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"Keine Religion ist unschuldig"

Schorndorfer Nachrichten, 2017-10-02: Krieg und Frieden im Namen Gottes? – Großes Interesse am Vortrag von Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel in der Stadtkirche

Schorndorf. „Keine Religion ist unschuldig“, bekannte der renommierte katholische Theologe und Weltethiker Karl-Josef Kuschel in seinem Vortrag vor zahlreichen gespannten Hörern in der Stadtkirche. Dabei stehe im Kern der Religionen doch das Friedensgebot. Wie, angesichts weltweiter Gewaltakte im Namen Gottes, eine Gegenstrategie entwickeln? Das war der bewegende Versuch eines aus „Verlegenheit und Enttäuschung“ sprechenden Redners.

Nicht nur körperlich, sondern auch theologisch „verfroren“ wirkte Professor Kuschel, wie er da mit einer Decke über den Beinen unter dem Bild der Arbeit „God bless you“ von Josefh Delleg saß. Einer Knüppel-Plastik, die anlässlich des Skulpturenprojekts derzeit eine Nische der Stadtkirche besetzt und in deren Rahmenprogramm – ein die Schorndorfer Gemeinde herausforderndes Selbstverständigungsunternehmen im Zeichen der Reformation – auch sein Vortrag stattfand.
Eine Theologie des Friedens auf Basis der Menschenrechte

Da machte sich einer gleich eingangs sympathisch verwundbar. Aus „Verlegenheit und Enttäuschung“ spreche er. Jemand, der erfahren muss, wie ein Fortschritt auch wieder zurückgenommen werden kann. Die ihn prägende Erfahrung war das 2. Vatikanische Konzil und die 1963 erschienene Enzyklika „Pacem in Terris“ (Friede auf Erden) von Papst Johannes XXIII., eine, wie Kuschel sagte, „Theologie des Friedens auf der Basis der Menschenrechte“, wie es sie zuvor so nicht gegeben habe.

Dann die Anfechtungen des „Zeitgeistes“ der 68er nach 200 Jahren Religionskritik zu Beginn seines Studiums und die damit verbundene Frage: „Welch eine Geschichte von Blut, Tränen und Massenmord. Und alles im Namen Gottes.“ Wie, so Kuschel, könne man da noch „intellektuell redlich religiös sein wollen und somit sein Leben und Sterben auf eine transzendente Wirklichkeit gründen?“

Im Laufe der Jahre habe er aber gelernt, dass die „defensive öffentliche Lage der Religionen“ ein europäisches Phänomen sei. „In Europa ist Religion auf eine geschichtlich beispiellose Schwundstufe gesunken.“ Global gesehen verändere sich das Bild. „Von Europa abgesehen, hat Religion in allen Kontinenten dieser Erde auf Hunderte von Millionen Menschen nach wie vor Einfluss.“ Anders als ältere Säkularisierungsvorhersagen über das weltweite Verschwinden der Religionen müsse man heute davon ausgehen, „dass im globalen Wettbewerb das kulturelle und religiöse Eigenprofil der Kontinente sich nicht etwa abschleift, sondern verschärft“.

Mit Folgen: „Aufruhr gegen soziale Verwerfungen kleiden sich heute nicht mehr länger in ideologische (Marxismus-Kapitalismus), sondern ethnisch-religiöse Gewänder.“ Das bedeute, so Kuschel, dass „den Religionen eine besondere Verantwortung zuwächst, die vorhandenen sozialen und ethnischen Konflikte nicht religiös zu fanatisieren, sondern religiös zu zivilisieren“.

Dabei sieht Kuschel nicht, dass die Religionen, trotz aller ökonomischen Globalisierung, zu einer Einheitsreligion zusammenwüchsen. Eine „McDonaldisierung“ der Weltreligionen sei nicht zu erwarten. Daraus folge: „Die Religionen behalten untereinander bleibend gültige Wahrheitsansprüche.“ Dazu komme, dass nach dem Zusammenbruch der „modernen Großideologien“ 1989 ein „postideologisches Vakuum“ entstanden sei, mit dem Effekt, dass der Anteil religiöser Menschen an der Weltbevölkerung „dramatisch“ ansteige. Selbst in China würden heute schon mehr Christen in einen Sonntagsgottesdienst gehen als in ganz Westeuropa.

Dass Religion eben nicht vorbei und vergangen sei, habe Kuschel ermutigt. Womit er nicht gerechnet habe, sei, „dass ich im Jahr 2017 mehr denn je nicht nur über Frieden, sondern auch über Gewalt im Namen Gottes würde sprechen müssen“. Denn „keine Religion ist unschuldig“. Aber ist Gewalt im Namen von Religionen „nur übergriffiger Missbrauch von Verblendeten?“ Nein, so Kuschel, „machen wir uns nichts vor: In vielen Religionen gibt es schon in den Heiligen Schriften selber Rechtfertigung von Krieg, Intoleranz und Gewalt.“

Aber gleichzeitig - „Doppelgesichtigkeit der Religionen“, so der Untertitel von Kuschels Vortrag – „die Eindämmung und letztlich Überwindung der Gewalt durch Ethos und Recht ist auch schon Teil der Heiligen Schriften“. Und wäre denn die Religionslosigkeit eine Garantie für Friedfertigkeit, fragte Kuschel und verwies auf die „monströse Gewaltgeschichte des Atheismus von Robespierre bis Hitler und Stalin“.

Mit noch mehr Laizismus und Säkularisierung ließen sich die Probleme der Menschheit nicht lösen, meinte der Theologe und plädierte für „Strategien zur Selbstreinigung und inneren Erneuerung der traditionellen Religionen mit dem Ziel, sie zu gewinnen für eine Erziehung zu den Menschenrechten, zum Ernstnehmen des Pluralismus, zur Koexistenz mit Andersglaubenden“.

Aber geht es bei den derzeitigen Gewaltexzessen überhaupt um Religion? Ist sie nicht nur „Tarnmantel anderer Konflikte?“ Immerhin so viel gesteht Kuschel ein, „wer hinter den Parolen des Islamismus nicht den Schrei nach Partizipation und einem besseren Leben sieht, hat wenig von der Wirklichkeit verstanden“. Am Ende klagte Kuschel Gegenstrategien ein, eine „Kultur des Vertrauens, der Achtsamkeit für die Präsenz des je Andersglaubenden neben mir und vor Gott“.

Was aber, wenn menschlicher Gewalt völlig egal wäre, in wessen Namen sie wütet? Einen wird sie immer finden. Da könnte es einen schon frieren.

© Schorndorfer Nachrichten, Foto: Ralph Steinemann

Ausgewählte Vorankündigungen

Sonntag, 24. Dezember 2017, 16:00- Uhr

Familiengottesdienst zum Heilig Abend (Kläger-Lißmann)

 mit Krippenspiel sowie Kinder- und Wichtelchor; Predigt und Liturgie: Pfarrer Kläger-Lißmann



Sonntag, 24. Dezember 2017, 18:00- Uhr

Gottesdienst am Heilig Abend (Eisrich)

mit dem Posaunenchor des CVJM und Hannelore Hinderer an der Orgel. Liturgie und Predigt: Pfarrerin Dorothee Eisrich



Sonntag, 24. Dezember 2017, 22:00- Uhr

"ForYou" Jugendgottesdienst

Christnacht, gestaltet durch das ForYou-Jugendgottesdienstteam mit Beteiligung von Dekanin Dr. Baur



Montag, 25. Dezember 2017, 10:00- Uhr

Festgottesdienst am 1. Weihnachtsfeiertag (Baur)

mit der Kantorei, Jugendkantorei und Orchster; Musik von C. Ph. E. Bach, Leitung H. Hinderer; Liturgie und Predigt: Dekanin Dr. Baur



Dienstag, 26. Dezember 2017, 10:00- Uhr

Gottesdienst am 2. Weihnachtsfeiertag (Eisrich)

Gottesdienst mit Weihnachtsmusik und vielen Liedern zum Mitsingen; Ina Reich, Violine, Heide Blümle, Klavier und Orgel; Liturgie und Predigt: Pfarrerin D.Eisrich



Sonntag, 31. Dezember 2017, 18:30- Uhr

Gottesdienst zum Jahreswechsel (Baur)

mit Abendmahl und Dekanin Dr. Baur



Sonntag, 31. Dezember 2017, 21:30- 22:40 Uhr

Konzert zum Jahresschluss

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