Leibsorge, Seelsore, Wortsorge

Das waren die Anliegen von Diakon Walter Krohmer, der seinen Dienst in Schorndorf nach 37 Jahren beendet

Akademisch daherreden oder ein geistlicher Überflieger zu sein, das war Walter Krohmers Sache nicht. Das hätte zu einem, der von unten kommt und der seinen beruflichen Werdegang als Bäcker und Konditor begonnen hat, auch gar nicht gepasst. Er, der 1982 als Diakon nach Schorndorf gekommen und dann 37 Jahre geblieben ist, wollte immer vor allem eines: „Bei den Menschen sein.“ Ob das nun bei der Ochsenberg-Weihnacht, bei den Kleingärtnern, bei den Landfrauen oder bei seinen Senioren war, um die er sich vom ersten Tag an – und damals noch als junger Mann, dem diese Aufgabe nicht gerade auf den Leib geschneidert war – gekümmert hat. Leibsorge, Seelsorge und Wortsorge – das waren die Anliegen von Walter Krohmer. Und wenn daraus, wie etwa bei seinen „Bibel und Brezel“-Gesprächen, ein Zwei- oder Dreiklang geworden ist, dann war für den 64-Jährigen, der vom 1. Dezember an offiziell Rentner ist, alles gut. Verwaltung dagegen, räumt er freimütig ein, war nie sein Ding. „In dieser Zeit hätte ich auch zwei Hausbesuche machen können“, hat er oft gedacht, wenn er mal wieder an einer Sitzung teilnehmen musste, deren Sinn und Zweck sich ihm nicht so richtig erschlossen hat.

Von Scheffbuch gelernt, wie wichtig Vertrauen ist

Davon abgesehen, dass ihm seine Bandscheibe den Bäckerberuf verleidet hat, war es der damalige Pfarrer in seinem Heimatort Frickenhausen, der dem zuvor schon in der Kirche und da vor allem in der Jugendarbeit aktiven Walter Krohmer nahegelegt hat, sich an der Missionsschule in Unterweissach um eine Ausbildung zu bewerben. Religionspädagoge, Jugendreferent, Diakon – das waren die Optionen, die Walter Krohmer hatte. Er hat sich entschieden, Diakon zu werden, und ist nach Abschluss der Ausbildung erst einmal für drei Jahre als Jugenddiakon nach Kemnat gegangen, ehe ihn der damalige Schorndorfer Dekan Rolf Scheffbuch nach Schorndorf gelotst hat. Und Scheffbuch war fortan auch Krohmers Mentor und derjenige, von dem er am meisten gelernt hat. Zum Beispiel, dass es sich auszahlt, unendlich viel Vertrauen in seine Mitarbeiter zu haben und ihnen zunächst einmal auch alles zuzutrauen. Wie zum Beispiel die Seniorenarbeit inklusive der Seniorenfreizeiten, die von Anfang an zum Aufgabenbereich des damals noch nicht einmal 30-jährigen Diakons gehört hat. „Man wächst rein“, sagt Walter Krohmer im Rückblick auf eine in jeder Hinsicht erfüllte Zeit. „Ich erkenne darin den Weg, den Gott mit mir gehen wollte“, hat der 64-Jährige in einem Interview gesagt, dass Pfarrer Oesterle von der Paulusgemeinde für das kirchliche Mitteilungsblatt „Kirche im Mittelpunkt“ mit ihm geführt hat. Auf die Frage, was er sich von seiner Landeskirche für deren weiteren Weg wünscht, hat Krohmer in diesem Interview gesagt: „Beschäftigt euch stärker mit geistlichen und biblischen Inhalten. Rückt näher an die Menschen und ihre Lebenswelt heran, statt selbstbezogen endlose Debatten über Strukturen kirchlicher Arbeit zu führen.“

Zirkusseelsorge – das wäre was für Walter Krohmer gewesen

Nun war es keinesfalls so, dass es von Anfang an in Stein gemeißelt war, dass Walter Krohmer 37 Jahre in Schorndorf und immer auf der gleichen Stelle bleibt – und es dabei mit insgesamt drei Dekanen (Scheffbuch, Junt, Teich) und einer Dekanin (Baur) zu tun bekommt, die ihm aber alle die Freiheit gelassen haben, seine Gaben zu entfalten. Gut hätte sich Krohmer zum Beispiel ein Engagement in der Schaustellerseelsorge vorstellen können – erst recht, nachdem er sich Ende der 1980er Jahre gemeinsam mit Diakon Karl-Heinz Koch einen ganzen Winter lang um einen in Schorndorf gestrandeten Zirkus gekümmert hatte und seit einer persönlichen Begegnung mit der legendären Zirkus-Direktorin Christel Sembach-Krone.

Nachdem’s mit der Zirkus-Seelsorge in Ermangelung einer freien Stelle nichts geworden war, hat ihm Dekan Scheffbuch die Stelle des Heimleiters im Marienstift angetragen. Also hat Krohmer die begleitende Ausbildung beim Diakonischen Werk gemacht – um dann gesagt zu bekommen, dass er zusätzlich auch noch eine pflegerische oder kaufmännische Ausbildung bräuchte. Wieder ein Traum geplatzt nach dem Motto: „Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ Und von sich aus dankend abgelehnt hat Walter Krohmer, als ihm die Bahnauer Bruderschaft erst eine Stelle als Pfarrer in Buenos Aires und dann in Königsberg angeboten hat. Noch einmal eine Fremdsprache zu lernen, nachdem er sich als einer, der nicht einmal einen Realschulabschluss hatte, schon Griechisch und Hebräisch angeeignet hatte – nein danke. Und außerdem, sagt der 64-Jährige, habe er ganz genau gewusst, dass ihn eher über kurz als über lang das Heimweh plagen würde: „Ich bin Schwabe durch und durch.“ Und zwar einer, der zwar seit vielen Jahren mit seiner Frau Esther und einer Perserkatze schön und gerne in Welzheim wohnt, aber in Schorndorf daheim ist – und das wird auch nach seiner Verabschiedung am morgigen Sonntag (Festgottesdienst um 17 Uhr mit anschließendem Ständerling) so bleiben.

Walter Krohmer hat’s auch verschmerzt, dass er nicht Pfarrer werden konnte, weil just zu dem Zeitpunkt, da ihm dieser zweite Bildungsweg offenzustehen schien, der auch schon wieder verbaut war, weil es einen Vikarsüberschuss gab. Egal, Walter Krohmer hat – erst auf Vertrauensbasis und dann nach entsprechenden Weiterbildungen – auch so (fast) alles gemacht, was ein Pfarrer auch macht: predigen, die ganzen Kasualien – und den Talar durfte er auch tragen. Und als er dann offiziell Seelsorger im Marienstift wurde, da hat ihn das schnell darüber hinweggetröstet, dass das mit der Heimleitung nicht geklappt hatte.

Nicht Diakon im Ruhestand, sondern Diakon in Reichweite

Walter Krohmer ist in seinen 37 Schorndorfer Jahren im ganzen Kirchenbezirk herumgekommen – auch als längerfristige Pfarrersvertretung zum Beispiel in Weiler und in Welzheim, hat als Diakon mit Kindern und Jugendlichen in der Schule und im Konfirmandenunterricht genauso gerne gearbeitet wie mit seinen Senioren und wird sich, wenn er jetzt in Ruhetand geht, erst einmal eine Pause gönnen – unterbrochen freilich von der Ochsenberg-Weihnacht, der er die Treue halten will, so lange es nur irgendwie geht. Aber spätestens vom kommenden Frühjahr an will er sich dann als Diakon i. R. – die Abkürzung steht bei ihm nicht für „im Ruhestand“, sondern für „in Rechweite“ – für Neues öffnen. Ein Engagement im Tafelladen könnte er sich zum Beispiel gut vorstellen. Es sei aber, sagt er, auch ein gutes Gefühl, künftig ohne schlechtes Gewissen mal Nein sagen zu können. Wobei er sich das bei den beiden Stammtisch-Angeboten, die er für seinen Ruhestand schon hat, sicher zweimal überlegen wird.

©️ Schondorfer Nachrichten; Foto: Alexandra Palmizi

 

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Freitag, 20. Dezember 2019, 19:00- Uhr

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Viele Menschen sind verlegen, wenn es um das Beten geht. Andere sagen schlicht: „Das Gebet hat mein Leben gerettet. Ohne das Gebet wäre ich dem Wahnsinn verfallen“ (Mahatma Gandhi). Wir wollen an diesem Ab...


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