Dauer von Corona: „Die große Aufgabe ist es, in diesem Wartezimmer ohne Uhr nicht zu warten, bis es anders ist, sondern damit zu leben“, so Juliane Baur. Wie geht es also weiter, mit den Einschränkungen? „Zu den nächsten Herausforderungen gehört die Konfirmation.“ Da wird in Gruppen aufgeteilt werden. „Und eine ganz, ganz große Herausforderung wird der Heilige Abend, an dem wir nur 250 Menschen in die Kirche lassen dürfen.“ Beschränkungen also ausgerechnet dann, wenn die Kirche sich öffnen muss und auch öffnen will.

So wie an diesem Abend, an dem zuerst eine Ausstellung mit Bildern zur Bibel des Malers Salvador Dali eröffnet wurde. Mit einer erstaunlichen Vielfalt und Intensität hat sich dieser Surrealist und am Ende doch auch Erz-Katholik dieses Themas angenommen. Eindrücklich, vielleicht weil wir so wach gegenüber derlei geworden sind, die „Heuschreckenplage“ von 1964. Ein Blatt auf dem ein prall schillernder Käfer im Anflug in die Tiefe stürzt.


Geste der wie sich zusammenfaltenden Ratlosigkeit

Atemberaubend faszinierend war dann der Auftritt des Ensembles der Tanzwerkstatt der Manufaktur aus sieben jungen Frauen mit einer präzis einstudierten Choreografie der belgischen Künstlerin Anne Teresa De Keersmaeker. Schnelle Wechsel der Haltungen zwischen Aufbrausen und Melancholie, ein sich Verschränken als Geste der wie sich zusammenfaltenden Ratlosigkeit, in der sich die Betrachter selbst erkennen konnten. Grandios! Die begleitende serielle Musik unterstreicht das Rituelle, manchmal Mechanische unserer Bewältigungsgesten. Sind wir nicht immer gefangene und aufbegehrende Körper zugleich? Kann ein stummes Tanztheaterstück aus den 1980er Jahren heutiger sein?

Gar net stumm, sondern sehr beredt war dann der kabarettistische Auftritt der Schlabbbergosch Frau Seibold, Adele, furios verkörpert von der Theologin Dr. Gisela Matthiae. Ihr Credo: Wo Gott ist, ist auch Lachen. Und können Gläubige sich selbst auf die Schippe nehmen. Aber ja doch, das geht!

Leben, Geselligkeit und Lachen in der Kirche? Die Nacht der offenen Kirche war dazu bereit.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Steinemann

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