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Bibelgespräch ()

Das Leben geht weiter, als man denkt

Schorndorfer Nachrichten, 2018-11-12: Ein nachdenklich und witziger Samuel Koch beim Sky Talk im Gespräch mit Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann

Schorndorf. „Zwangsläufig muss ich einiges kompensieren, so dass sich anderes sensibilisiert hat“, erklärt der ehemalige Hobbyturner Samuel Koch seinen gebannten Zuhörern beim Sky Talk der Evangelischen Stadtkirchengemeinde. Am 4. Dezember 2010 stürzte der heute 31-Jährige in der Show „Wetten dass...“ so unglücklich, dass er nun gelähmt in einem Rollstuhl sitzt. Aber, so das Thema des Gesprächs: „Das Leben geht weiter, als man denkt“.

„Hhhm, interessant“, kommentierte Samuel Koch reserviert abschmeckend, als Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann ihn als einen „Überlebenskünstler“ bezeichnete. Bei seinem schweren Sturz in Thomas Gottschalks Show hatte er sich vor einem Millionenpublikum unter anderem den siebten Halswirbel gebrochen. „Es gibt nur sieben Leute, die das überlebt haben. Ich habe überlebt.“ Aber Künstler? Er denkt nach und nimmt dann die Bezeichnung an: „Kreativität und Fantasie gehören zum Künstler. Die muss ich oft anwenden.“

Als einen „Traumgast“ für die Reihe „Sky Talk“ wurde Samuel Koch von Kläger-Lißmann begrüßt. Und er hatte viele bewegende Fragen im Gepäck, an einen jungen Mann, dessen Leben sich plötzlich völlig veränderte. Wie geht man damit um? „Worin besteht die Widerstandskraft unserer Seele? Was ist der Sinn und Wert des Lebens?“ Und wie im folgenden Gespräch fast immer, nahm Samuel Koch erstmal ein bisschen das Pathos aus der Sache – aber er antwortete.
Trockener Humor und Selbstironie, provozierend unsentimental

Und zwar nachdenklich, klug, voller plastischer Beispiele und Geschichten, dabei witzig, mit trockenem Humor und Selbstironie. All das völlig ohne Selbstmitleid, ja provozierend unsentimental, und doch nicht ohne Gefühle. Dabei mit oft überraschenden Wendungen und Einsichten. Es war ein sowohl intellektuelles wie emotionales Vergnügen ihm zuzuhören. Der Mann hat was zu sagen.

Kläger-Lißmann zitierte eine Szene aus Kochs zweitem Buch. Auf der Intensivstation wird dieser mit drei Möglichkeiten konfrontiert, mit seinem Schicksal umzugehen. Sich entweder frustriert zurückzuziehen, andere selbstmitleidig zu tyrannisieren oder positiv aktiv zu bleiben. Koch hat sich für die letzte Variante entschieden und Kläger-Lißmann fragte: „Wie schaffst du das?“ „Das ist im Alltag nicht immer einfach“, bekannte Koch. „Es gab einen Punkt, da dachte ich, jetzt hab ich keinen Bock mehr.“ Doch dann kam der Gedanke: „Wohin mit meiner überschüssigen Energie? Davon hab ich ja jetzt genug!“

Früher, als Kunstturner, erzählt er, sei es „Ehrensache“ gewesen, nach einem Sturz in einem Wettkampf, auch wenn es keine Punkte mehr zu gewinnen gab, „das zu Ende zu machen. Ich habe das 17 Jahre lang gemacht. Mache das eigentlich schon länger nicht mehr. Nicht praktizierend. Aber von der Mentalität her auch in der unbeweglichen Phase.“

Und dann berichtet er von dem Moment, als er nach drei Monaten in der Klinik zum ersten Mal ins Freie geschoben wurde. „Wie herrlich da draußen!“, sagte er sich. „Es gibt wohl noch mehr, wofür sich zu leben lohnt.“ Und er schildert den Glücksmoment, wie er nach dem Entfernen eines Beatmungsschlauches in seiner Brust, „zum ersten Mal wieder selbst durch Nase und Mund Atemluft aufgenommen“ habe.

Natürlich habe er damals, der in einer christlichen Familie aufgewachsene Koch, „viel an meinen Werten gezweifelt. Warum lässt Gott so etwas zu?“. Aber „als ich überhaupt keinen Plan gehabt habe, hab’ ich mich an Gott, den Erfinder des Rückenmarks gewandt“. Er fand die Hoffnung und den Glauben, „dass alles einen Sinn hat“.

So stellt Samuel Koch sich heute Gott „eher wie ein Navigationssystem vor: Wenn man vom Weg abkommt, wird die Route neu berechnet“.

„Alles war futsch. Kein Bock, kein Plan, kein Ziel.“

Vor seinem Unfall hatte er viele Ziele gehabt. „Alle hatten mit Bewegung zu tun.“ Danach: „Alles war futsch. Kein Bock, kein Plan, kein Ziel.“ Heute aber sei er glücklich wieder an dem Punkt, „wo ich sagen kann: Ich bräuchte drei, vier Leben, um alles machen zu können“.

Aber wie gehe er mit seiner „verschärften Form von Abhängigkeit“ um, wollte Steffen Kläger-Lißmann wissen. „Hhhhm“, kam es da wieder. „Da braucht man nicht viel drumrum zu reden: Das ist auch nervig, manchmal ätzend.“ Aber, „die Abhängigkeit hat mich auch in gewisser Weise frei gemacht“. Dann sagt der einstige Turner: „Ich habe meinen Demutspanzer immer dabei.“ Und noch nachdenklicher: „Demut ist fast die größere Form von Mut.“

Als Kläger-Lißmann ihn daran erinnert, dass Joachim Gauck ihn mal den „Mutmacher der Nation“ genannt habe, schüttelt Koch bestimmt und abwehrend den Kopf.

Und als der Pfarrer ihn dann am Ende doch noch fragt, was er den Leuten mitgeben will, sagt er nur: „Na toll“, und distanziert sich uneitel davon „Pseudo-Ratschläge“ geben zu sollen und schlägt stattdessen vor: „Vielleicht, dass man es erst am Ende des Lebens findet, was der Sinn ist.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gabriel Habermann

 

 

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