Poesie und Musik bei der Stadtkirche am Abend

Schorndorfer Nachrichten. Weltmusik mit dem Indira Quartet mit Frank Kroll, Uwe Kühner, Fauzi Maria Beg und Friedemann Dähn (von links)

Die Reihe „Stadtkirche am Abend“ ist, abseits der gewohnten Kanzeltheologie, ein offenes Experiment, eine einladende Erkundung dessen, wie in unserer zerrissenen Gegenwart im Verhältnis von Glaube zur Welt neu zu denken, fühlen und handeln wäre. Und dabei scheut Pfarrerin Dorothee Eisrich als Gastgeberin keine Bündnispartner und bezieht auch die nicht-liturgischen Künste ins Gespräch mit ein. Daraus entwickeln sich dann im schönsten Fall Begegnungen, in denen tatsächlich der Geist gegenwärtig wirkt.

So nun auch vergangenen Sonntagabend. Sozusagen zur Stimmgabel für den Zusammenklang von Wort und Musik hatte man einen Vers der Dichterin Rose Ausländer gewählt: „Vergesst nicht, Freunde, wir reisen gemeinsam.“

„Wir sitzen alle im gleichen Zug und viele im falschen Coupé“

„Wo stehen wir gerade auf unserer Lebensreise“, fragte Dorothee Eisrich zu Beginn. „Wo sind wir in eine Sackgasse geraten? Was würden wir gerne zurücklassen, weil es heute nicht mehr passt, Glaubensformeln, die leer geworden sind, die nicht mehr tragen, unserer Seele nicht mehr Nahrung geben?“ Fragen, die drängender werden. „Die Zeiten, in denen wir leben“, so Eisrich, „konfrontieren uns mit einem zerstörerischen Virus. Alle Menschen, überall auf der Welt. Aber es kommt auch ans Licht, unter welchen unterschiedlichen, ungleichen Bedingungen wir leben. Viele wirtschaftliche, politische und religiöse Probleme, die vorher schon da waren, verschärfen sich.“ Unterwegs sein, fragen und suchen. Das waren die Themen der Gedichte, die abwechselnd zur Musik von Mona Kirschner, Heike Kistner und Annegret Weimer vorgetragen wurden.

Kritische Texte, die hier dennoch mit empathischer Wärme versetzt wurden und damit ihren verborgenen Hoffnungsgehalt durchschimmern ließen. „Wir sitzen alle im gleichen Zug / und viele im falschen Coupé“ aus „Das Eisenbahngleichnis" von Erich Kästner, „Ich bin ein Sucher“ von Günter Kunert und andere. Wenn man so will „Das Fremde“, fand Einlass durch zwei wegen ihres Sufi-Glaubens vor einem Jahr aus dem Iran geflohene Perserinnen, die Verse des mittelalterlichen Sufi-Mystikers Rumi (1207 bis 1273) vortrugen. In Farsi, einer Sprache, die wir nicht verstanden und die so zum faszinierenden Klang aus einer „Ferne so nah“ (Walter Benjamin) wurde. Verstehen? Hier wurde es zu einer ganz besonderen Frage.

Ein ganz außerordentliches Klang-Ereignis waren an diesem Abend aber auch die musikalischen Beiträge des „Indira Quartet“. Sogenannter „World-Jazz“ mit der indischstämmigen Sängerin Fauzia Maria Beg, dem Schorndorfer MPG-Big-Band-Leiter und Saxofonisten Frank Kroll sowie dem E-Cellisten Friedemann Dähn und dem Schlagzeuger Uwe Kühner. Auch das waren vom Osten her durchwehte Soundlandschaften voll schwebender Intensität, bei der keine „unreinen“ Töne verbannt, sondern voller rhythmisch befeuerter Lebensbejahung als irrlichternd gestaltete Dämonen mit auf die gemeinsame Reise genommen wurden. Ach, könnte man diese Musik doch in Sprache und Handeln übersetzen. Vielleicht so, dass das aus der von Dorothee Eisrich angesprochenen Sackgasse führen würde.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Steinemann

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