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Projekt auf Dauer: Kirche mit Kunst

Schorndorfer Nachrichten, 2017-11-13: Wie wäre es mit einer periodischen Konfrontation?

Schorndorf. Das Projekt „Skulpturen 17“, die Nischen-Besetzungskunst an der Schorndorfer Stadtkirche, die eben nicht die Gegenwartskunst in eine Nische verbannt, gehört zur Regel gemacht. Das ist der Rat des Kirchenbau- und Kirchenkunstexperten Prof. Thomas Erne an alle Beteiligten. Er regte bei der Finissage regelmäßige Neuauflagen an.

Durchaus auf gewinnende Art unernst begann der Schlussakkord nach acht Monaten Dauerbefassung mit Objekten, wie sie ehrwürdige Kirchenmauern noch nicht gesehen haben. Geht ja auch schlecht, es handelte sich um sehr aktuelle und kritisch-akute Interventionen der ein Dutzend Objektemacher.

Die mit der roten Knubbelnase des Clowns ausgestattete Gabriele Sponner führte eine Prozession an, bei der eine rote Fahne der Kirchenkunstrevolution durch die heilige Halle getragen wurde und ihre Endbestimmung neben dem Altar fand. Es handelt sich (stellvertretend) um das Werk „Mittwoch“ des Beitragslieferanten Andreas Schmid. „Mittwoch“ kann heißen, es ist all Tag Zeit, die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen oder wenigsten zu reformieren. Es braucht keinen geheiligten Sonntag.

Unter dieser Fahne der allgemeinen Freiheit und der expliziten Freiheit, etwas zu verändern, stand fürderhin alles, was sich binnen anderthalb Stunden vor geschätzt 120 Kirchenbesuchern abspielte. Etwa das Fanfaren-von-Jericho-Spiel der beiden fantastischen Posaunisten Eberhard Budziat und Stephan Kirsch. Wobei es dann doch gut war, dass die Schorndorfer Kirchenmauern nicht unmittelbar einstürzten.

Unter dieser Fahne holte auch der Marburger Kirchenkunst-Neuerer Erne aus zu einer Rede, die kaum weniger grundstürzend war. Nicht nur, dass er allen, die mit einem Gotteshaus umzugehen haben, eine Art Ermächtigung ausstellte. Die bedeutet, diese Gemäuer lebendig zu halten. Nicht, dass es eines Tages auch in Schorndorf so ist, dass ein bekannter amerikanischer Schnellfressanbieter zuschlägt. Weil den Gotteshäusern die Gläubigen ausgegangen sind, sie als Immobilie ausgehängt werden. Erne malte dabei nicht nur verbal dies bestürzende Bild an die Wand, sondern hat die konkrete Schorndorfer Ansicht provokativ bearbeitet an die Leinwand geworfen. Der Schreck fuhr den Gemeindemitgliedern ins Mark, wie es das Johannes-Evangelium nicht mehr vermag.

Es war eine Rede zum Schluss der Ausstellung. Also schlug Erne vor, etwas anzukaufen. Und zwar Thomas Putze. Das ist der Mann, der sich bei der Vernissage bar auch nur eines Fetzen Stoffs erst mit Gesteinsmehl einrieb und sich dann von einem Hubsteiger in vier Meter Höhe bringen ließ. Dort stand er dann in einer Nische. Thomas Putze, diese Aktion, sei eben bestens geeignet, um den Separatraum Kirche zu öffnen. Damit es dem Sakralen gelingt, „Teil der Stadt zu werden“. Es wäre ja zu schade, wenn es nicht gelänge. Denn hier, in den Kirchen, „da beginnt die Unendlichkeit“. Von dieser geistigen wie materiellen, alltäglichen Qualität des „Hybridraumes“ Kirche ist Erne nach wie vor überzeugt – er berge „das Beste aus beiden Welten“. Siehe Kölner Dom. Da sei eben der Raum die Botschaft und es interessiere nicht die Botschaft selbst. Die Aktion von Thomas Putze zeige, dass die Reformation entweder vollendet werden muss oder erst zu beginnen hat. Es reiche nicht, wie vor 500 Jahren geschehen, dass Heiligenfiguren vom Sockel geholt werden. Wir müssen sie selbst besetzen. Denn die Heiligen, „das sind wir alle“.

Aus diesem Furor heraus machte Erne seinen finalen Vorschlag. Es habe in diesem Jahr drei wichtige periodische Kunstschauen gegeben. Die Documenta, die Skulpturenschau in Münster und die Biennale in Venedig. „Skulpturen 17“, das von der Berliner Kulturstaatsministerin maßgeblich unterstützte Schorndorfer Projekt, gehöre ebenfalls regelmäßig wiederholt, ergänzt, erneuert. Und zwar bis in eine Zeit, in der auch noch unsere Enkel erfahren von einer Kunst, die was zu sagen hat.

Gerade in Kirchen.

 

© Schorndorfer Nachrichten, Foto:  Privat

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