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Homosexualität in der Kirche - Veranstaltungsreihe in Schorndorf endet mit Eklat

Schorndorfer Nachrichten, 2018-10-13

Schorndorf. Auf den schon längere Zeit zurückliegenden und zunächst einmal innerkirchlich behandelten Skandal, dass eine junge Frau, die sich als lesbisch geoutet hatte, aus der damals noch im CVJM verorteten christlichen Gottesdienst-Band „Grace 1“ ausgeschlossen wurde, folgte jetzt – am Ende einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe der evangelischen Gesamtkirchengemeinde zum Umgang mit Homosexualität – der Eklat. In ihren Gefühlen tief verletzt durch Äußerungen von Pfarrer Thomas Fuchsloch von der Versöhnungskirchengemeinde, verließ besagte junge Frau weinend das Martin-Luther-Haus.

Während der seiner Tochter hinterher eilende Vater dem Pfarrer erzürnt vorwarf, er sei mit seiner Haltung, wonach von den ohnehin nur etwa sieben Prozent gleichgeschlechtlich orientierter Menschen nur etwa fünf Prozent an einer echten Partnerschaft interessiert seien und die anderen 95 Prozent mehr oder weniger nur der Lust und dem Laster frönten und schlimmstenfalls noch ihre Gesundheit riskierten, „im tiefsten Mittelalter stehengeblieben“, stellte die sichtlich konsternierte Dekanin fest, es sei „sehr schade, dass Menschen in ihrem Dasein so in Frage gestellt werden“. Und Pfarrer Thomas Oesterle, der „einfach nur noch froh“ war, „dass die drei Abende jetzt zu Ende sind“, forderte von seinem Kollegen Fuchsloch einen Nachweis für das, was er da soeben behauptet hatte.

Homosexualität nicht nur tolerieren, sondern respektieren

Schon zuvor hatte der Pfarrer der Versöhnungskirchengemeinde außerhalb seiner Anhängerschaft für Kopfschütteln gesorgt, als er auf die konkrete Frage, was die einzelnen Pfarrer dazu sagen würden, wenn ein junger Mensch wegen seiner Homosexualität aus einer christlichen Band geworfen würde, relativ lapidar geantwortet hatte, dass es gut sein könne, dass in so einem Fall meist noch etwas anderes dazukomme, und dass für so jemand in seiner Gemeinde kein Platz sei: „Es gibt in der Landeskirche genügend andere Gruppen, wo sich so jemand zu Hause fühlen kann.“ Demgegenüber waren Dekanin Baur und die beiden Pfarrer Oesterle und Kläger-Lißmann (Stadtkirchengemeinde) unisono der Meinung, dass es, wie Thomas Oesterle sagte, keinen Grund zur Annahme gebe, dass die (musikalische) Verkündigung der christlichen Botschaft darunter leiden könnte, dass jemand in einer gleichgeschlechtlichen Verbindung lebt. Homosexualität nicht nur zu tolerieren, sondern zu respektieren, so Steffen Kläger-Lißmann, sei ein Gebot der Nächstenliebe und der Menschenwürde.

Keine Werbung mehr für Grace-1-Gottesdienste

In dieselbe Richtung ging auch schon eine vom 27. Februar dieses Jahres datierende schriftlich Erklärung des Stadtkirchengemeinderats, der verschiedene Gespräche und Diskussionen innerhalb des CVJM und mit ihm und innerhalb des Gesamtkirchengemeinderats vorausgegangen waren, die aber weder zu einer Annäherung der Positionen noch zu einer Beruhigung des Konflikts beigetragen hatten. Weshalb der Stadtkirchengemeinderat keine andere Möglichkeit mehr sah, dem von der Kirchengemeinde mit der Jugendarbeit beauftragten CVJM deutlich zu machen, „dass aufgrund der frohen Botschaft Jesu Christi, dass Gott alle Menschen bedingungslos liebt und uns seine Vergebung aus freier Gnade schenkt, innerhalb der christlichen Gemeinde niemand wegen seines Geschlechts, seiner sexuellen Disposition, seiner Nationalität oder ethnischen Herkunft diskriminiert werden darf“. Dies in Verbindung mit der Konsequenz, „dass keine Veranstaltungen von Grace 1 mehr beworben werden, solange homosexuell lebende Menschen grundsätzlich von der verkündigenden Mitarbeit in dieser Gruppe ausgeschlossen sind“. Und auch die Gesamtkirchengemeinde, so die Erwartung des Stadtkirchengemeinderats, sollte vorerst keine Werbung mehr für Grace 1 machen, deren Gottesdienste derzeit bei der Süddeutschen Vereinigung stattfinden.

Fuchsloch: Ganze Versöhnungskirchengemeinde wird ausgegrenzt

Bei Thomas Fuchsloch freilich hat die Erwartungshaltung des Stadtkirchengemeinderats, dessen Erklärung auch vom Kirchengemeinderat der Paulus-Gemeinde gutgeheißen und unterstützt wurde, genau die gegenteilige Reaktion ausgelöst. Er hat seinen Kirchengemeinderat seinerseits eine Erklärung absegnen lassen, in der er, so übersetzt Dekanin Dr. Juliane Baur das Papier, zu dem Schluss kommt, dass, wer Grace 1 ablehnt, auch alle anderen Gruppen diskreditiert, die so denken, wie im CVJM, der die interne Diskussion wegen der Unvereinbarkeit der dort herrschenden zwei Positionen mittlerweile übrigens einfach mal für beendet erklärt hat, teilweise gedacht wird. Und weil es solche Gruppen innerhalb der Versöhnungskirchengemeinde durchaus gebe, werde, so die weitere Folgerung des Pfarrers, die ganze Versöhnungskirchengemeinde abgelehnt und ausgegrenzt. Weshalb sie sich, wenn sich an dieser Position nichts ändere, nicht länger in die Gesamtkirchengemeinde einbringen könne. Was in letzter Konsequenz eine Spaltung des Konstrukts Gesamtkirchengemeinde bedeuten würde – und das in einer Zeit, da die Zeichen, Stichwort Pfarrplan, eigentlich auf Zusammenwachsen stehen.

Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats stimmte gegen das Papier

Pikanterie am Rande: Die Einzige, die im Kirchengemeinderat der Versöhnungsgemeinde gegen das von Pfarrer Fuchsloch verfasste Papier gestimmt hat, war Annegret Scherz-Dollmann – und die ist Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats und macht, wie im Übrigen auch die Dekanin, keinen Hehl daraus, wie erschüttert sie ist, dass es immer noch so viele und vor allem auch so viele junge Menschen gibt, die mit Homosexualität ein Problem haben. Und doch haben beide die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es nicht zu einer endgültigen Spaltung kommt, sondern dass die Schorndorfer Kirchengemeinden trotz teilweise noch so unterschiedlicher Positionen wenigstens miteinander im Gespräch bleiben. Übrigens: Annegret Scherz-Dollmann hat es nicht bei der Ablehnung des Positionspapiers ihrer Kirchengemeinde belassen, sondern sie hat der 22-Jährigen einen sehr persönlich gehaltenden mitfühlenden und ermutigenden Brief geschrieben.

„Ich schäme mich“, sagt Pfarrerin Dorothee Eisrich

Eine, die von Anfang klar Position bezogen und das Positionspapier der Stadtkirchengemeinde auch maßgeblich geprägt hat, ist Pfarrerin Dorothee Eisrich, die im Vorgriff auf die zuletzt stattgefundene Veranstaltungsreihe auch gleich insofern ein Zeichen gesetzt hat, als sie in ihrem Angebot „Stadtkirche am Abend“ mit Brigitte Strassner eine bekennende lesbische Pfarrerin zu Wort kommen lassen hat. Mit Blick auf den Umgang mit der längst aus dem Schorndorfer CVJM ausgetretenen 22-Jährigen, die im Übrigen Religions- und Gemeindepädagogik und Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule in Ludwigsburg studiert und in einer Schorndorfer Nachbarkommune allgemein anerkannte Jugendarbeit macht, steht für die Pfarrerin fest: „Hier wird die Würde eines Menschen angetastet, die für mich aber nicht zur Disposition steht.“ Dazu, dass es für solcherlei Klarstellungen erst einmal einen so traurigen Anlass gebraucht hat, sagt Dorothee Eisrich: „Ich schäme mich.“

Was nun die Einladung der lesbischen Pfarrerin angeht, so hat Pfarrer Thomas Fuchsloch auch dazu seine eigene Sicht der Dinge. Er hätte sich, sagte Fuchsloch, gewünscht, dass als Korrektiv auch mal jemand eingeladen worden wäre, „der homosexuell war und es jetzt nicht mehr ist und das als Befreiung empfindet“. Vielleicht war das der Zeitpunkt, als Grünen-Stadtrat Werner Neher die Veranstaltung ebenfalls vorzeitig, aber noch kurz vor der weinenden 22-Jährigen verlassen hat.

Info

Dass uns die junge Frau, um die es unausgesprochen an allen drei Abenden ging, darum gebeten hat, ihren Namen nicht zu nennen, hat nichts mit Feigheit zu tun, sondern ist – schlimm genug – allein der Sorge um Konsequenzen für ihr berufliches Leben geschuldet. Gleichfalls Betroffene, die mit ihr Kontakt aufnehmen wollen, können sich an die Redaktion der Schorndorfer Nachrichten wenden.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Büttner

 

 

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