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Schorndorfer Nachrichten, 2018-10-15: Beim Sky Talk berichtet Autorin Anne Chebu über Schwarz-Weiß-Klischees und den Umgang mit Alltagsrassismus

Schorndorf. Wie fühlt es sich an, afrodeutsch zu sein? TV-Journalistin, Moderatorin und Autorin des Buches „Anleitung zum Schwarz sein“ Anne Chebu forderte beim Sky Talk in der Skybar im Postturm zu mehr Sensibilität für Grenzüberschreitungen und zu Kritikfähigkeit auf. Im Gespräch mit Pfarrer Steffen Kläger-Lißmann thematisierte sie auch eigene Erfahrungen mit Rassismus.

„Ich fühle mich hundertprozentig deutsch“, sagt Anne Chebu. Dennoch erlebe sie immer wieder „Bindestrich-Momente“. Sie fühle sich eigentlich ganz normal, und dann gebe es diese Momente, in denen ihr vermittelt werde, dass sie aufgrund ihrer Hautfarbe doch nicht ganz dazugehöre. Ihr Bindestrich sei also „afro-deutsch“. Allgemein bedeute eine Bindestrichidentität, dass man deutsch ist, sich aber auch noch mit etwas anderem identifiziert. Das treffe oft auf Migranten der ersten Generation zu.

Die Art und Weise, wie die Medien mit dem Thema Diversität umgehen, trage stark dazu bei, dass zwischen Schwarz und Weiß unterschieden werde, meint Chebu. In deutschen Fernsehproduktionen seien beispielsweise kaum Schwarze zu sehen, und wenn doch, spielten sie oftmals kriminelle Rollen. Sie ist sich sicher, dass auch sie selbst wegen ihrer schwarzen Hautfarbe Absagen auf Bewerbungen bei öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern erhalten hat.

„Rassismus ist wie ein Netz, das kleinere und größere Knoten hat“, beschreibt die Journalistin ihre Erfahrungen. Kleinere Knoten sind unpassende Fragen oder Bemerkungen, größere Knoten die Diskriminierung bei der Job- oder Wohnungssuche und Rechtsextremismus.

Gefährlich: Auch positive Klischees sind rassistisch

Dabei gebe es laut Chebu nicht nur negativen, sondern auch „positiven“ Rassismus. Dieser spreche Schwarzen besondere Eigenschaften zu. Dass sie alle gut singen könnten zum Beispiel. Antirassismustraining könne zur Sensibilisierung für alle Arten von Rassismus beitragen, glaubt Chebu. Denn: „Wir haben alle rassistische Bilder im Kopf.“ Wichtig sei es, dass Thema nicht auszublenden, sondern stattdessen ganz offen und kritikfähig damit umzugehen.

Oft seien nicht die Menschen selbst, sondern ihre Aussagen rassistisch. Wenn man sie aber auf ihre rassistische Äußerung aufmerksam mache, blockten die Leute oft ab, denn Rassismus werde oft sofort mit Rechtsextremismus und Neonazismus verbunden. Deshalb fühlten sie sich direkt persönlich angegriffen und seien nicht bereit, sich ihren Fehler einzugestehen. Sie sehen sich dann selbst als Opfer und greifen das eigentliche Opfer an. „Das tut mir dann tatsächlich körperlich weh“, sagt Chebu über solche Situationen, in denen sie sich dafür rechtfertigen muss, wenn sie eine Aussage als rassistisch wahrnimmt. Um einer solchen Lage zu entgehen, rät sie, dass Wort „rassistisch“ zu vermeiden, und stattdessen „diskriminierend“ oder „du hast gegen ein Menschenrecht verstoßen“ zu sagen.

Ein häufiges Beispiel für Alltagsrassismus ist laut Chebu die Frage „Woher kommst du?“. Viele Menschen fragten Schwarze nach ihrem Herkunftsland. Dabei wollten sie oft nur zeigen, wie weltoffen sie sind oder wie viel sie schon gereist sind. Wenn dann aber auf die Antwort „aus Nürnberg“ die Frage „Ja, aber woher kommst du wirklich?“ folge, beginne der eigentliche Rassismus. Denn mit der weiteren Nachfrage verletze man die persönlichen Grenzen seines Gegenübers und rücke die vermeintlichen Differenzen zwischen Schwarz und Weiß in den Fokus.

Zum Abschluss erklärt Chebu: „Das Wichtigste ist ein ganz normaler Umgang, das Spüren von Grenzen, Feedback annehmen und akzeptieren.“ Menschen könnten nicht immer alles selbst verstehen, müssten es aber dennoch akzeptieren.

Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Wir reisen gemeinsam – Koloniales Erbe und globale Perspektiven“, die noch bis Ende Oktober stattfindet.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Steinemann

 

 

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