Eine wachsende Partnerschaft

Schorndorfer Nachrichten, 2018-07-11: Sechs Vertreter der Gemeinde St. Luke’s in Kitale (Kenia) sind zurzeit auf Einladung der Stadtkirche in Schorndorf

Schorndorf. Erst vor drei Jahren sind die evangelische Stadtkirche und die anglikanische Gemeinde St. Luke’s aus Kitale, Kenia, eine Partnerschaft eingegangen. Seitdem haben die Gemeinden zusammen mehrere Projekte gestartet und besuchen sich abwechselnd einmal im Jahr. Dieses Jahr ist eine Delegation aus Kitale nach Schorndorf gereist. Oberbürgermeister Matthias Klopfer hat sie im Rathaus begrüßt.

Die Partnerschaft zwischen der anglikanischen Gemeinde St. Luke’s in Kitale und der evangelischen Stadtkirche ist noch ganz am Anfang, sind sich Pfarrerin Dorothee Eisrich und ihr Pendant aus Kenia, Very Reverend Meshaell Kosgey, einig. „Der erste Schritt ist es, sich gegenseitig verstehen zu lernen“, findet Eisrich. „Dazu gehört es auch, die Herausforderungen, Mentalitäten und Lebensumstände der Partnergemeinde kennenzulernen.“ Die gegenseitigen Besuche spielen dafür eine große Rolle, weshalb nun schon zum zweiten Mal eine Delegation aus Kenia in Schorndorf zu Gast ist.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer empfing die Delegation im Rathaus. Die Fragen, die die Kenianer an den Rathauschef hatten, waren bezeichnend für die Herausforderungen, die ihr eigenes Land prägen. In Kenia herrschte jahrelang Dürre, die im letzten Jahr von sintflutartigem Regen abgelöst wurde. Ob die Wasserbeschaffung in Schorndorf ein Problem sei, wollte deshalb einer der Delegierten wissen. „Wir haben hier eine luxuriöse Situation“, antwortete Klopfer. „Wir haben kein Wasserproblem.“ Weil Politiker sich vor 100 Jahren schon Gedanken über die Wasserversorgung gemacht hätten. Das sieht er auch als seine Aufgabe als Politiker: nicht nur ans Jetzt denken, sondern auch an das nächste Jahrhundert. „Wir brauchen mehr Konversationen über die Situation in Afrika“, fügte Klopfer hinzu.

Bei den gegenseitigen Besuchen lernen die Gemeindevertreter viel voneinander. „Für mich war es eine einzigartige Erfahrung zu sehen, wie in Kitale Verträge unterzeichnet werden“, erinnert sich Pfarrerin Eisrich an ihren ersten Besuch in Kenia. Während sie und ein Vertreter von St. Luke’s den Partnerschaftsvertrag unterzeichneten, stand eine Gruppe von singenden und klatschenden Menschen um sie herum. „Es war eine Überraschung, wie auch eine sonst steife Angelegenheit gefeiert werden kann“, so Eisrich. Sie könne sich nicht vorstellen, ohne Toilette zu leben, kein sauberes Wasser zu haben, oder eine Mutter zu sein, ohne die Möglichkeit zu haben, schnell ein Krankenhaus zu erreichen. Beeindruckt war sie dafür von den engen Familienbeziehungen in Kitale, die den Menschen viel Unterstützung bieten.

Auch die Kenianer haben in Schorndorf einige kleine Kulturschocks erlebt. Bei seiner ersten Fahrt in der S-Bahn fragte Kosgey: „Warum redet denn niemand miteinander?“ In Kitale komme man in öffentlichen Verkehrsmitteln schnell ins Gespräch. Auch die Musik in der Kirche sei anders. „Sehr leise“, meint Kosgey. In ihrer Gemeinde sei der Chor zwar kleiner, das Publikum singe und klatsche aber bei jeder Aufführung mit. „Wären die Zuhörer so leise wie hier, würden sich die Musiker fragen, was mit ihrer Musik nicht stimmt“, erklärt er und lacht.
Ehrenamtliche Arbeit: Soll es vielleicht bald auch in Kitale geben

Begeistert waren die Vertreter aus Kitale dafür von einem Orchesterkonzert. Das sei etwas, das es sonst meistens nur in der Hauptstadt, Nairobi, gebe. Ebenso fasziniert waren sie von ihrem Besuch im Kloster Lorch. „Die Geschichte hier ist sehr gut erhalten. Bei uns scherzt man, dass die Geschichte des Landes die Geschichte des Präsidenten ist. Leider stimmt das oft auch. Wenn wir nach Hause zurückkommen, werden wir viele Fragen stellen“, so Kosgey. Mit nach Hause nehmen wollen sie auch das Konzept der ehrenamtlichen Arbeit. Das sei in der Gemeinde zu Hause noch nicht wirklich angekommen. Sie wollen deshalb versuchen, das freiwillige Engagement innerhalb der Gemeinde auszubauen. Genug Möglichkeiten gibt es dafür. Obwohl die Partnerschaft mit der evangelischen Stadtkirche in Schorndorf noch so jung ist, haben die zwei Gemeinden schon einige Projekte zusammen gestartet.

Die Spende von rund 3000 Euro aus Schorndorf hat den Bau einer neuen Kirche für die Gemeinde in Kitale vorangetrieben. In einem zweiten Projekt geht es darum, Mitgliedern von St. Luke’s zu helfen, die mit einer Behinderung leben. Die gehörlosen Gemeindemitglieder können sich schwerer verständigen, beherrschen die Zeichensprache teilweise nicht und können nicht am Gottesdienst teilnehmen. Das will St. Luke’s ändern. Die Schorndorfer stellen dafür Geld zur Verfügung, die Kenianer die Infrastruktur. Die gehörlosen Gemeindemitglieder in Kitale haben viele handwerkliche Fähigkeiten, müssen sich aber oft trotzdem von anderen abhängig machen. Die Gemeinde will deshalb ein Zentrum einrichten, das eine grundlegende Ausrüstung für die Gehörlosen zur Verfügung stellt, die es ihnen ermöglicht, unabhängiger zu leben und zu arbeiten.

Erst vor einigen Tagen hat sich ein drittes Projekt angebahnt: Bei einer Begegnung zwischen den Schorndorfern und den Gästen aus Kitale war ein Schorndorfer Gemeindemitglied so berührt von Reverend Kosgeys Einblicken in das Leben in Kitale, dass er anlässlich seines Geburtstages Spenden für die Partnergemeinde sammelte. Davon soll ein Auto für die Gehörlosen finanziert werden. Die Summe von 500 Euro reicht zwar nicht für den Van, den die Gemeinde benötigen würde, die Kenianer haben sich aber sehr über das Engagement gefreut und wollen zu Hause selbst weiter Spenden sammeln.

„Die Partnerschaft ist zurzeit noch auf einer administrativen Ebene angesiedelt“, sagt Kosgey. „In Zukunft soll sie aber auch auf unsere Gemeindemitglieder übergreifen. Deshalb haben wir Vertreter der verschiedenen Gruppen in unserer Gemeinde nach Schorndorf mitgebracht, die den anderen, wenn wir wieder zurück sind, von ihrem Besuch in Schorndorf erzählen können. Wir hoffen, dass die Partnerschaft in Zukunft weiter wächst.“

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Gabriel Habermann

 

 

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